05533/405-59
Link verschicken   Drucken
 

Paragraph 12

§ 12

 

Hameln (Quernhameln). Stift zu St. Bonifacii.

 

Entstehung der Stadt. Rechte der Grafen über das Stift und in der Stadt.

 

Vogtrechte. Münder.

 

Hameln, in früherer Zeit Quernhameln genannt, gehörte vielleicht zu den ältesten Eversteinschen Besizungen in dieser Gegend. Diese jetzt am rechten Ufer der Weser, an der Mündung der Hamel liegende Hannöverische Stadt, verdankt ihre Entstehung wahrscheinlich dem alten Stifte daselbst, welches den heiligen Bonifacius als seinen Patron verehrte. Hamelnsche Kirchen-Nachrichten, welche ein Geistlicher in dem Stifte1374 zusammen getragen hat, a) erzählen: Binifacius, welchem die Lage von Hameln gefallen, habe hier, nachdem er Kirchen in Fulda, Fritzlar und Eresburg gestiftet, den Grafen  Eberhard und die

 

a) s. Joh. de Polda in Chron. eccl. Hamel. Supplet. bei Leibnitz in 8. R.Br. II. 508 seq. A. Lerbee in Chr. Ep. Mind. Ibid. p. 186. Bei de Ludewig in reliq. Ms. X 3. befindet sich gleichfalls das Chron. des Joh. de Polda jedoch fehlerhaft.  

 

Gräfin Odegund, von Osten genannt, welche aus Wittekind’s Stamme entsproßen und kinderlos gewesen, mit den Namen Bernhard und Christine getauft, eine Kirche zu Ehren des Romanus, seines Vorgängers in Maynz geweihet, auch nachdem der Graf und die Gräfin ihre Güter derselben gegen Erlangung eines Begräbnißes in der Kirche und einer am 31. October zu haltenden Memorie zugewandt, Benedictiner aus Fulda hierher berufen, sie als Canonici regulares bestellt, und diese Kirche dem Kloster in Fulda übergeben. Wie der Papst Leo und K.Karl von Paderborn in Begleitung des Erbischofs Lullus und des Fuldaischen Abts Sturm nach Hameln gekommen, erzählen die Kirchen-Nachrichten weiter, sie auf Bitte der genanntenbeiden Geistlichen die Kirche daselbst dem heiligen Bonifacius geweihet. Von dieser Erzählung kann man zuvörderst dasjenige, was von den Handlungen des Bonifacius in Hameln mitgetheilt wird, ausscheiden, indem bis jetzt nicht hat nachgewiesen werden können, daß er in dieser Gegend war. Auch mag die Erzählung von der Anwesenheit des Papstes, des Kaisers, des Lullus und Sturm in Hameln auf sich beruhen. Dagegen kann man als sehr wahrscheinlich annehmen, daß die Kirche in Hameln ihre Gründung dem Kloster in Fulda zu danken hat. Nicht allein war jene, wie dieses, dem heiligen Bonifacius gewidmet, sondern sie hing auch von diesem Kloster ab. Hameln lag in der Mindenschen Diocese entfernt von Fulda; und da keine andere Verhältniße bekannt sind, durch welche das Stift in Hameln dem von Fulda untergeben worden, so kann man den Theil der Erzählung, daß von Fulda aus Hameln gestiftet worden, als wahrscheinlich annehmen.

 

Eine solche Thatsache wird das Verhältniß zwischen Hameln und Fulda hinlänglich begründen, ohne auf die angeblich von Kaiser Karl dem Großen ausgestellte, nur in Abschrift vorhandene a), schon ihrer Form sehr verdächtige b) Urkunde, nach welcher der Kaiser dem Stifte Fulda Hameln ( res quasdam proprizmis Nostrae, id est Hamalo nuncupatum situm in Pago Saxoniae) schenkte, Rücksicht zu nehmen. Die Behauptung, daß das  Stift in Hameln,

 

a) s. Schannat in trad. Fuld. p. 23 nr. XLIII. a. Urk. d. Abts Heinr. V. Fulda v. 1259. (CXIX).

 

b) s. Eckhard in rcb. Wireeb. I. 650.

 

Vor seiner Verbindung mit Fulda, dem Stifte in Corvey untergeben gewesen a), ist bis jetzt nicht begründet. Vielleicht war in Hameln eher eine Fuldaische Pflanzung, ehe Corvey (816) und Minden (803?) gestiftet wurden. Die Erzählung, daß ein Graf Eberhard in Hameln die

 

a) Dieses geschieht von Leibnitz a. a. O. in intrud. P. 46. in Beziehung auf gewiße Corveyische Urkunden, welche nicht angegeben und nicht bekannt sind.

