Conrad IV., welcher Bodo von Homburg 1213 ermordet habe a).  Wahrscheinlich waren die in Anspruch genommenen Grafen Nachbaren des Getödteten, weil in dem Sühnevertrag bestimmt war, daß sie zum Nachtheile der zu Sühnenden keine Gebäude errichten sollten. Die Schlößer Everstein und Homburg mit dem dazu gehörigen Besizungen gränzten zusammen. Vielleicht ist unter den nachbaren ein Güterbesiz streitig gewesen, da auch den Kindern des Bodo der ruhige Besiz der väterlichen Güter zugesichert wurde. Nach dem Inhalte des Vertrages ist eine Fehde, an welcher auf Eversteinscher seite auch mehrere Personen theil genommen, ausgeglichen. Es war nämlich bestimmt, daß alle Gefangene zurückgegeben wer-

 

 a) p. 52 s. a. Hofmann im Ehrenkleinode. (Hdschr.)

 

den, die Lehnmänner ihre im Kriege verlohrenen Güter wieder erhalten und durch Zwang erpreßte, noch nicht geleistete Versprechungen ungültig sein sollten. Heinrich von Luthardeßen und Arnold de Porta müßen auf Eversteinscher Seite einen vorzüglichen Antheil genommen haben, weil ihnen besonders auferlegt wurde, zehn Höxtersche Mark aufzulaßen, um sie von denen von Homburg wieder zu Lehn zu empfangen, und da sie namentlich unter denen Theilnehmern genannt sind, welche ein Jahr hindurch das Bisthum Hildesheim zu verlaßen, angewiesen wurden. Die Grafen waren von dieser Verbannung ausgenommen; sie mußten aber auch für den Getödteten 5000 Messen und Vigilien lesen laßen, ihm die Brüderschaft in 50 Klöstern gewinnen, in Kemnade, wo die von Homburg ihr Erbbegräbis hatten a),  einen Altar stiften und einen Ritter auf ihre Kosten ein Jahr hindurch im heiligen Lande erhalten.

 

 a) Dieses bezeugten Heinrich und Geverd von Homburg Brüder, wie sie am 24. Juni 1384 einen Altar S. Georg in Kemnade stifteten, und demselben einen Meyerhof bei der niederen Kirche inHelen zuwiesen. (Ungedr. Orig. Urk.) In Helen waren zwei Kirchen. S. Mind. A rchidiac. Reg.in meinen Beiträgen I. 288.

 

Der ganze Vorfall ist noch nicht gehörig aufgekläret. Wir wißen nicht, ob Bodovon Homburg in ehrlicher Fehde sein Leben verlohren, oder ob ein Mord an ihm verübt, diese her-vorgerufen, wie man nach den vorliegenden, für den Grafen und ihre Helfer sehr drückenden Verhältnißen glauben muß a).  Die Urkunde des Bischofs Conrad kann, wie schon vorher bemerkt worden, nicht vom Jahre 1227 sein; sie enthält aber auch manches Dunkele und Auffallende, daß man wol über die Aechtheit Zweifel erregen mag. Es fehlen uns gleichzeitige Nachrichten um alle Thatumstände gehörig zu prüfen. Ob der Bischof Conrad aus kaiserlicher Vollmacht, wie die Ueberschrift der Urkunde sagt, jenen Vertrag geschloßen, oder als ein Lehnherr der Herren von Homburg sich eingemischt b),  ist nicht bekannt. Es kann übrigens sehr wol der Fall sein, daß diese Everstein-Homburgsche Fehde mit den Mißverhältnißen, in welchen die Grafen von Everstein überhaupt mit dem Bischofe Conrad standen, in naher Verbindung sich befindet.

 

 a) Die Ueberschrift der aus einem Hildesheimschen Urk. B. genommenen Urkunde von 1227 redet von einem Morde (caedis)
 b) Nach einem, auf einer vielleicht falschen Urkunde vom 8. Mai 1150 gegründeten Erkenntniße K. Friedrich’s vom 1. December 1181, war Homburg der Hildesheimschen  Kirche zugesprochen, und der Bischof Adelog konnte am 11. Mai 1183 damit die Brüder Ludolf und Adolf vonDaßel und die Brüder Bodo und Bertold (von Homburg 1184. XVII) belehnen. s. Or. III. 547 –549.   444 – 448. Falcke p. 135.

 

 

§. 44.

 

3) Mißverhältniße mit dem Hildesheimschen Bischofe
Conrad.  1227

 

Dieser gedenkt ein Bruchstück einer Urkunde eines Grafen H. v. Woldenberg, welche in einem Urkundenbuche in der Ueberschrift mit der Jahreszahl 1227 versehen ist. XLIII. Nach diesem Bruchstücke hatte der Graf Heinrich sich gegen den Bischof Conrad zu be-schweren, daß er ihm und seinen Verwandten, den Grafen von Everstein Gewalt zufüge und sich nicht versöhnen laßen wolle. Die Urkunde liegt nicht vollständig vor und man ist ungewiß, ob sie aus dem jahre 1227 ist. Ob dieser Mißverhältniße durch die Streitigkeiten, welche die Wahl des Bischofs Conrad, eines Grafen von Reifenberg, mit den Dienstmannen des Stifts, und daß mehrere derselben 1222 mit dem Kirchenbann belegt wurden, veranlaßt hatte, herbeigeführt sind, ist nicht klar.Keiner der Grafen von Everstein ist in dem Verzeichniße der Excommunicirten genannt, wie jene auch damals in keiner besondern Verbindung mit dem Stifte standen. Ein Bodo v. Homburg war in dieser Zeit in einer Fehde mit Bernhard Graf von  Spiegelberg, Conrad von Hohenbüchen (de alto fago) und Gieseler v. Ethsen verwickelt, welche ernsthaft gewesen sein muß, da der Kaiser Friedrich zu deren Beendigung sein Ansehn kräftig verwandte a).  Ob an dieser Fehde auch Grafen von Everstein Theil genommen und solche in naher Verbindung mit seinem Tode steht, hat nicht aufgeklärt werden können.

 

 a) Ueber die Streitigkeiten mit dem Bischofe Conrad und die Fehde mit Bodo von Homburg  s. Or. gu. III. 227 und die daselbst angeführten Urkunden.

 

 

§. 45.

 

4. Mißverhältnisse der Söhne Albert des III. mit dem
Herzoge Otto von Braunschweig

 

Der Herzog Otto von Braunschweig, ein Enkel heinrich’s des Löwen, versöhnte sich auf dem im August 1235 in Maynz gehaltenen Reichstage mit dem K. Friedrich b) und schloß bei seiner Rückkehr am 28ten August deßelben Jahres in Göttingen mit den beiden Brüdern Otto IV., und Conrad IV., einen Sühnevertrag, in welchen auch Hermann I. und Ludwig III. eingeschloßen wurden. Da dieser unmittelbar auf die Aussöhnung mit dem K. Friedrich folgte, so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Grafen v. Everstein in dem lange dauernden Streite gegen das WelfischeHaus feindlich gegen dieses handelten. Keiner von jener Familie wird in bekannten urkunden dieses Hauses aus jener Zeit von  K. Otto IV. an erwähnt. Ob die

 

 b) s. Or. gu. IV. 49.

 

Grafen die Ansprüche des ihnen verwandten kaiserlichen Hauses, welche K. Heinrich nach dem Tode des Pfalzgrafen Heinrich (1227), aus einer, von deßen Tochter Irmgard, des Markgrafen Hermann von Baden Frau dem K. Friedrich gemachten Uebertragung, auf Braunschweig durch einen feindlichen Ueberzug geltend machen wollte a),  unterstüzt, oder welchen Antheil sie an den, gegen den Herzog, gleichfalls ihren verwandten b) aufgeregten Händeln sonst genommen haben, ist nicht ermittelt. Die dem K. Otto IV. geleisteten Vorschüße c) wenn sie auch geschehen, waren wol nicht allein die Veranlaßung zu einer ernsten Fehde. Groß muß indeßen die Feindschaft gewesen sein, da die Grafen Frieden zu halten eidlich gelobten und ein jeder von ihnen einen Sohn als Geißel stellte, welche unter Verbürgung zehn Eversteinscher Dienstmannen als Gefangene des Herzogs betrachtet werden sollten, wenn jenes versprechen gebrochen würde. Gebhard von Arnesten und Hermann Graf von Woldenberg machten sich noch besonders verbindlich, den als Geißel bestimmten Sohn des Grafen otto, wenn er entfliehen würde, zu stellen; der erstere versprach, wenn die Grafen Conrad und Otto den Frieden nicht halten würden, gegen sie zu sein; ein gleiches Versprechen gaben noch acht Edle in Ansehung jener Grafen und ihrer beiden Brüder Ludwig III. und Hermann I., gegen welche auch Conrad und Otto mit dem Herzoge gemeinschaftliche sache machen wollten, wenn sie den Frieden brechen sollten.

 

 a) s. Or. gu. IV. 19 III. 239.
 b) Des Herzogs Otto Mutter Helena war des Königs Waldemar I. von Dännemark Tochter. s. a. S. 224.
 c) s. Hamelmann I. c.

 

 

§. 46.

 

5) Fehde mit dem Herzog Otto von Braunschweig.  1256.

 

Wie sich die Verhältniße nach dem Vertrage von 1235 und bis zu dem 1252 erfolgten Tode des Herzogs Otto gestaltet haben, ist unbekannt. Bald nach diesem, 1256 ist ein Graf von Everstein in eine Fehde mit Otto’s Sohne, dem Herzoge Albrecht verwickelt worden. Jener soll, wie die von Aßeburg im Braunschweigischen von dem Herzoge bekämpft wurden, mit Gerhard, Erzbischof von Maynz in des Leztern Land eingefallen, mit diesem gefangen genommen, und er auf Befehl des Herzogs aufgehängt sein. Die älteste Nachricht wird in der Braunschweigischen, mit dem Jahre 1279 schließenden Reim-Chronick mitgetheilt. Sie nennt den Grafen Conrad, läßt ihn nebst dem Erbischofe von einem herzoglichen Vogt Willekin (von Bodenhausen ? oder von Kerstligerode?)  a) bei Aldenhausen  gefangen genommen und

 

 a) Bodenhausen sagt Lubecus in Chr. North. Kerstlingerode nennen ihn Lezner i. d. Daß. Chr. L.III. fol. 74. Bünting  und heise in ant. Kerst. p. 17. Ein Willekin des Herzogs Vogt 1269. s. Or. Gu. IV. pr. p. 12.

 

und nach einem Urtheile auf Befehl des Herzogs an einem Galgen aufgehängt sein b). Diese Erzählung ist auch in dem Bruchstücke einer  Braunschweigischen Genealogie, mit der Abweichung enthalten, daß der Bischof in Amelungsborn gefangen worden. Eine mit dem Jahre 1314 endigende Chronick in einem Codex der S. Blasii Kirche in Braunschweig sagt: Graf Conrad sei durch den Herzog Albrecht 1256 aufgehängt. Der Verfaßer der 1352 beendigten Zusäze zu Lambert’s von Aschaffenburg Chronick läßt die Gefangennehmung des Erzbischofs und vieler Grafen bei Bollestetten (? Bolstedt bei Mühlhausen) geschehen und deßen unbenannten Oheim, einen grafen von Everstein aufgeknüpft sein. So erzählen es beim Jahre 1255 auch andere Chrinicken aus dem ersten Vierthel des  15ten  Jahrhundert. Lerbeck

 

b) s. Leibnitz I. e. S. 137 v. 64 – 139.
„Dem Graffen theylt er ein Spiel
„Das schwar was aus dermassen viel
„Durch eine wilkure vor erkoren
„Liess er den herrn wollgeboren
„An einen galgen hengen da hoch
„Bey den Hessen (
Füssen?) doch lebt er so
„Biss in den dritten tag
„Er hinge auch also lang darnach.

 

nennt den bei den Füßen aufgehängten Grafen von Everstein Conrad mit dem Zusaze: er sei, weil er ein Graf gewesen, ehrich begraben. Er bezeichnet dadurch das Jahr 1257, weil er den Vorfall in das zweite des K. Richard sezt. Eine im Kloster Niddagshausen fortgeszte Chronick nennt den Grafen Conrad und das Jahr 1256; der Eimbecksche  Geistliche Engelhus bezeichnet dieses Jahr und den nicht genannten Grafen von Everstein als einen Oheim des Erzbischofs Gerhard. Zwei andere, etwas später verfaste Chronicken von Stadtweg und Botho nennen den Grafen Dietrich, und eine andere im dritten Vierthel des 15ten Jahrhundert geschloßene, läst einen Grafen von Everstein 1256 am Tage vor Simon und Juda in der Fehde des Herzogs Albrecht mit Albert Landgrafen von Thüringen bei Halle gefangen sein a);  Spätere ihren Vorgängern nur folgende Schriftsteller mögen unbeachtet bleiben b).

