Die Burg auf dem „Poll“ im Hochmittelalter
Wir schreiben das Jahr 1217.
Auf der romanischen Höhenburg des kleinen- und großen Everstein in der Gemarkung Negenborn herrschte wohl große Aufregung, denn laut dem Stammbaum des Prof. Meyer aus dem Jahre 1954 stirbt Graf Albert von Everstein. Er gilt als der Stammvater vor der Aufteilung in Erblinien und hinterlässt 4 gleichrangige Brüder. Diese 4 Brüder gründen in den nächsten Jahren eigene Familien und können auf der Vaterburg des kleinen- und großen Everstein als sog. Ganerbenburg (siehe Burg Eltz) nicht gemeinsam wohnen und herrschen. Die Burg ist zu klein. Für den Aufbau der neuen Standorte benötigen Sie Geld und geben ihre Anteile an der Vaterburg in den nächsten Jahren an das staufische Kurköln um Schutzbündnisse zu erhalten, bekommen die Burg als Lehen aber zurück. Um Streitigkeiten zu beenden gibt Kurköln allerdings die Burg an das Welfenhaus weiter, was den Eversteinern wohl nicht gefiel.
Die Burg musste 1284 daher unter Zwang geräumt werden. Die 4 Brüder sind aber nicht zerstritten und regeln viele Angelegenheiten der Grafschaft in Urkunden einträchtig und betreiben planmäßigen Landesaufbau. Das zeigen Urkunden, die gemeinsam mit den unterschiedlichen 4 Siegeln der Brüder (Eversteiner Löwe) ausgestattet sind. In einer Urkunde vom 14.10.1256 werden Sie sogar die Söhne Fuldas genannt, da die Eversteiner Vogteirechte in Hameln hatten und der Bonifatiusstift in Hameln durch Fulda im Rahmen der Christianisierung Karls des Großen entstanden ist.
Burg Polle wird erbaut
Der jüngste von Ihnen, Hermann von Everstein, verheiratet mit der Dänin Hedwig Johansdatter erbaut zwischen 1230 und 1250 (Dr. Zeune) an strategisch wichtiger Lage in der Kern-Grafschaft zwischen Hameln und Holzminden eine Burg an der Weser auf einem Bergsporn „Poll“ genannt im damaligen romanischen Stil. Er urkundet u.a. 1263. Sein Sohn und Erbnachfolger Otto von Everstein, verheiratet in 2. Ehe mit Lutgardis von Schladen haben auf Burg Polle gemeinsam drei Kinder. Otto, später Domherr zu Hildesheim, Elisabeth, verheiratet mit Gerhard von Hallermund und Hermann, verheiratet mit Adelheid zur Lippe, der die Grafschaft nach seinem Vater Otto weiterführt und dessen Grabtumba im Kloster Amelungsborn zu bewundern ist. Amelungsborn wurde schon immer gefördert und ist Grablege der Eversteiner.
Die geschichtlich gekürzten Angaben sind in entsprechenden Quellen verankert. Andreas Busche