 

Hamelnsche Kirche zuerst ausgestattet, läßt sich zwar nicht begünden; indeßen erscheinen in der älteren Zeit ein Graf Bernhard und eine Gräfin Christine – diese Namen sollen Graf Eberhard und seine Frau Odegund in der Taufe erhalten haben – in dieser Gegend begütert, und als Wohltäter geistlicher Stiftungen, welche dem Bonifacius gewidmet waren. Die Fuldaischen Schenkungs-Register gedenken eines sächsischen, im Gau Cigildi (Tilithi) begüterten Grafen Bernhard; sie erzählen, daß Adalhart, zum Seelenheil seines Bruders, des Grafen Bernhar, den ganzen Nachlaß deßelben und seine frau Christine dem h. Bonifacius übergeben; und daß ein Eberkar diesem Heiligen alles dasjenige übertragen, was der Graf Bernhard und deßen Frau Christine zu ihrem Gedächtniße angewiesen hatten a).

 

Nach älteren Corveyischen Nachrichten hat in dieser Gegend ein Graf Bernhard gelebt, welcher den Kaiser Ludwig für das Stift Corvey eine Mark an der Weser, nördlich von Höxter verkauft hat  b). Ein Graf Bernhard und seine Frau Christine lebten also nicht fern von Hameln, aus deren Gütern die Kirche daselbst erhalten hat. Ob er oder sie aus Weittekinds Stamme entsproßen, wie die Kirchen-Nachrichten sagen, ist nicht aufgekläret, und es läßt sich nicht ausmitteln, ob von fränkischer Abkunft gewesen c).
 

In Hameln legte man ihm einen Familien-Namen: von Osten bei; später nannte man ihn einen Grafen v. Büren. d). Es bedarf keiner  Widerlegung,  daß in der Zeit, in welcher er lebte, von

 

a) Ebirhardi Mon. Fuld. Sammaria trad. vet: C. V. nr. 25. 54. 55. bei Schannat in corp. trad. Fuld. p. 301. 302.

 

b) s. Kindlinger in der Samml. merkw. Urk. u. Nachr. Hese I. S. 169 – 171 – emit marcum a quodam Bernharde comite ita dislinctam: ab oriente terminatur furio Wisera ab aquilone Beringisan et Albachtessen a meridie Gudolmon et Meingotessen ab occidente Luitaiaressc

 

c) s. Wigand im Corveyischen Güterbesitz S. 4.

 

d) s. Joh.Polda I. c. d. Moller’s kurzgefaßte Gesch. d. Stadt Hameln S. 7. (s. Büsching’s Magaz. f. die neueste Historie VII. 497.

 

keinem Familien-Namen die Rede sein konnte. Jene, wenn gleich in einer späteren Zeit hervorgerufenen Namen erregen jedoch in Beziehung auf die Eversteinsche Familie und deren Verhältniße zu Hameln einige Aufmerksamkeit. Mehrere Grafen v. Everstein nannten sich Grafen v. Osen und es steht dahin, ob nicht beim Stifte in Hameln dieser bekannte Name dem Stifter beigelegt, und statt deßen demnächst Osten gelesen war.

 

Der Name v. Büren wird aber dadurch bedeutender, daß bei Hameln, wahrscheinlich da, wo nächstdem eine Befestigung, das Fort George angelegt ist, ein Ort Büren lag, und Mitglieder der Eversteinschen Familie sich später v. Büren schrieben. S. § 40. Von der Lage des Ortes Büren bei Hameln, wo die Stadt, nach 1360 und 1366 geschehener Auflaßung der Kannen in Lugde, Güter, 1373 den Zehnten und 1498 den Forst (ungedr. Urk.) von dem Probste des Stifts Hameln zu Lehn erhielt, zeugt noch, daß ein Weg zu jener Befestigung der Bürensche Weg genannt wird. a). Vielleicht hat auch dieser Ort, wenn er eine Eversteinsche Besitzung war, die Veranlaßung gegeben, daß der Graf Otto v. Everstein sich de Buren nannte, wozu sonst kein grund kennbar ist. s. § 40.

 

a) s. Moller’s Gesch. V. Hameln.

 
Veranstaltungen
 

Nächste Veranstaltungen:

06. 08. 2020 - 14:00 Uhr
 
07. 08. 2020 - 09:00 Uhr
 
08. 08. 2020 - 10:00 Uhr
 
 
 
Wetter
 

 

Klicken Sie hier, um die Inhalte von "kachelmannwetter.com" anzuzeigen
Beim Aufruf gelten abweichende Datenschutzbestimmungen der Webseite "kachelmannwetter.com"
kachelmannwetter.com