 

 a) Die außer der Reimchronick angeführten Schrifsteller finden sich: bei Mader in antiq. Bruns p. 273 und Leibnitz II. 19; daselbst II. 61; bei Pistor in R. G. S. I. 258; bei Eccard in hist. Princ.Sax. p. Pistor I. e. p. 929; bei Meibom in R. G. I. 511.; bei Leibnitz II. 79; daselbst II. 1119; Daselbst III. 273; daselbst III. 366 und 591.
 b) s. Kranz, Öetzner, Spangenberg, Hamelmann, Pfeffinger, Rethmeyer, Heise in ant. Kerstling, Leyser u. Harenberg.

 

Es ist nicht daran zu zweifeln, daß der Erzbischof Gerhard von Maynz mit dem Herzoge Albrecht 1256 in einer Fehde verwickelt gewesen, in Gefangenschaft gerathen und vom Könige Richard daraus gelöset worden a); und es ist nicht unwahrscheinlich, daß ein Graf von

 

 a) s. die reimchronick u. die S. 270 nota a. bemerkten Schriftsteller. Eine Folge die der Gefangenschaft war die Abtretung von Gieselwerder an den Herzog, welches bei ihm und seinem Sohne bis 1290 blieb. s. Wenk II. 943. wo auch Scheid in d. Zusäzen zu Moser S. 83 widerlegt ist.s. a. Rommel i. d. Gesch. v. Heßen II. A. S. 54.

 

Everstein, ein naher Verwandter von ihm, mit ihm zog, wenn dieser nicht ach schon mit der Aßeburgschen Familie befreundet war, s. §. 23. oder überhaupt eine Gelegenheit wahrnahm, um wieder feindlich gegen das Haus der Welfen zu handeln. Ob ihn aber das harte Schicksal getroffen, in einer so ungewöhnlichen Weise von dem Herzoge behandelt zu werden, ist eine andere Frage. Die Grafen standen zu ihm damals in keinen Lehns- oder anderen Verpflichtungen und es möchte daher ein Grund zu einer so außerordentlichen Maasregel nicht aufzufinden sein. Die Reimchronick scheint zwar ziemlich gleichzeitiges Zeugnis abzulegen, allein, es ist noch nicht gewiß, ob sie so, wie wir sie vor uns haben, verfaßt oder in einer später gemachten Uebersezung mit eingeschobenen Nachrichten versehen a). Ueber das Alter der ihr folgenden Genealogie kann man zwar genau nicht urtheilen, jedoch diese nicht als ein gleichzeitiges Zeugniß ansehen. Fehlt es aber an solchen, so darf man schon zweifelhaft sein, ob sich das Außerordentliche zugetragen b). ein solcher Zweifel wird indeßen noch mehr begründet, wenn man denjenigen Grafen Conrad, welcher ein Oheim des Maynzischen Erzbischofs Gerhard war, noch später als 1256 findet. Er erscheint in einer Urkunde vom 14. Oct. 1256 CIII;  am 10. Aug. 1257 im Lager bei Elstorf (im Bremischen?), wie der Paderbornsche Bischof Simon, ein Verweser der Stifter Bremen und Corvey sich mit dem Herzoge Albrecht von Braunschweig versöhnte CV;  er stellte mit seinen Brüdern in eben diesem Jahre eine Urkunde für das neue Kloster Mariengarten aus, und scheint erst 1259 oder kurz vorher gestorben zu sein.  CXX. Ein anderer Graf Conrad wird auch nicht vermißt. Ein Graf Dietrich  ist in der Eversteinschen Familie überall nicht  gefunden. Uebrigens ist es

 

a) s. Leibnitz I. c. III. In introd. p. 2.
b) Gebhardi i. d. Hann. gel. Anz. v. 1752 S. 1266 u. f. erklärt sich, weil er besonders die Reimchronick als ein gleichzeitiges Zeugnis ansieht, für die Richtigkeit der Erzählung, indem für Friedenstöhrer die verhängte Strafe nicht ungewöhnlich gewesen; wogegen Falcke ebendaselbstin den Zugaben S. 89 in jener nur eineFabel sieht.

 

bemerkenswerth, daß aus dem Jahre 1256 nur die eine mitgetheilte Urkunde bekannt ist, und auch in andern aus diesem Jahre keine Mitglieder der Familie genannt sind a).  Bald nach jener Fehde sind Grafen von Everstein wieder mit dem Herzoge Albrecht.

 

 a) Gebhardi a. a. O. S. 1266 glaubte die Jahreszahl der unter CVII mitgetheilten Urkundemüße 1256 heißen. Das Original enthält indeßen deutlich die Zahl 1257.

 

 

§. 47.

 

Ansiedlung der Grafen von Everstein in Pommern.

 

Ein Sohn des aufgehängten Grafen von Everstein, Otto nebst drei Brüdern Wizlav, Bernhard und Moriz soll zu seiner Mutter Bruder, dem Bischofe zu Camin, Hermann Gr. Von Gleichen geflüchtet und von diesem mit der Herrschaft Neugarten in Pommern beliehen sein b).  Zuvörderst ist zu bemerken, daß Wizlav und Moriz sonst nicht, und nicht als Brüder eines hiesigen Otto bekannt sind. Eine andere Nachricht c) läßt des erhängten Grafen Dietrich Wittwe nebst zwei unmündigen Söhnen zu ihrem Bruder dem Bischofe flüchten, und eine an-

 

 b) s. die von Gebhardi S. 1268 angeführten Schriftsteller Cramer und Micraelius; s. a. S. Bacmeister in prodr. Megap. literatae bei de Westphalen in mon. Ined. III. 105.
 c) s. Baltische Studien (1831) Heft I. nr. III. S.  100 u. f.

dere Quelle nennt die Schwester des Bischofs, welche an den erhängten Grafen verheirathet gewesen, Sophia a).

 

 a) s. Bacmeister I. c.

 

Die Grafen von Everstein erscheinen in Pommern, bald nach der Fehde mit dem Herzoge Albrecht. In zwei ungedruckten Urkunden von 1273, einen zwischen dem Herzoge Barnim I. und dem Stifte Camin geschloßenen Vergleich betreffend, wird Otto Graf von Everstein vir nobilis  unter den Zeugen genannt, wahrscheinlich derselbe, welcher 1274 von dem Caminschen Bischofe Hermann das Schloß und die Stadt Neugard nebst 700 dazu gehörigen Hufen zu Lehn erhielt b).  Es ist nicht unwahrscheinlich , daß verwandtschaftliche Verhältniße, wie es stets angegeben wird, diesebesondere Begünstigung eines, sonst in Pommern fremden Stammes bewirkt haben. Der Bischof Hermann hatte zwei Schwestern Adela und Sophia; leztere wird in der Eversteinschen Familie nicht, dagegen aber eine Adela, die Frau Ludwig des III. gefunden, welche als des Bischofs Schwester angesehen werden darf. s. §. 36.  Ludwig III . und Adela hatten vier Söhne, unter welchen zwei die Namen Otto und Bernhard führen und in unserer  Gegend bald verschwinden, ersterer 1271, lezterer 1266. Der Stifter der Pommerschen Linie wird Otto und einer seiner Brüder Bernhard genannt. Jene

 

 b) s. Schoetgen in diplom. III. 5. 

 

Söhne Ludwig des III. mögen sich wol nach Pommern gewandt habne. Ob dieses aber durch die Fehde von 1256 veranlaßt worden, ist noch nicht klar. Diplomatisch kann übrigens genau bis jetzt nicht nachgwiesen werden, daß die ersten Pommerschen Grafen aus unserer Gegend herübergezogen und zu der sächsischen Familie gehörten. Außer der beständigen Tradition mag für das Leztere wol die Gleichheit des Wappens reden. Die in Pommern wohnenden Grafen führten wie die hiesigen einen aufrecht stehenden gekrönten Löwen a).  Man findet übrigens nicht, daß die ersteren bei Erlöschung des hiesigen Stammeß und wie der lezte deßelben, Graf  Hermann III.... seine Güter dem Herzoge Otto von Braunschweig zusagte, Ansprüche an dem alten Familiengute gemacht haben un daß ihre Einwilligiung begehret worden, wie ihre Stammverwandten im Vogtlande 1328 Reußische Lehne der Krone Böhmen übertrugen. s. §. 49.  Die Grafen in Pommern blühten noch lange nach dem Erlöschen der hiesigen.Der lezte, Ludwig Christoph  starb am  3. Dec.1663 und seine Güter, zu denen auch

 

 a) s. Micraelius S. 446. v. Meding v. adel. Wappen II. 141.  Das Wappen der Grafen in Pommernzeigte einen silbernen Löwen im blauen Felde; auf dem Helme einen Pfauenwedel.

 

Maßow (seit 1523) und ein Antheil an dem Schloße Quarckenburg, jetzt Friedrichsplaz gehörten, fielen an den Herzog Ernst Bogislav von Croy, gewesenen Bischof in Camin und nach deßen Tode (1684) an das Kurhaus Brandenburg a).

 

 a) Eine Geschichte der Grafen von Everstein in Pommern fehlt, und kein Stammbaum derselbenist diplomatisch begründet. Micraelius S. 446 hat einen mitgetheilt, an deßen Spitze Dietrich der Aufgehängte steht. Im Pommerschen Archive fehlen viele Eversteinsche Urkunden, welchedurch Schoettgen nach Sachsen und in die Leipziger Stadtbibliothek gekommen sein sollen.Aus dieser Familie findet man Otto 1280. 1290.  s. de Westphalen III. 1522. 1523. 1540; Otto1276. 1278; s. Rango in dipl. Pom. p. 167. 177. 180; Otto und Hermann 1313;  Ludwig, Bischofvon Camin 1472; s. v. Schliefensche Geschl. Hist. Beil. 10 u. 50.; Johann, Nicolaus und Wizlav1429 – 1436; Albrecht 1449; wolfgang 1522; s. Pauli’s preuß. Staatsgesch. VI. 197; 202; Hermann1317; Albrecht und Ludwig 1466; s. v. Raumer’s cod. dipl. Brand. I. 30.  Die GrafenSollten zur Reichsmatrikel steuern, welches sie, weil sie keine Reichslehnebesaßen, verweigerten. s. Pleffinger ad Vitrav. Bl. 1135.

 

§. 48.

 

Grafen von Everstein und Dännemark.

 

Zu den pommerschen Stamme sollen die in Dännemark angesehen und reich begüterten Grafen von Everstein gehören. Graf Albrecht, ein Sohn einer Adela von Gleichen, einer Verwandtin des Königs Waldemar II., ist nach dänischen Nachrichten etwa um 1263 nach Dännemark gekommen a). In drei bekannten dänischen  Urkunden von 1282. 1283. und  1284

 

 a) s. Huidfeld’s dän. Chron. S. 265

wird ein Graf Albert von Everstein genannt b).  Mächtig und reich begütert war der dänische Reichsmarschall Ludwig, welcher als sein Sohn angegeben wird. der König Erich VI. Mendwed (1286 – 1319) hatte ihm in Schonen pfandsweise Helsingborg, Lund, Falsterbo. Schonen, Söd-Halland, Bleking und Lister, auch den königlichen Antheil an der Münze in Lund eingeräumt, welche Pfandstücke ihm Erich’s Bruder, der König Christoph 1329 bis auf Bleking und Lister für 8000 Mark Silbers weiter verpfändet, entzog, wofür erst seine Wittwe Else 1333 entschädigt wurde c).  Das Schloß Hammerhuus auf der Insel Bornholm wird 1325

 

 b) s. Suhm in d. dän. Gesch. X. 837. Sartorius Gesch. d. Ursprungs d. deutsch. Hanse. (herausgegeben v. Lappenberg) II. 137. Mallet hist. de Dannam. I. 215.
c) s. Sjöberg’s Utkast til Blekings Historia. p. 28

 

als ein Eversteinsches bezeichnet a).  Albert VII. ein Sohn Ludwig des III. und der Adela von Gleichen, kann die dänische Linie, wie vielleicht sein Bruder die Pommersche gestiftet, und zu der Ansiedlung die Verwandtschaft mit dem königlichen Hause s. S. 224 beigetragen haben. Diese Niederlaßung scheint indeßen alsdann früher geschehen zu sein, als etwa 1263, wenn eine Gräfin Marianne mit ihren Söhnen Albrecht und dem Reichsmarschall Ludwig unter dem Pabst Innocenz IV. ein Minoritenhaus in Wiborg in Jütland gestiftet oder vielmehr neu ausgebauet hat und sie dort ihr Begräbniß gefunden haben b), da gedachter Pabst von 1242 – 1254 regierte.  Jene Gräfin, welche einen in damaliger Zeit ungewöhnlichen Namen führet, ist in der hiesigen, auch unter einem ähnlichen nicht entdeckt.

 

 a) s. Gebhardi’s Gesch. v. Dännemark i. d. allg. Weltgesch. XXXII.  576.
 b) s. Pontoppidan i. danske Atlas fortgesezt v. H. de Hofman (1768) IV. 629. a. Suhm a. a. O. X. 260. welcher der Marianne den Grafen Albert zum Manne gibt, der in einer Urkunde des Hildesh. Bischofs Conrad von 1236 s. Scheid in cod. dipl. p. 664 unter den Zeugen genannt     wird. Er ist  aber unter den Geistlichen aufgeführet.

 

Die Grafen von Everstein in Dännemark führten gleichfalls einen aufgerichteten gekrönten Löwen im Wappenschilde, welchen die Familie Rosencranz wegen behaupteter Abstammung angenommen hat a). 

 

 a) s. Lexicon over adlige Familier i. Dannemark, Norge og Hertugdom. Bd. I. Heft I. S. 131 a. Suhm IX. 624.

 

 

§. 49.

 

Grafen im Vogtlande. b)

 

 b) Ueber diese Grafen s. K. Limmer i. d. Deduct. d. Ursprunges d. Namens Reuß. Gera 1824; deßen Gesch. d. Vogtlandes in 4 Th. u. Heinrich Reuß XXVI.  In Ebersdorf  v. d. ehemal. Besizungen des Hauses Reuß im Lobensteinschen gemeinnüz. Intelligenzbl. von 1788. St. 7 – 18.

 

Ein Graf Albrecht von Everstein stiftete 1122 in dem gau Dobenau eine Kirche, wahrscheinlich die jezige Pfarrkirche in Plauen, nicht fern von dem noch in Ruinen sichtbaren Schloße Dobenau. Die Stadt Plauen, wo das jezige Malzhaus die Residenz der Grafen gewesen sein soll, verdankt dieser Stiftung vermuthlich ihre Gründung. Die alte, jetzt fürstliche Familie Reuß besaß die Vogtei Plauen; die Vögte wohnten auf dem Vogtsberge; die Grafen von Everstein hatten den größten Theil der Herrschaft Dobenau und die nachherige Stadt Plauen. Von ihnen fehlen Nachrichten von 1122 bis 1278. des Grafen Conrad von Everstein Schwester, Maria († 1278) war die erste Frau des Vogts Heinrich von Plauen, des kaiserlichen Oberhofrichters im Pleisnerlande, die Stamm-Mutter des jezigen fürstlichen Hauses Reuß, und bekam die halbe Stadt Plauen als ein Lehn zur Mitgabe. Gedachter Graf Conrad belieh mit Einwilligung der Grafen Otto und Ludwig, der Söhne seines Oheims des Grafen Hermann 1278 den Vogt von Plauen, wie auch 1298 mit Willen der Grafen Otto und Ludwig, und Otto und Hermann, seinen Schwager den Vogt Heinrich, den Oberhofrichter mit dem Gute Straßburg bei Plauen, mit der Bewilligung, daß deßen zweite Frau, Kunigunde Gräfin von Lüzelstein, dieses ihr Leibgeding dem Kloster  Kroeschwitz überlaßen könne.

 

Das Eversteinsche Geschlecht im Vogtlande muß vor dem 16. März 1327 erloschen sein. An diesem Tage erklärte Heinrich Vogt von Plauen der ältere, daß er und sein Sohn Heinrich ihre Eversteinsche Lehne, weil die Familie ihrer Lehnherren erloschen sei und sie sich einen Lehnherrn erwählen könnten, als solchen den König von Böhmen annähmen a).  Hierauf  be-

 

 a) Diese Urkunde theilt vollständig mit: W. X. Neumann de Puchholz in diss. ex. jure publ. et feud. Etc. (Prag 1716) in app. nr. XI. „Nos Henricus Advocatus de Plaue senior et Henricus ipsius filius senior – fatemur spectabilibus Comitibus de Eberstein Terrae Saxoniac – Dominium eorum in Plaue in feudo recepisse – noseantur, tamen quin dudum eorundem Comitum generatio ita quod superstes nullus remansit penetus ext extineta, multorum – sumus – informatione edoet,. quod ipsum nostrum – in fendo a quocunque Dominorum nobis placuerit nune recipere – valeamus. Nos ob – affectum, quem ad – Joaunis Baensiae et Poloniac Regis – ac Comitis Luxemburg. Celsitudinem gerimus, ipsius nos recognoscentes esse feudatarios – Dat. Pragae 1327. XVIII. Kal. Apr.  (Da der Monath April nur XVII Kal. Zähltm so muß hier ein Schreibfehler sein s. a. Balbini Miscell. Regni Bob L. VIII p. 284. 285 u. Körbers histor. Nachr. p. VogtlandeS. 136.

 

zieht sich die Urkunde vom 6. December 1328, nach welcher Hermann von Everstein und sein Bruder Otto in diese Uebertragung willigen, welche wol als Hermann II: und Otto VIII. zu erkennen sind. Die bei dieser Urkunde zugezogenen Zeugen sind mit Ausnahme des Priors der Predigermönsche in Plauen in unserer Gegend zu suchen und der Ort Hermannsburg ist vielleicht das Eversteinsche Schloß Hämelschenburg. s. S, 77. Die Vogtländische Linie war schon 1327 erloschen, Hermann und Otto können daher dort nicht mehr aufgesucht werden. Die Mitwirkung, welche ihnen, wie die Krone Böhmen das Ober-Eigenthum der Eversteinschen Lehne erhielt, zugestanden wurde, spricht für die Behauptung, daß sie mit der im Vogtlande erloschenen Linie zu einem Stamme gehörten. Wahrscheinlich sind sie es gewesen, welche die lehnherrlichen Rechte in Anspruch genommen hatten und vielleicht hat der von Plauen abgeschickte Geistliche ihre 1328 erfolgte Entsagung bewirkt. Von andern Mitgliedern der hiesigen oder Pommerschen Familie, welche damals an diesem Handel Theil genommen, ist nichts bekannt. Für eine Stamms-Verwandtschaft redet auch der Umstand, daß Heinrich Vogt zu Plauen seine vorigen Lehnherren Comites terrae Saxoniae nennt und die Uebereinstimmung der Wappen. Die vogtländischen Grafen führten einen aufgerichteten Löwen mit einem getheilten Schweife a),  wie er noch im fürstlich Reußischen Wappen zu sehen ist, und von den Grafen an der Weser geführt wurde. Wer der gemeinschaftliche Stammvater? Wer der im Vogtlande 1122 erscheinende Graf Albrecht ? b) wer zuerst die bedeutenden Erwerbungen gemacht ?  und wann ? ist nicht ermittelt. Nach den von den  Gra-

 

 a) Nach einer gütigen Bemerkung der Herrn Pastor Limmer welcher mehrere Urkunden in Neudorf bei Plauen eingesehen hat. s. a. deß. Gesch. Vogtl. II. 520.
 b) Zwei Grafen Adalbert und Conrad (Comites de Saxonia) nennt das Chr. Pegav. Et Mou. Bigaug
ad a. 1123, welche mit dem herzoge Lothar, nachmals Kaiser einen Zug nach Meißen gegen den Markgrafen Wiorecht von Groitsch gemach. s. aber Wenk II. 705.

 

fen Hermann II. und Otto VIII 1328 genannten Erblaßern zu urtheilen, schreiben sie ihre Rechte von den Söhnen des Grafen Albert III. her. Ein Bruno Graf von Everstein, welchen K. Heinrich I. 935 als Grafen über die Slaven gesezt haben soll a),  ist unerfindlich. Es kann übrigens sein, daß ein Mitglied der Familie an einem kaiselichen Zuge Theil genommen hat und mit Gütern in dieser Gegend beschenkt ist. In einer Lehnsverbindung scheinen die vogtländischen Grafen wegen ihrer Güter nicht gestanden zu haben.

 

 a) Nach Rürner s. de Westphalen IV. 103.

 

 

§. 50

 

Verhältniße der Grafen von Everstein an der Weser und
Diemel vom 1256 – 1399.

 

Besondere Merkwürdige Vorfälle aus dieser langen Zeit, an welchen Grafen von Everstein Theil genommen, sind nicht bekannt. Die durch Geburt, verwandtschaftliche Verhältniße und Besizthum zu großen Erwartungen berechtigte Familie verlohr ihre Stammburg s. §. 2., ihre wahrscheinlich älteste Besizung in Hameln s. S. 101. und den wichtigsten Theil ihrer Güter an der Diemel. Verlegenheit um Geld scheint manches Mitglied in  die Arme Anderer, besonders des Erzbischofs v. Cöln geworfen zu haben, vielleicht auch in die seinigen um bei ihm einigen Schuz gegen mächtige Nachbarn zu finden. In dem großen Bunde, welchen der Bischof Simon von Paderborn, Heinrich Landgraf v. Heßen, die Grafen und Herren v. Jülich, Berg, Sayn, Naßau, Mark, Arnsberg, Cleve, Sponheim, Keßel, Salm, Virneburg, Tecklenburg, Limburg, Heinsberg, Isenburg, Büren, Reiserscheid, Falkenberg, Waldeck und Wickerod gegen Siegfried von Westerburg, Erzbischof von Cöln 1275 (schloßen a), war kein Graf von Everstein, vielmehr scheint der Graf Otto auf seiner Seite gewesen zu sein. s. Urk. von 1282.

 

 a) s. Fischer’s Geschl. Reg. D. Grafen v. Isenburg. II. 93.

 

§. 51.

 

Erbvertrag mit Paderborn 1399. Erbverbrüderung mit Lippe 1403.
Everstein-Lippische Fehde mit dem Herz. Heinr. v. Braunschweig
1404 – 1408
Uebertragung der Herrschaft Everstein an den Herzog Otto

 

Es war noch ein bedeutendes Besizthum, deßen sich Graf Hermann VIII. am Ende des 14ten Jahrhunderts zu erfreuen hatte. Er war 1399 Herr in Polle, Aertzen, Ottenstein, Osen, Holzminden und Hämelschenburg. Diese Güter mochten. Wenn der Besizer damals kinderlos, und sein einziger Bruder Meinhard unverheirathet war, wol die Aufmerksamkeit der Nachbaren auf sich ziehen. Seinem mütterlichen Oheim, dem Paderbornschen Bischofe Johann, Grafen von der Hoya glückte es, daß am 7. Januar 1399 die Brüder Hermann und Meinhard seinem Stifte ihre Herrschaft nebst jenen Schlößern übertrugen und demselben Huldigung leisten ließen. Das Stift brachte dagegen dem Grafen Hermann bedeutende Opfer, indem es ihm einen großen Theil des Stiftslandes und mehrere Stiftsschlößer einräumte. Dieser Vertrag ist wirklich ausgeführt. Warburg und Dringenburg gehörten zu den eingeräumten Orten. In dem ersteren war der Graf Hermann am 5. Apr.1399 Herr, wie er der Stadt ihre Rechte und Freiheiten bestätigte; und er befand sich in dem Besize von Dringenberg, da er den dem Stifte Paderborn nach des Bischofs Johann Abgange, aufgedrungenen Bischof Bertrand daselbst  aufnahm a).  Dieser sowol, wie sein Gegner Wilhelm hatten 1399 auch jenen Vertrag bestätigt und das Domkapital  nicht widersprochen.

 

 a) s. Gobelin Persona I. e. p. 310.

 

Er ist aber bald wieder aufgehoben, nachdem dem Grafen Hermann ein Sohn Otto gebohren (1400 ?) werden. Es war gleich bestimmt, daß, wenn dieses sich ereignen, und der Sohn zwei Jahre leben würde, die Stiftsschlößer zurückgegeben werden sollten. Wahrscheinlich geschah die Rückgabe vor dem 24. August 1402 wie Graf Hermann dem Paderbornschen Bischofe Wilhelm, vermuthlich wegen geleisteter Geldvorschüße die Hälfte seines Theiles des Schloßes Osen verpfändete.

 

Bald darauf, am 6. Juni 1403 schloß er mit dem edlen Herrn Simon zu Lippe und deßen Sohne Bernhard eine eidlich bekräftigte Erbverbrüderung, nach welcher beiderseitige Lande zusammengelegt wurden, um bei einander zu bleiben. Beide Theile sicherten von ihren Mannen und Schlößern wechselseitige Huldigung zu; bestätigten die von einem Jeden einzeln gegebenen Versprechungen und verabredeten, daß ein Jeder die Lehnmaare erhalten sollte, welche er bisher bekommen. Für die Gräfin Ermgard v. Everstein war Aertzen als ein Wittwensiz bestimmt, für Ermgard, des edlen Herrn Simon Frau, Brack; deßen Tochter Ermgard sollte einen gehörigen Brautschaz und falls ihr Vater und Bruder ohne Erben verstürben und sie noch nicht ausgestattet sei, die Summe von 20 000 Gulden haben, auch wenn der edle Herr Bernhard heirathet, für deßen Frau ein Witthum bestimmt werden. Graf Hermann und der edle Herr Simon versprachen, wenn sie Wittwer würden nicht wieder zu heirathen, und von denm edlen Herren zu Lippe wurde, falls an den Grafen Hermann die Lippeschen Lande fallen sollten, und er keine Erben hinterlaßen würde, der Rückfall an eine ihrer weiblichen Verwandten, nach ihrer oder des Landes Anweisung vorbehalten, und sodann den Verwandten des Grafen Hermann die Summe von 1 000 Löthigen Mark Westphälischen Silbers Lemgoer (Lemescher) .......? und Wichte zugesichert.  Endlich bestimmten beide Theile im Voraus Schiedsrichter für etwa unter ihnen entstehenden Streitigkeiten.

 

Des Grafen Hermann Otto der  XIV  muß, wie dieser Vertrag geschloßen wurde, todt, und die Tochter Elisabeth noch nicht gebohren gewesen sein, da beider nicht erwähnt wird.

 

Jetzt nannte sich Hermann, Graf zu Everstein und Herr zu Lippe; die edlen Herren Simon und Bernhard führten due Titel: Junker zu Lippe und Everstein. s. Urk. v. 1404 u. f. Jener stellte das Lippische Wappen, eine fünfblätrige Rose in einem besondern, rechts stehenden Schilde, neben einem andern mit dem Eversteinschen Löwen. s. Urk. v. 1408. CCCCLXVI.  Die Herren zu Lippe haben das Eversteinsche Wappen nicht geführet.

 

Ueber einzelne Punkte gab es bald Streit unter den Erbverbrüderten; schon 1404 musten die Schiedsrichter in Lemgo einreiten, von wegen Osen, ferner weil Graf Hermann Holzminden nicht eingeräumt, Gefangene einseitig losgegeben u. s. w. auch darüber zu entscheiden, wer hier für Ermgard zu Lippe. Simon’s Tochter, des Grafen von Spiegelberg Frau zu 3 000 Gulden bestimmten Brautschazgelder zu zahlen habe. Es scheint eine völlige Gemeinschaft der Güter und eine Theilung derselben Statt gefunden zu haben. Die Herren zu Lippe wollten. Wie eben bemerkt ist, Holzminden und Osen eingeräumt haben, und der Graf Hermann mußte zur Aussteuer der Ermgard v. Lippe beitragen; ihm war das Lippesche Schloß Blomberg a) (s. Urk. v. 29. Sept. 1405 und 16. Dec. 1407) eingeräumt, welches er sogar 1408 seiner Tochter zumBrautschaz mitgebenwollt.

 

 a) Auf Blomberg soll von den Grafen von Everstein nach Piderit s. Lipp. Chron.  S. 459 schon 1236 Anspruch gemacht sein. Aus welchem Grunde ist unbekannt. 

 

Diese Erbverbrüderung dauerte indeßen keine fünf Jahre. Das Ende einer am Schluße des Jahres 1405 zwischen den Herzögen Heinrich und Bernhard von Braunschweig auf einer, und Simon und Bernhard edlen Herren zu Lippe, auch Hermann Grafen von Everstein auf der anderen Seite ausgebrochenen Fehde  b) war auch das Ende jenes Vertrages. Ob sie von Braunschweigischer Seite, wenn man voraussah, die herrlichen Eversteinschen, den Herzögen

 

 b) Ueber diese Fehde s. Clostermeyer’s Kl. Beiträge z. geschichtl. u. natürl. Kenntniß des Fürstenth. Lippe S. 1 – 23. s. a. Urk. Von 1405 – 1409 im Urk. B. CCCCXLV  u. f.

 

wol gelegenen Besizungen, würden an das Haus Lippe kommen, vielleicht gesucht ist ? ob sie mit der am 5. Juni 1400 bei Englis bei Frizlar erfolgten Tödthung des Herzogs Friedrich von Braunschweig, wenn Graf Hermann von Everstein ein Schwager des, den Kampf  anführenden Grafen Heinrich von Waldeck auf deßen Seite gewesen ? und ob sie mit dem hierauf ausgebrochenen Kriege a) in einiger Verbindung steht ? läst sich nicht bestimmen. Bis die nächste Veranlaßung zu einer Fehde, ist von Braunschweigischer Seite bei dem kaiserlichen Hofgerichte in Heidelberg der Umstand angegeben, daß Simon Herr zu Lippe, die wegen gebrochenen Landfriedens in Acht gelegten von Reden und deren Helfer aufgenommen, auch ihnen Schuz und Vorschub gegen die Herzöge Bernhard und Heinrich gewähret habe. Henning von Reden war auf eine weiter nicht bekannte Anklage des Herzogs heinrich von Braunschweig von dem Landrichter, Otto Grafen von Hallermund, weil er auf geschehene Ladung nicht erschienen, in die Acht gelegt, von dieser jedoch am 14ten Sept. 1398 in Hofgeismar durch neun Landrichter des Friedens, nachdem er mit drei Eideshelfern beeidigt hatte, daß er keine Abmahnungs- und Ladebriefe erhalten, frei gesprochen b). Diesen

 

 a) Bei Rommel II: 234 u. f. ist eine zusammen gedrängte Erzählung dieses Krieges und seiner Veranlaßung.
 b) Nach dem von K. Wenzel 1380 verkündeten Landfrieden, s. Lünig sp. Ecel. Pars spec. Cont. I.p. 38 wurden mehrere besondere, auf gleichen Zweck gerichtete Verträge geschloßen. In demjenigen, welchen der Erzbischof v. Maynz, der Bischof v. Paderborn, der Landgraf v. Thüringen Otto Herzog v. Braunschweig und Hermann Landgraf von Heßen am 6. Febr. 1393 errichteten, war bestimmt, daß sich sämmtlicher Herren Landrichter in Hofgeismar, um über Landfrieden Sachen zu berathschlagen, versammeln könnten. s. Joannis rer. Mog. I. 707. v. Ledebur’s Archiv VI: 323. u. f. wo auch ein, wahrscheinlich in diesem Jahre von den Landrichter, dem Ritter Werner von Falkenberch, Rembert Clüsener, Rembert von Brenke, Tyle von Benhusen, Hermann Harstall, Sander Stern und Heinrich v. Esschlacht in Hofgeismar gefasten Beschluß, genannt:  „ de nye overbrachr“  durch den Herrn Mooyer in Minden mitgetheilt ist. Henning von Reden hat, wie man deutlich ersieht, gegen das von einem Landrichter (des Herogs von Braunschweig ?)  gesprochene Urtheil an sämmtliche in Hofgeismar versammelt gewesene Landrichter Berufung eingelegt. Ueber die Verfaßung dieses Friedensgerichtes s. Kopp i. d. Nachr. v. d. Heß. Geistl. U. Civilgerichten S. 372 u. f. Der Vertrag vom 6. Febr. 1393 wurde am 5. April 1395 erneuert. s. de Gudenus III. 605. Im Jahre 1398 ibid. 639 waren neun Fürsten vereinigt; so viel Landrichter sprachen auch in diesem Jahre Henning v. Reden frei. Ueber die früheren Vereinigungen zur Handhabung des Landfriedens s. eine Zusammenstellung bei Kopp S. 362 u. f. s. a. Urk. B. S. 371.  372.

 

und seine Brüder Ernst, Dietrich, Otto und Friedrich nahm Simon edler Herr zu Lippe gegen einen Vorschuß von 800 Gulden als Burgmänner in Varnholz auf, welche nebst ihren Helfern, Dieterich Kettler, Johann Droste, Gerd  von Ense und Friedrich von Brenken den Braunschweigern manchen schaden zufügten. Der Herzog Bernhard suchte sie in den Lippischen Schlößern, besonders in dem Eversteinschen in Osen auf; sie brachten mit Bernhard, edlem Herrn zu Lippe gegen seinen Bruder den Herzog Heinrich auf, nahmen diesen am 19. Nov. 1404 am Oderberg (Ohrenberg) bei Hameln gefangen und brachten ihn in das Lippesche, ohnweit Detmold gelegene Schloß Falkenberga).  Der Herzog Bernhard hat-

 

 a) Eine Geschichte dieser Burg und eine Beschreibung derselben s. in v. Cöln’s histor. geogr. Handb. D. F. Lippe  S. 81.

 

te am 2. Februar 1405 den edlen Herrn Simon und Bernd, auch dem Grafen Hermann versichert, sich an ihnen, ihren Helfern und dem Stifte Cöln – dieses scheint also auch Antheil gehabt zu haben – wegen der Gefangennehmung seines Bruders nicht rächen zu wollen. Er erwirkte aber am 26. Febr. 1405 beim kaiserlichen Hofgerichte in Heidelberg gegen die Herren zu Lippe die Einleitung eines Rechtsverfahrens und einen Befehl den Herzog zu entlaßen. Dadurch wurde undeßen nur deßen Gefangenschaft erschweret und er mußte kurz nach dem Gerichte auf den Sonntag nach Pfingsten angesezten Termine, am 22. Juni 1405 mit den Herren zu Lippe und dem Grafen Hermann v. Everstein, welcher bis in den gerichtlichen Acten nicht genannt ist, unter Vermittlung der Ritter Ludolf von Werberg, Ludolf von Honloge und Rolef v. Garßenbüttel auf einer, auch des Grafen Cord v. Ritberg und der Ritter Hartung v. Frenke und Friedr. Dume auf der anderen Seite einen drückenden Vergleich schließen. Er sollte wegen seiner und der seinigen Gefangenschaft innerhalb vier Jahren auf fünf von ihm und zum Theil von seinen Bruder, unter Mitwirkung 2 Landesherren, und 26 guter Mannen auszustellende Verschreibungen 100 000 rheinische Gulden zahlen, selbst Urphede leisten, Hilmar v. Steinberg und Temeke Bock zu Recht stehen, die v. Reden beim ruhigen Besize ihrer Güter laßen; die Mannen und Diener der Herren zu Lippe und des Grafen sollten ihrer Urpheden entlaßen sein auch die verbrüderten Herren die Befugniß haben, seinen Sntheil an Osen einzulösen. Ein Theil der versprochenen Ranzion, zu welcher die Herzöge Bernhard und Heinrich eine Landbede empfangen hatten a),  wurde bezahlt. Auch erhielten Kettler, Droste, Ense und Brenken ihre Befriedigung und wahrscheinlich ist der Herzog am Ende des Jahres 1405 seiner Haft entlaßen, nachdem er am 8. September versprochen, dem Grafen Hermann und den Herren zu Lippe einen Gnadenbrief  vom K. Ruprecht zu erwirken,

 

 a) s. Rethmeyer II. 715

 

wozu sogar ein Formular vorgeschrieben war. Der Herzog Heinrich wandte sich aber an den Pabst und den Kaiser, und das Hofgericht in Heidelberg sprach am 15. Dec. 1405 gegen den grafen Hermann und die Herren zu Lippe, und ihre Hauptleute Kettler, Droste, Ense und Brenken die Acht, endlich auch am 21. Februar 1407 die Oberacht aus. Der Herzog Heinrich, verbunden mit seinen Brüdern Bernhard und dem Bremischen Erzbischof Otto, mit Hermann Landgrafen zu Heßen, Wulbrand Bischof v. Minden, Otto Herzog v. Geldern, Adolf H. v. Berg, den Grafen v. d. Hoya, Schaumburg u. a. , auch dem Paderbornschen Bischofe Wilhelm griff wieder zu den Waffen. Gegen den Grafen waren auch Otto Herzog v. Braunschweig, und W. Abt von Corvey (1406) vereinigt. Des Herzogs Leute eroberten am 8. Febr. 1407 (? s. S. 58) das Schloß Polle. Noch hielt der Graf Hermann an der Erbverbrüderung, wie der mit Simon edlen Herrn zu Lippe am 16. Dec. 1407 geschloßene Vertrag ausweist.

 

Müde vielleicht des Kampfes und wahrscheinlich durch Betrachtungen für das Wohl seiner einzigen Tochter Elisabeth, schloß er in Hameln am 20. Januar 1408 mit den Herzog Bernhard und Heinrich Frieden. Diese versprachen ihm, auch für seine Mannen, die von Lemgo und andere Städte, Land und Leute Unterstüzung , um aus des Reiches Acht zu kommen und verabredeten mit dem Grafen Hermann, daß sodann seine Tochter Elsebe (Elisabeth) den Herzog Otto, einen Sohn Bernhards heirathen solle. Der Graf bestimmte, daß er seiner Tochter als Brautschaz geben wolle; die Schlößer Blomberg, (s. S. 288) Aerzen, seinen Theil an Osen und Holzminden, Hämelschenburg und Ottenstein mit Land und Leuten, deren er schon mächtig sei oder noch werde, auch daß nach der Uebergabe die Amtleute in gemeinschaftlichen Pflichten stehen sollten. Die Herzöge sicherten ihm dagegen zu: aif seine Lebenszeit das Schloß Neustadt (am Rübenberge) und das Recht dort Amtleute aus der Herzöge Mannen und mit ihren Wißen anzusezen, auch für sich, wie ihm Eversteinsche und Lippesche Beamte Pflichten zusagen müßen, zu verpflichten. Sie räumten ihm ein, in allen ihren Schlößern sich aufzuhalten und versprachen ihm alsdann Kost und Futter, auch wollten sie ihn in ihren Rath nehmen und ihm Kleidung geben. Endlich hatten sie noch zugesagt das Witthum (Leibzucht) seiner Frau, der Gräfin Ermgard in Aerzen  zu verbeßern a).   Der Graf

 

 a) In der S. 446 des U. B. angeführten Urkunde vom 3. April 1408 wird wol zu lesen sein: Blomberg statt Blankenberg, und Ertelsen statt Welsen.

 

Hermann stellte über diese Verabredung am 5. April 1408 noch eine besondere Urkunde aus, welche im Wesentlichen dasjenige wiederholt, was in der vorhin erwähnten vertragen ist. Des Schloßes Blomberg ist übrigens in dieser unter den zu übertragenden Schlößern nicht weiter gedacht, dagegen sind einige neue Bestimmungen hinzugekommen. Der Graf wollte die vom Reiche und von geist- und weltlichen Herren inne habenden Lehne den Herzögen auftragen; seine Lehnmänner an sie, vorbehältlich der während seines Lebens zu gebenden Belehnung, verweisen, auch alle Lehnsverzeichniße und Urkunden, welche die Herrschaft Everstein und Lippe beträfen, ausliefern. Der Graf bemerkte noch, das Witthum seiner Frau Ermgard in Aerzen sei mit 200 rheinischen Gulden verbeßert, seiner Tochter Elisabeth ein solches ausgesezt, wie für die Frau des Herzogs Heinrich zugesichert worden und endlich bestimmt, daß wenn seine Frau Ermgard ihm noch Söhne und Töchter gebähren würde, solche den Kindern der Herzöge gleich gehalten werden sollte.

 

Der Graf Hermann scheint nach dem lezten Vertrage vom 5. April 1408 seine Herrschaft gleich. Und ehe noch die Verheirathung seiner Tochter geschehen war s. §. 52. abgegeben zu haben. Die von ihm am 2. Juni 1408 ausgestellte Urkunde ist so gefast, als wenn er damals nicht mehr Herr gewesen; die von dem Herzoge Bernd am 8. Oct. 1409 geschehene Verpfändung des Schloßes Osen, an welchem Graf Hermann einen Theil behalten hatte, stellt jenen als einzigen Herrn da, und bei der in diesem Jahre zwischen ihm und seinem Bruder dem Herzoge Heinrich gemachten Landestheilung ist die Herrschaft Everstein, als ein, dem Herzoge zugefallener Theil bezeichnet a). In der Urkunde vom 4. Januar 1413 drückt der Graff Hermann aus, daß er zu dieser Zeit die Herrschaft nicht mehr habe; und 1416 wurden ehemalige Eversteinsche Lehne in der Diemel-Gegend von dem Herzoge von Braunschweig empfangen. Ob er ohne Vorwißen der edlen Herren zu Lippe mit den Herzögen von Braunschweig die bemerkten Verträge geschloßen, ist zweifelhaft. Obgleich ihnen, auf Verwendung des Cölnischen Erzbischofs Friedrich, eines Verwandten der Frau Bernhard’s zu Lippe, am 23. Februar 1408 gemeinschaftlich ein sicheres Geleit bewilligt war, so scheinen doch nicht gemeinschaftlich, vielmehr der Graf Hermann einseitig mit den Herzögen verhandelt zu haben. Er übertrug sogar Rechte, welche er aus der Erbverbrüderung erworben, an die Herzöge und hatte, wie die Urkunde vom 28. Juni 1409 deutlich zeigt, damals sie nicht aufgehoben, nannte sich auch 1413 noch Graf von Everstein und Herr zu Lippe.

 

 a) s. Chron. Luneb bei Leibnitz III. 196.

 

Die Herren zu Lippe, welche ihren Frieden mit Paderborn gemacht hatten, söhnten sich auch in Polle am Osterfeste 1409 mit den Herzögen aus, worauf beide Theile am 6. Mai und 28. Juni deßelben Jahres allen Ansprüchen aus der Lippe-Eversteinschen Erbverbrüderung entsagten. Jetzt wurden auch am 12. Juni 1409 die Herren zu Lippe und deren Theilhaber von der Acht und Oberacht befreit.

 

 

§. 52.

 

Hermann des VIII. ferneres Leben. Tod. Frau und Kinder.
Elisabeth Herzogin zu Braunschweig

 

Ob der Graf Hermann  das Schloß  Neustadt am Rübenberge bezogen, oder wo er sonst  gewohnt hat, ist bis jetzt nicht ermittelt. Ein Zeitgenoße sagt, er sei 1413 gestorben a);  bis zu diesem Jahre finden sich Urkunden von ihm. Die durch seinen Tod dem Stifte Heerse erledigten Lehne gab die Abtißin Ermgard von Solms 1429 an den Herzog Otto von Braunschweig.

 

Seine Frau war Ermgard Gräfin von Waldeck, eine Zochter des Grafen Heinrich, der Eiserne genannt, eine Schwester der an Bernhard zu Lippe verheiratheten Gräfin Margaretha, und der Elisabeth des Grafen Ernst von Gleichen Frau b). Wann sie gestorben ist unbekannt.

 

 a) s. Engelhusii b. Leibnitz in S. R. B. II. 1140.
 b) Varnhagen S. 417 nennt weder Margaretha zu Lippe, noch Ermgard, Gräfin zu Everstein alsHeinrich des Eisernen Töchter. Beide werden durch die mitgetheilteUrkunde vom 28. Juni 1394Erwiesen. Den Grafen Hermann v. Everstein nennt der Graf Heinrich seinen Sohn, so wie deßenSöhne Schwager nennen; daß Hermanns frau einen Gräfin von Waldeck gewesen, zeigen die Urkunden von 1399 und 1402. Die an Bernhard zu Lippe verheirathete Tochter hieß nicht Jutta, wie Varnhagen a. a. O. nach v. Donops beschr. d. Lipp. Lande S. 12 behauptet, sondern wie dieUrkunden von 1394 meldet, Margaretha.

 

Im Jahre 1399 hatte sie ihre Kinder noch nicht gebohren, deren würde der Vertrag mit Paderborn erwähnt haben. Der einzige, etwa 1400 gebohrene Sohn, s. S. 285 muß 1403 wie Graf Hermann mit den Herren zu Lippe eine Erbverbrüderung schloß todt und Elisabeth noch nicht gebohren gewesen sein. Beider gedenkt der Vertrag nicht, welcher wegen der Kinder Bernhard’s edlen Herrn zu Lippe Bestimmungen enthält. Elisabeth, für welche 1403 eben so gut fesorgt würde, wie für Ermgard, eine Tochter Simon’s zu Lippe geschehen, scheint dem Grafen Hermann erst nachdem 6. Juni 1403 gebohren zu sein. Ihr werden drei Brüder, Friedrich, Bernhard und Heinrich zugeschrieben a), worüber bis jetzt aller Beweis mangelt. Der Graf Hermann hatte wie bemerkt ist, 1399  keine Kinder, 1402 nur einen  Sohn Otto, und

 

 a) s. Rethmeyer a. a. O. S. 1281.

 

am 22. Juni 1405 wie er und die Herren zu Lippe dem gefangenen Herzoge Heinrich schwere Bedingungen auferlegten, war er ohne männliche Erben, wie die Verabredungen wegen Osen ausweiset. Elisabeth, deren Graf Hermann allein nur in dem Vertrage vom 20. Jan. 1408 gedenkt, scheint die einzige Tochter deßelben gewesen zu sein. Ist sie, wie vorhin gemuthmaaßet worden, erst nach 1403 gebohren, so mag sie wol erst 1425 a) den Herzog Otto geheirathet haben. Nach dem Tode deßelben (1445), lebte sie Als Wittwe in Gifhorn.

 

 a) Bei diesem Jahre meldet Botho im Chron. piet. bei Leibnitz III. 400. ihre Verheirathung.

 

Wie ihre Verhältniße dort gewesen, ist nicht bekannt. Sie erhielt 1454 einen Fehdebrief von Johann de Bere; (ungedr. Urk. im K. Archive in Hannover) die Veranlaßung und das Resultat sind nicht ermittelt. Sie muß 1468 zwischen einem Marientage und dem 21. Juni gestorben sein. An dem ersten verglich sie sich mit dem Herzoge Otto wegen Baukosten, welche auf das Schloß in Aerzen, das ihrer Mutter 1408 zugesicherte, vielleicht auch ihr angewiesene Witthum, verwandt waren und am 21. Juli gab Margaretha von Gleichen, Abtißin zu Vhervord, dem Grafen Otto von Waldeck eine Vollmacht, die ihr nach dem Tode der Herzoginn Elisabeth gebührende Frauengerade und andere Güter Namens ihrer herbeizuziehen  a).  Ihr in Hannover befindliches Testament soll nur  Anordnungen von Seel-

 

 a) Die Abtißin Margaretha muß eine Tochter des Grafen Ernst von Gleichen und der Elisabeth Gräfin von Waldeck gewesen sein und leztere beim Tode der Herzoginn Elisabeth noch gelebt haben . Jene Abtißin führte 1463 ein in vier Felder eingetheiltes Wappen; im ersten und vierten Felde einen achteckigen Stern (Waldeck) und im zweiten und dritten einen Löwen (Gleichen ?)Mit der Umschrift: Margaretha de Gleichen Abbd. Ihrer Mutter Bruder, Adolf Graf von Waldeck führte ein ähnliches Siegel mit der Umschrift: S. Adolfi pmogeniti in Waldegke. Es hängt anzwei, im Arolser Archive befindlichen Urkunden von 1381 und vom 5. Febr. 1397. Die ersterestellten Graf Heinrich und deßen Sohn Adolf aus, wie sie für 250 Schillinge guter alter Konynges   thornoßen an Dietrich von Dalewich den ältesten und Ode seine ihren Theil des Schloßes Wetterburg, den Hof zu Bullinghausen verpfändeten und ihm Landau, wenn es von Friedrich von Hertingishusen gelöset worden, zusagten. Das an dieser Urkunde befindliche Siegel des GrafenHeinrich zeigt allein den Waldeckschen Stern. Nach der zweiten befreite Graf Adolf den ArolserKlosterhof in Leverinchausen vom Dieste und vertauschte einige Wiesen am Wetterholze mit dem Kloster. Der Löwe in dem Siegel des Grafen Adolf kann aus dem wappen seiner MutterElisabeth von Berg (s. deren Siegel bei Varnhagen tab. XII. z. Urk. von 1385 U. B. S. 196) entlehnt, und eben dieses von seiner Nichte Margaretha geführet sein. Ein Beispiel,  daß Töchter die Familienwappen ihrer Mütter angenommen gibt Jung in hist. Com. Beuth. in cod. dipl. p. 140.

 

meßen, und Bestimmungen über einzelne Vermächtniße enthalten. Sie hat keine Kinder hinterlaßen, und ist im Kloster Isenhagen im Fürstenthume Lüneburg begraben a).  Ueber das von ihr geführte Wappen s. Ur. B. S. 461. Sie war die lezte ihres Stammes an der Weser. Durch sie kamen die ansehnlichen Besizungen der Eversteinschen Familien an das Haus Braunschweig, welches auch das Eversteinsche Wappen, dem seinigen beifügte. Den Titel: Graf von Everstein hat, so viel bekannt ist, nur der Herzog Wilhelm der ältere 1465 und 1473 geführt b). 

 

 a) s. Rethmeyer II. 1290.
 b) s. Zeit u. Gesch. Beschr. v. Götting. Th. III. S. 125. u. Vollständ. Brauns. Siegel-Cabinet Nr. 147.

 

 

§. 53.

 

Ist Heinrich von Homburg 1445 von einem Grafen
Von Everstein ermordet?

 

Ein gleichzeitiger Zeuge, der Corveyische Mönch Anton Schnackenburg, welcher 1437 gebohren ist, erzählt: Heinrich Graf ? von Homburg sei 1445 von einem Grafen von Everstein in der Kirche in Amelungsborn während des Gottesdienstes ermordet c).  In der Amelungsborner Klosterkirche ist eine Tafel aufgehängt  gewesen, auf  welcher bemerkt war,

 

 c) s. Anm. Corb. bei Leibnitz II. 317. Paulini in synt. p. 417.

 

daß Hermann Graf von Everstein wegen einer geringfügigen Ursache 1445 Heinrich edlen Herrn von Homburg in der Kirche ermordet, dieser sein Geschlecht beschloßen und jener landflüchtig geworden a).  So wichtig auch beide Zeugniße erscheinen, so ist doch sehr an der Richtigkeit der Erzählungen zu zweifeln. Graf Hermann III. und sein Sohn Otto waren 1445 längst  gestorben s. S. 297.  298; keiner von beiden kann also die That verübt haben. Nach Hermann VIII. wird kein Graf von Everstein in dieser Gegend gefunden und Heinrich von Homburg verliehrt sich schon 1409. Vielleicht ist diese sage aus dem in dem zweiten Viertheile des 13ten Jahrhundert vorgefallenen Ereigniße s. §. 43. entstanden.

 

 a) s. Leuckfeld in Chronol. Abb. Amelungsb. p. 41 Hareub. p. 1414.

 

 

§. 54.

 

Paßiv- und Activlehne der Grafen von Everstein

 

Die Grafen von Everstein standen wahrscheinlich mit dem Stifte Fulda, wegen ihres Besizthumes in Hameln s. §. 12 in der ältesten Lehnsverbindung; sonst scheint es die mit Maynz und diese auch die bedeutendste gewesen zu sein. Von dem Erzstifte hatten sie Lehne: 1139 und 1162 in Widdikeßen (Wwttesingen) und Ungerethe s. S. 190; wahrscheinlich das Gericht am Donnersberg, s. §. 15; die Cometia Schervede im zwölften Jahrhundert s. S. 166; Wormeln 1258; Witmar 1241 und andere Güter in dieser Gegend; Zehnten bei Lippoldsberg 1207 u. f. m.  Als Lehnmänner des Stiftes Paderborn erscheinen sie 1196 und 1204 wegen eines Theiles des Sollings; und mit dem Stifte Minden standen sie 1197 in einer gleichen, jedoch nur geringen Verbindung, welche, nachdem Hameln von Fulda abgetreten war, erst bedeutender erscheint. Von dem Kloster in Corvey hatten sie 1197. 1240 und 1295 einige, jedoch nicht sehr bedeutende Lehne. Es ist auffallend, daß sie, obgleich Nachbarn von Corvey mit diesem Stifte in keiner engeren Verbindung gestanden haben s. S. 18. und auch wenig in Corveyischen Urkunden genannt werden. Marschälle dieses Stiftes waren sie nicht  s. S. 16; und ob Everstein, s. S. 18. Grohnde und Ottenstein, besonders zur Zeit der Grafen, Corveyische Lehne gewesen s. CCCCXVIV  steht noch dahin.  Die Grafen besaßen mehrere Lehne vom Stifte Heerse  CCCCXCV; ob erst seit der Zeit daß sie in und bei Brackel erscheinen ?  s. §. 23 ist nicht ermittelt; sie hatten auch deren vom Stifte Gandersheim. Die Lehnsverbindung, in welche sie mit Cöln wegen Hameln, Aerzen, Everstein und Osen gekommen waren, s. §. 12. 11. 2. 10.  ist durch spätere Auftragung entstanden.

 

Nur wenig weltliche Herren erkannten sie als Lehnherren. In Hameln besaßen sie Reichslehne s. 106. und 1264 a) waren sie Lehnmänner der Herzöge von Braunschweig. Wie sie 1235 s. §. 45 sich mit dem Herzoge Otto aussöhnten, sind sie als Vasallen nicht bezeichnet und es sind nur unbedeutende Güter, welche sie von dem Braunschweigschen Hause zu Lehn nahmen. Ihre ältesten Besizungen an der Weser, Hameln etwa ausgenommen, scheinen völlig freie Güter gewesen zu sein.

 

Sie hatten eine zahlreiche Lehnmannschaft. In der Nachbarschaft des Schloßes Everstein und bei Hameln erscheinen als ihre Lehnmänner: die v. Everstein, v. Bevern, b) Bock von Nordholz, v. Borie, Hacke seit 1307 vorher Stuwe, v. Holle, b) v. Hastenbeck, b) de Molendino, v. Rene, v. Steinberg, v. Stellern, v. Vornholte u. a.; in der Diemelgegend sind als ihre Vasallen genannt: die von Aßeburg, die Berkule, die v. Brackel, v. Brilen, v. Brunhardeßen, v. Dalheim, v. Etlen, v. Eßentho, Gropen v. Gudesberg, v. Haldeßen, v. Hardenberg, (bei Wormeln 1306), v. Horhusen, v. Jude, v. Kalenberg, v. d. Maisburg, v. Medricke, v. Northen, v. osdageßen, v. Padberg, v. Papenheim, v. Schachten, v. Stenhem, v. Wellede, v. Wormlo. Der Eversteinschen Lehnmannschaft bei Göttingen ist schon S. 186 gedacht, welcher noch die v. Bischofshausen s. S. 246 beizuzählen sind.

 

 a) s. Urk. bei Wolf de Archid. Nortun. Im U. B. nr. VII. Ist sie, wie sie vorliegt, acht?
 b) s. Treuer’s Münchh. Geschl. Hist. U. B. S. 296. 297. Brun Arnd v.Bevern, der lezte seines Geschlechteslebte 1589. (s. Braunschw. Lüneb. Anz. v. 1753 St. 101.) Arnold v. HastenbeckLieß 1341 (Ungedr. Urk. i. Hann. Archive) dem Grafen Hermann v. Everstein Güter in Hedeßen auf.

 

Die Dynasten von Plesse sollen Lehnmänner der Grafen von Everstein gewesen sein a). Diese Ansicht gründet sich wahrscheinlich in dem Lehnbriefe, welchen der Herzog Friedrich von Braunschweig 1448 über, auf ihn von dem Grafen Hermann VIII. von Everstein gefallene Güter bei Göttingen an die Brüder Gotschalk, Dietrich und Moritz von Pleße ausstellte b). Es

 

 a) s. Meyer in ant. Pless. p. 123.
 b) s. Wenk II. 810. 811.

 

steht aber dahin, ob diese Güter schon von den Grafen v. Everstein, oder zuerst von dem Herzoge aus dem angefallenen Eversteinschen Besizthum, aus einem neuen Titel zu Lehn ge-

 

geben waren. Es war nicht gewöhnlich, daß unter Personen gleichen Standes solche Lehnsverbindungen Statt fanden. Die edle Reußische Familie, welche von dem Grafen Conrad c. Everstein Lehne im Vogtlande empfing s. S. 280, beweiset eine Ausnahme, welche vielleicht durch das Verwandtschafts-Verhältniß herbeigeführt ist.

 

 

§. 55.

 

Gräfliche Beamten

 

Die Grafen von Everstein hatten schon früh depiferi (Drosten, Truchseßen). Mit dieser Bezeichnung erscheint zuerst 1202 ein Heinrich, wahrscheinlich ein Mitglied der adelichen Familie v. Everstein, aus welcher mehrere dieses Amt führten. s. S. 15. Mit Ausnahme des bei dem Grafen Otto II. 1225 erscheinenden  dapifer Dietrich und des Heinrich v. Eylenhusen, welcher bei dem Grafen Conrad VI. 1266 dieses Amt neben dem Schultheißenamte in Hameln bekleidet s. S. 99. und vielleicht zu der Familie des Eversteinschenn Burgmannes Conrad von Ellenhusen (1300 s. S. 15.) gehörte, scheinen die übrigen sämmtlich aus jener Familie gewesen zu sein. Wenn auch ihr Familienname nicht genannt ist, so weisen doch ihre Taufnamen besonders der Name Heinemann auf jene Familie und wenn Heinemann und Conrad 1279.  1285  und 1286  dicti dapiferi genannt sind, so drängt sich der Gedanke auf, ob der Amtsname ein Familienname geworden war. Die von Everstein waren wahrscheinlich die angesehensten Burgmänner im Schloße Everstein und eigneten sich wol am besten dazu, um eine Oberaufsicht auf die Verwaltung der Güter zu führen. Solche Aemter waren gewöhnlich erblich und mit Gütern ausgestattet. Welche die Inhaber als Ministerialen besaßen a).

 

 a) Zu dem Drostenamte des stiftes Hervord, welches Gerhard von Weda gehabt, gehörten 1358 ein Salzhaus und 2 andere in Salzuffeln, 2 Häuser und 1 Kotten IN Beverchen; ein Haus und 1 Kotten in Leneghem ferner von jedem der 4 Schultenämter in Harthem, Libbern, Selingeworden und Oldenhervord jährlich 1 Semmelbrod, 2 Hühner und 1 Ente. Damals verglich der corveyische Abt Dietrich u. a. die Abtißin Lutgard mit Engel, der Wittwe des Drosten, ihrenTöchternMechtild und Elisabeth und ihren Schwiegersohne Bernhard von Ghesmole. Sie entsagte allen Ansprüchen auf Speisen, Wein oder andere Getränke, Kleider, Pferde, Futter für diese und Hunde und versprach, daß, wenn sie das Amt ihrer Tochter oder ihrem Schwiegersohne abtreten würde, diese Ministerialen werden sollten, auch daß deren Nachfolger das Heergewedde zu entrichten habe.

 

Von 1298 an erscheinen notarii  in der gräflichen Familie. Damals nannte Otto VIII. einen Arnold, die Brüder Otto und Friederich von Holtesminne einen Priester Siegfried und Otto VIII. 1305 einen Hermann. Einen Vogt hatte ein Graf Otto 1299. In einer von ihm in Polle ausgestellten Urkunde ist unter den Zeugen genannt Hermann von Orde advocatus noster. Ob der 1217 erscheinende Vogt Lambert ein Eversteinscher war, ist nicht ermittelt.

 

§. 56.

 

Siegel der Grafen.

 

Von früher Zeit an führten die Grafen von Everstein einen gekrönten Löwen als Wappenbild. Das älteste bekannte Siegel findet man an einer Urkunde von 1206. Dieses zeigt einen vorwärts schreitenden Löwen von der linken Seite mit einnem getheilten Schweife; in späterer Zeit in bekannten Urkunden, zuerst 1225 erscheint jener gewöhnlich aufgerichtet, und zuweilen der Schweif getheilt. Conrad IV. 1246 einen nicht aufgerichteten, sein Bruder Otto IV. einen aufgerichteten Löwen. Ein besonderes Siegel hatte ein Graf Albert (der VI. ?) und 1271. Der Schild ist in der Länge in zwei Hälften getheilt; die erste derselben zeigt einen halben Adler mit dem einem ausgebreiteten Flügel, und mit dem ganzen, nicht gekrönten Kopfe von der linken Seite; in der zweiten Häjfte sieht man zwei Querbalken, welche nach unserer jezigen Art Farben anzudeuten, schwarz erscheinen. In einem Reutersiegel des Grafen Conrad des IV. von 1217 ist auch ein halber Adler zu finden. Sein Großsohn Engelbert hatte 1282 CXCV das alte Eversteinsche Wappen mit demjenigen, welches Graf Albert 1269 und 1271 führte, verbunden. Es ist um den Hals eines vorwärts schreitenden Löwen mit aufwärts gelehrtem Schweife, durch ein Band ein herzförmiger, auf dem Rücken des Löwen ruhender Schild, in welchem ein halber Adler und zwei Querbalken zu sehen sind, befestigt. Die Umschrift ist nicht mehr zu lesen. Ein Graf Conrad der IV., führte (wahrscheinlich 1257) allein einen halben Adler und zwei Querbalken, wie der graf Albert 1269 und 1271 a).  Der Greif, welcher in einem siegel des Grafen Hermann an Urkunden von 1384 und 1387 CCCCVIII gesehen ist, mag wol einer schlecht gerathene Zeichnung eines Löwen zugeschrieben werden. Das Siegel, welches der Graf Otto 1293 CCXLIX führte, kann als ein eigentliches Wappenschild nicht angesehen werden. Einige Aufmerksamkeit verdienen die Pfauerfedern, da die Grafen von Everstein in Pommern auf dem Helme einen Pfauenwedel hatten. s.§. 47.

 

 a) Eine Abbildung s. bei Rethmeyer I. 496 (er weiset II. 1290 auf eine Urkunde von 1257 hin) Leyser p. 94. Harenberg tab.  XXVII.  nr. II. 

 

Ueber die Siegel der Grafen in Dännemark und im Vogtlande s. §. 46. 48.  und über das Wappen des Grafen Hermann VIII. nach 1403 s. S. 287. Die Wappenbilder, welche nicht als die eigentlich Eversteinschen anzuerkennen sind, der halber Adler und die Querbalken können von einer anderen Familie angenommen sein. Vielleicht führte ein Graf v. Everstein das Wappen seiner Mutter, wie solche Beispiele S. 300 angeführt sind, und es mochten wol Erbschafts-Ansprüche dadurch angedeutet werden sollen. Das Siegel ist ein zusammengesztes, wie dieses in jener Zeit ungewöhnlich ist und es scheinen die beiden Wappenbilder, der Adler und die Querbalken aus zwei Wappen verschiedener Familien genommen zu sein. Es ist schwierig, eine Vermuthung zu begründen, aus welchen Familien dieses Wappen in die Eversteinsche gekommen ist. Ein Adler war in dem Schilde der Grafen von Arnsberg a);  eine Abstammung der Grafen von Everstein von ihnen ist noch nicht erwiesen. s. S. 210.

 

 a) s. Kindlingers Samml. merkw. Urk. u. Nachr. Heft I. S. 155.

 

 

§. 57

 

Einige allgemeine Bemerkungen. 1) Bemühungen der
Erzbischöfe v. Cöln, sich als Herzöge von Westphalen
geltend zu machen.

 

Die mitgetheilten und einige noch anzuführende Urkunden geben zu einigen allgemeinen Bemerkungen Veranlaßung.

 

Jene bestätigen die schon oft gemachte Bemerkung, die dem herzoge Heinrich dem Löwen entwundenen Rechte eines Herzogs von Westphalen immer mehr zu bestätigen und auszudehnen. Sie suchten mehrere feste Punkte, bis an und über die Weser, von woher Heinrich’s Nachkommen ihnen gefährlich werden konnten, zu gewinnen. Gleich nachdem der Erzbischof Philipp Herzog von Westphalen  geworden war, besorgte er 1184 den Bau  eines

 

Schloßes bei Pyrmont, s. S. 197. welches, obgleich es in der Grafschaft Wedekind’s von Schwalenberg lag, ihm doch unterworfen war und als ein Gränzpunkt gegen die Weser, von welchem zwei dahin führende Wege einer an der Emmer herunter, und einer durch  das Heßenthal nach Aerzen und Hameln beobachtet werden konnten, sehr wichtig ear. Der Erzbischof Conrad verschaffte sich 1259 den besiz von Osen an der weser; Engelbert 1265 von Hameln und vom Schloße Everstein jenseits der Weser, und suchte im ersten Vierthel des 13ten Jahrhundert bei dem erworbenen, nicht weit von der weser liegenden Helmershausen eine Burg zu bauen s. S. 194; Siegfried sezte sich 1283 in Aerzen ohnweit Hameln fest; Wicbold erwarb im Anfange des 14ten Jahrhundert Canstein bei Arolsen; Heinrich 1323 von dem Grafen Heinrich von Waldeck das Schloß Wetterburg  a) bei Arolsen s. S. 157; das Oef-

 

 a) Jetzt eine fürstliche Waldeckische Meierei bei Arolsen. Das ganeben liegende Dorf ist wahrscheinlich später angebaut. Das ehemalige Dorf Wetter an der Wetter im Kurheßischen Gebietean der Waldickischen Gränze ist nicht mehr. Wo die Kirche war, ist jetzt eine Kapelle, die Watterkapelle genannt.

 

nungsrecht in dem benachbarten Schloße Mederich, und im Schloße Kogelnberg s. S. 17. erhielten die Erbischöfe Rechte. Einen Grundsaz, daß innerhalb des Herzogthums ohne Bewilligung des Herzogs neue feste Schlößer nicht angelegt werden dürften a),  suchten die Erzbischöfe folgerecht durchzuführen. Gotfried v. Arnsberg erhielt von Engelbert 1263 die Erlaubniß Nieheim zu  Befestigen b),  und Otto Graf von Waldeck muste 1294 zwei innerhalb des Herzogthums angelegte Festungen, Roden und Landau eingehen laßen c).

 

 a) Der Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg, welcher sich für einen Nachfolger des Herzogs Bernhard von Sachsen ansah, bezeugte 1311, daß ohne seine Erlaubniß in seinem Herzogthume  Niemand Festungen anlegen dürfe.  (cum ponte versatili, muris, fossatis sive vallis) s. Kindlinger’s Samml. merkw. Urk. I. 189 a. s. a. Wigand’s Femgericht Westph. S. 189.
 b) s. Schmidt’s Gesch. des Großh. Heßen I. 329.
 c) Wie Siegfried Erzbischof von Cöln und Otto, Bisch. V. Paderborn 1294 wegen Gesecke und
Salzkotten sich verglichen s. Schaten a. a. 1294, kam eine gemeinschaftliche Beschwerde gegen Den Grafen von Waldeck wegen der Befestigung in Roden und Landau vor, welche am 12. Dec. 1294 von den Schiedsrichtern, dem Osnabrückschen Bischof Conrad und dem Cölnischen Domdechanten Wiebold gegen den Grafen entschieden wurde. Die Urkunde lautet: Nos –arbitratorespronnutiamus – quod si Comes de Waldeck structuram castri et oppidi Roden antiquitus abjuratam oppidi Landau in grave praejudicium Archiepiscopi et Episcopi et Ecclesiarum infra terminos ducatus Westphalic de novo constructam non deposucrit, dicti Archiepiscopi et Ecclesiae corum potenter et patenter alter ab altero requisitus sibi ad indicem mutuum auxilium praestabunt ad demolitioneum et depositioneum munitionum et structurarum praedictarum etc. Pronuntiatum et datum apud Montem Martis a. D. MCCXCIV. In die Dominica proxima ante festum b. Luciae Virg.. Aus d. not. crit. Ad Schaten a. a. 1294.   (Die Entscheidung war also an einem Sonntag ausgesprochen. Das k. Hofgericht hatte 1456 einen Termin auf Sonntag nach Pfingsten angeszt. s.  S. 161) Die (Orig.) Urkunde, nach welcher der Corveyische Abt Hermann 1248 wegen vieler Schulden, dem Kl. Bredelar Einkünfte aus dem Zehnten in Osni.....  und Mere verkaufte schließt: Acta sunt – MCCXCVIIIlud. II Id. Jan. eo videlicet tempore cum venerabitis dominus Symon Paderburnensis electus et nos munitionem in Roden (Stadt Roden im Waldeckschen ?) simu editicaremus.

 

Sorgfältig hatte 1260  CXXI der Erzbischof Conrad, bei dem merkwürdigen Vergleiche mit dem Herzoge Albert von Braunschweig und seinen Brüdern, durch welchen sie wegen ihrer Güter im Herzogthum Westphalen Cölnische Lehnmänner wurden und allen Ansprüchen auf das Herzogthum entsagten, darauf Bedacht genommen, daß Albert innerhalb des Herzogthums Westphalen keine Festungen anlegen und erwerben solle.

 

 

§. 58.

 

2) Marschall-Amt in Westphalen

 

Die näheren, sonst schon entwickelten a) Verhältniße  dieses Amtes werden durch mehrere jetzt vorgelegte Urkunden von 1290  (CCXXXVI), in nr.  CCLXX., ferner von 1370 u. 1371  CCCXCI – CCCXCVII, 1377 CCCC,  und 1382  CCCCIII  noch erläutert.

 

So viel ergibt sich aus selbigen, daß der ernannte Marschall das Amt, welchem bedeutende Einkünfte zugewiesen waren  s.  CCLXX,  durch Vorschüße erkaufen muste. Es war der Gegenstand eifriger Bewerbungen und die Inhaber suchten es sich zu erhalten. Heinrich Bischof v. Paderborn ließ sich nach einer ungedruckten Urkunde vom 11. Juli 1373 von Friedrich Erzbischof von Cöln eine Versicherung ausstellen, daß  binnen drei Jahren ihm das Marschall-Amt nicht abgelöset werden solle, ausgenommen, wenn der Herzog selbst in Westphalen sein wollte, oder der Bischof wegen Leibesschwachheit das Amt nicht mehr versehen könnte b).  Die Marschälle waren indeßen oft genöthigt wieder einen Theil der zum Amte gehörigen Güter zu überlaßen, wahrscheinlich um die gemachten Vorschüße decken zu können. Simon Bischof von Paderborn verpfändete am 25. Mai 1381 an Heidenreich von  Oir

 

 a) s. d. Femgerichte Westphalens über d. Verfaß. d. heiml. Ger. in Westphal. S. 289. u. f.
 b) Aus einer Abschrift im lihr. I. Varior. Celle S. J. Pad. p. 145.

 

das zum Marschall-Amte gehörige Amt zu Werl für 1000 Gulden und räumte ihm alle Einkünfte, jedoch mit Ausnahme der Großen Brüche, für Kost und Arbeit ein a).  Nach einer anderen Urkunde vom 15. Juli 1381 erklärt Heidenreich von Ore, daß gedachter Bischof Simon ihn wegen einer, am Marschallamte stehenden Schuld von 6000 Gulden befriedigt habe a).

 

Das uns mitgetheilte Verzeichniß der Marschälle b) ist noch nicht ganz vollständig. In den mitgetheilten Urkunden erscheinen:  Hunold (von Plettenberg) 1259.  1260. CXVIII.  CXXI. Joh. v. Bilstein 1288 S. 23  Otto Graf von Everstein 1290 – 1293  s. S. 247.  Joh. v. Plettenberg s. Urk. B. S. 234.  Bertold v. Büren vor 1336 CCCLVI Heinrich v. Lewenberg 1336 CCCLVI Heinr. Bischof v. Paderborn 1370.  1371  CCCXCI u. f.  s. 1377 CCCC.  Simon Bischof v. Paderborn 1382  CCCCIII.

 

 a) Aus Abschriften in libr. I. Var. Coll. S. J. Pad. In der ersten Urkunde nennt sich Simon: von Gottes Gnaden Bischof zu Paderborn, Marschalk unsers Herrn Friedrich’s Erzbischof v. Cöln.
 b) s. v. Steinen westph. Gesch. IV 1084. Auch ist Kindlinger’s Angabe (s. M. B. III. 257), daß Joh. v. Plettenberg von 1275 – 1332 Marschall gewesen nach den vorliegenden Urkunden zu Berichtigen, indem Otto Graf v. Everstein 1290  (CCXXXVI) Marschall wurde und als solcher noch 1293  CCLII  erscheint.

 

 

§. 59.

 

3) Häger- (Heger) Rechte und Güter  a).

 

Des Hegherrechtes erwähnen die mitgetheilten Urkunden aus dem Anfange des 13ten Jahrhundert  XXXVII,  von 1278.  1281  CXCI und von 1286.  Sie reden von der Nachbarschaft von Amelungsborn, in welcher dieses recht, Hägergerichte und Hägergüter auch durch andere Urkunden und bis in die neueste Zeit nachgewiesen werden b).

 

 a) Eine ausführliche Zusammenstellung über Hägergüter, Hägergericht und Hägerrecht findet man in Th. Hagemann’s kl. jurist. Aufsäzen Th. II. S. 14 – 63. s. a. deßen und Günther’s Archiv. d. Rechtsgelehrsamkeit Th. III. s. 1- 29.
 b) s. Nolte (Goebel) de singular. – praediis rusticor. – in terris Bruns. Lunuburg. Sect. VI.

 

Wir finden indeßen solche Güter auch in andern Gegenden. Arnold Hacke nahm am 14. Febr. 1350 vor einem, von ihm nach des Haghen-Rechte niedergesezten Hochding, zu welchem alle Hegerleute eingeladen waren, einen gewißen Stöver wegen 2 Hufen zu Detmeringshuß, als seinen Hegermann (Heghersche Mann) in Anspruch, welcher dagegen ein Lehnmann von Hermann von Hastenbeck zu sein behauptete. Das Gericht strafte ihn und ließ den Beweis durch Vorführung seines Lehnherrn nach a).  Im Hildesheimschen kannte man ebenfalls Hegergüter. In einem, von Heinrich von Wenthausen, Abt des Klosters S. Michaelis 1321 aus einem Mißale des Bischofs Bernward angefertigten Verzeichniße der Klostergüter sind Hegergüter in Hasekchusen, Evingkrode und Robberhusen angemerkt. Im Paderbornschen fanden sich solche Güter in Dalhausen. Conrad v. dem Haddenberge, Patron der Kapellen S. Mar. und S. Cathar. In der Kirche in Brackel, genehmigte 1434 den Verkauf 2 Mühlen, auch der Güter Heldersen in Dalhausen

 

„welche dem Kloster in Gerden zinslachtig,
„Heghersgut, und in dem Hagen zu Hegerschem
„Rechte gelegen waren.“ b).

 

Der in Bredenborn 1354 CCCLXXV  erhobene Hagenzins und die Heghershove (mansus qui krumme sick dictur) in Abbedeshagen, welche 1270 Helmbert v. Holthusen und Bertrad seine Frau vor dem Paderbornschen Bischofe Simon, dem Abt Gerlach vom Werder bei Minden, (unged. Urk.) stehen vielleicht auch mit Hegergute in Verbindung. In der Grafschaft

 

 a) N. e. Hastenbeckschen Urk. B.  Die Urkunde schlist mit dem Worten: „Deßse Hochdinghes heft eyn Richter wesen Hennecke von dem Haghen, Lyndemeyer ein vorsprake Arndes Hacken. DeDinghlüde waren Hermann van Stelte, Hermann van Osen, Alebrecht van Hüpede, Vrederick van Stelre, Arnold Ruschepol und Bertoldes van Bischopperode und andere.“
 b) s. d. Marienmünsterschen Abts Bened. Schmid kurzer Begriff aller Gerechtigkeiten d. Kl. Gerden 1711. Hdschr.

 

Ravensberg waren sieben frei Häger, welche Hagengüter und 1541 ein Hagenrecht hatten a).  Das Bruchhagen-Gericht in Nienburg, in dem Privilegium des Grafen Otto von der Hoya vom 25. April 1577 ein Haggericht genannt. deßen  Angehörige freie Heger waren b), scheint ebenfalls ein Hegergericht gewesen zu sein. Bei Lipprechterode in der Herrschaft Lohra waren Grundstücke, welche Hegeland, Hageland genannt wurden. Am 1. August 1317 entsagte Heinrich Graf von Beichlingen mit Einwilligung seiner Söhne Friedrich, Heinrich und Günzel zum Besten des Klosters Bursfelde Ansprüchen auf die Vogtei des Hofes in Lipprechterode, auf ausgerodete Aecker in Crugesdorf und die Dörfer Herbrechterode, Geveterode auch einige Mansen (qui dicuntur hegelant). Am 21 Mai 1322 übertrugen Heinrich und Dietrich Grafen von Hohnstein mit Einwilligung ihrer Söhne, Heinrich, Dieterich, Burchard und Ulrich (Heinrichs Söhne) und Dieterich, Heinrich, Burchard, Elger, Albert auch Otto (Dietrichs Söhne) dem Kloster Bursfelde das Kirchen-Patronat in Bleichero-

 

 a) Mitgetheilt von Herrn Mooyer in Wigand’s Archiv V. 386.
 b) s. Rathlef Gesch. der Grafschaft Hoya u. Diepholz III. 134.  144.  s. a. Strube in d. rechtl. Bed. V Nr. 93.

 

de, gegen das in Lipprechterode. Mit dem Zubehör der Kirche, nämlich einer Mühle und gewißen Hafer-Abgaben (quatuor modiis forensibus) von vier Mansen daselbst (qui vocantur hagenlant) und von bis jetzt ausgerodeten Aeckern bei Crugesdorf a).

 

Ueber die Beschaffebnheit der Hegergüter hat bis jetzt eine völlig befriedigende Erklärung nicht gegeben werden können, noch weiniger über ihren Ursprung. So viel ist wol gewiß, daß sie zinspflichtige lastbare Clonatgüter waren, bei welchenein, die Rechte des Besizers beschränkendes Obereigenthum Statt fand. Ob allgemein ein Diestpflicht auf den Hegergütern lag, läst sich mit Gewißheit nicht bestimmen. Auf eine Klage des Amelungsbornschen Abts, wioesen Statthalter, Canzler und Räthe in Wolfenbüttel am 18. Sept. 1593 den Hermann Craushaar in Lonne nur  an b),  sich als Hegermann gegen das Kloster, seinen Hegerherrn zu verhalten, mithin von seinen anstreitigen Hegergütern nicht allein jährlich den gewöhnlichen Erbenzins, sondern auch bei sich ereignenden Fällen nach Hegerschem Herkommen die Koer, eine bei Veränderung der Besizer vorkommende Abgabe zu entrichten. Von Diensten und andern Leistungen geschah keiner Erwähnung. Woher der Name Hägergüter abzuleiten, ist unter den Schriftstellern sehr streitig.Wahrscheinlich ist in dem ersten Ursprunge dieser Colo-

 

 a) s. ein Bursfeldische Urk. B. (Hdschr.)
 b) A. e. Amelungsb. Urk. B.

 

nate etwas zu finden, welches diese besondere Benennung veranlaßt hat. Es mag wol einer weiteren Prüfung unterworfen werden, ob sie von dem Worte Hagen (Indago) entlehnt und auf ausgerodete Ländereien angewandt ist. Das für das Bruchhagen-Gericht in Mienburg, das Haggericht 1577 ausgefertigte, vorhin erwähnte Privilegium redet offenbar von artbar gemachtem Lande. Inzwischen war nicht jedes angerottete Land Hegerland. Die angemerkten Bursfelder Urkunden nennen Rottland und Hagenland neben einander. Die sieben freien Häger in der Grafschaft Ravensberg wohnten in Orten, deren Benennungen ihren Ursprung, daß sie Hagen (indagines) gewesen, verrathen. Das dem Kloster Gerdeen zu Hegerschem Rechte untergebene Hegergut in Dalhausen lag in dem Hagen. Die Hegergüter scheinen in den mehrsten Fällen einzelne, zu geschloßenen Gütern nicht gehörige Grundstücke gewesen zu sein, wie denn auch die Formel eines von Heimburgschen Hägergerichtes auf solche einzelne Grundstücke  deutet, wenn in selbigem gefunden wurde, daß derjenige, welcher mehrere Hägergüter besäße, von einem jeden die Koer entrichten mußte a). Eben diese Formel zeigt indeßen, daß auch ein voller Meyerhof dem Hägerrechte unterworfen sein konnte a). 

 

 a) s. Nolte I. e. p. 151. quaest. 11. p. 150. qu. 7.

 

 

N a c h t r a g.

 

Zu S. 21.    Nach einer Urkunde vom 12. Dec. 1230, Inhalts deren der Bischof in Minden bei einer Kirchen-Visitation eidlich angeloben sollte, den Eingriffen und Mißbräuchen der Kirchenvögte zu steuern, (s. Würdtwein in nov. subs. dipl. IX. 71.) war jener besonders aufgefordert nicht zu gestatten: captiositates in placitis, que vulgariter vare dicuntur.

 

Zu S. 26.    not. a. s. N. Vat. Arch. v. 1832 Heft III. S. 104. 

Zu S. 34.    Auf die Urkunde von 1260 CXXIV   bezieht sich die bei Würdtwein in N. S. XII. 397 abgedruckte.

Zu S. 75.    Ein Schloß Bavensen soll in dieserr Gegend, wahrscheinlich wo noch der  Name

Bavenser Feld gehört wird, gelegen haben.

 

Zu S. 142.   Die Heerseschen Lehne sind wahrscheinlich durch den Tod des Herzogs Otto  s. S. 299.  erledigt.

Zu S. 146.   Nach einer im Waldeckischen Archive befindlichen, nach dem Abdrucke erst aufgefundenen Original-Urkunde von 1237 hat damals Adolf, Graf von Waldeck mit Einwilligung seiner Frau Sophia a) und seiner Kinder dem Kloster  Arolsen das Patronatrecht

 

 a) Varnhagen hat diese Sophia nicht gekannt.  S. 312  erwähnt er zweier Frauen des grafen Adolf,

     einer Helena, einer Tochter Albert des II. von Brandeburg, und einer, einer Schwester des Pa-

     derbornschen Bischofs Simon, Herrn zu Lippe. Die erstere, die Helena ist diplomatisch noch

     nicht nachgewiesen, s. Gebhardi in aquilonal. March. p. 134., von der lezteren gibt eine Original-

     Urkunde von 1273 Nachricht. Wie damals Hermann edler Herr zu Lippe dem Stifte Corvey und

     Dem Kloster Brenkhausen den Wald Lenneberg beim Schloße Brunsberg gab, waren Zeugen:

     vorgedachter Bischof  Simon et ejus sororDomina de Waltheke. Diese Gräfin von Waldeck ist

     also eine Tochter Hermann’s gewesen. Daß sie den Namen Sophie geführet und ihr Mann der

     Graf  Adolf gewesen, sagt übrigens die Urkunde nicht.

 

über die Kirche in Eringen gegen das Eigenthum eines Gutes in Bockenhagen übertragen. Die Urkunde des Pabstes Johann, wenn er der  XXII und sie aus dem Jahre 1317 war, kann daher nur von der Vorzeit reden, da das Kloster damals schon lange in dem Besize des Patronatrechtas gewesen. Sie steht indeßen ,it jener von 1237 im Widerspruche, indem das Kloster nicht von Conrad Grafen von Everstein, sondern von Adolf Grafen von Waldeck das Patronat erhielt, und bis jetzt keine Spur entdeckt ist, daß lezterer es von dem Grafen Conrad bekommen, um es dem Kloster zu übergeben. Nach einem in Hannov. Archive befindlichen Original-Reverse von Ludwig Groppe von 1364 hatte dieser ein Kirchlehn zu E....., und Eringhausen nebst dem Zehnten in Schachten von denen Herren von Everstein zu Lehn. In Beziehung auf den Inhalt der päbstlichen Urkunde mag hier noch erwähnt werden, daß auch das Patronat in Witmar u. s. w. zunächst von dem Grafen Otto IV. von Everstein an das Kloster kam. s. S. 136.

 

Zu S. 147.   not. a.  Bei Wetterburg lag ein Kamp, das Meer genannt. Im Jahre 1460 belieh Heinr. v. Velstein Domherr zu Paderborn und Inhaber der Obedienz zu Lütteken-Wetter den Gräflich Waldeckischen Amtmann Heinr. Gaugreve zu Wetterburg für seine Herrschaft mit dem lütteken Amt zu Wetter, dem Kampe dem Mere gegen eine jährlich zu entrichtenden Abgabe von 2 guten rheinischenGulden. (Orig. Urk. im Arols. Archive) Der Name dieser Länderei kann daher vielleicht der erwähnten Brücke den Namen gegeben haben.

Zu S. 151.   not. a.  Ein im Archive befindliches Urkunden-Verzeichnis theilt den Inhalt der Urkunde von 1479 mit.

 

Nach diesem haben Otto und Philipp Grafen zu Waldeck den Bürgern ein Privilegium gegeben:

 

 „daß der Gohgraf in Mederich si mit dem

 „Gohgerichte fürder nicht dringen soll, dann

 „unter den Linden vor dat Thor, die

 „Gaugreben von Westheim up dat Steinwarten

 „Radt,und die Gogreben von Ikenhusen

 „(nach einem andern Ausdrucke Zekenhusen)

 „hey das Kreuz to, Rammersen“

 

Zu S. 154.   not. c.   Dieser Graf war Otto, welcher 1465 Elisabeth v. Tecklenburg heirathete und 1497 im 89sten Jahre starb. s. Anonymi (Prasser) Chr. Wald. Bei Hahn in coll. Mon. ined.

I. 834.  835.

Zu S. 193.   Heidenreich, Graf v. Lutterberg und Beatrix seine Frau besaßen 1222 das Schloß Bramburg und den Bramwald.Nach einer von dem Grafen am 21. Januar 1222 ausgestellten Urkunde  a), war jenes verlohren, auch  von Hermann Abt von Corvey mit Mühe und Kosten

 

 a) In dieser ungedruckten Originalurkunde sind noch folgende Bestimmungen:  Der Abt sowol wie

     der Graf verbürgten sich, ersterer, daß er die Hälfte des Schloßes und andere benachbarte Güter

     nicht veräußern und beschädigen laßen wolle, durch 13 seiner Ministerialen, nämlich:  Hermann

     von Lippe, Bernhard von Holthusen, und deßen Vetter Hermann, Hermann Spiegel (Speckel),

     Albert dapifer von Lippe, Raveno von Orberg, Albers v. Reckeringhusen, Stephan v. Horehusen,

     Ulrich v. Westhem, Herm. V. Nigenkerken, Giselbert v. Winninghusen, Bertold marscalcus und

     Herbold v. Amelungeßen; der Graf Heidenreich auch durch seinen sororium Hermann von Lippe

     Daß er eine Veräußerung nicht vornehmen wolle, das Schloß unbeschädigt  nach seinem und

     seiner Frau Tode an den Abt fallen, der gräfliche Vogt (procurator quem Advocatum consuevi-

   mus appellare) es getreu bewahren, jeder von ihm angeszte Burgmann auf Verlangen dem Abte

   einen Eid der Treu leisten, die auf gemeinschaftliche Kosten anzustellenden Thirwart und Wach-

   en beiden Theilen verpflichtet, der vom Abte auf seine Kosten anzulegende Thurns von diesem

   durch einen Knapen, welchem Khermann von Lippe einen beiordnen könne, bewacht werden

   sollten. Zu einem Ersaze wegen der von dem Abte zu beschaffenden Herstellung der Burg ver-

   sprach der Graf ihm die Zehnten von im Bramwalde auszurottenden Ländereien zu verschaffen.

 

wieder herbeigebracht und es wurde damals zwischen diesem und dem Grafen Heidereich verglichen, daß er und seine Frau die Hälfte des Schloßes auf ihre Lebenszeit als Corveyisches Lehn besizen sollten. Der Bramwald scheint ein Maynzisches Lehn gewesen zu seyn, deßen Hälfte als ein solches 1245 Hermann Vogt von Eygenberg besaß a).

 

 a) de Gudecuns I. 589.

 

Zu S. 214.   Graf Ludwig in Miela gehörte nicht zur Eversteinschen Familie ; er war Ludwig der Salier.

Zu S. 234.     Der 1357 genannte Herr v. Everstein ist nicht Graf Heinr. II., wahrscheinlich ein Mindenscher Bürger.

Zu S. 234.   Ein Graf Hermann v. Everstein und Hermann von Brackel sind 1330 als Verwandte (Mage) des BernhardG. V. Ravensberg, Probst zu Schildsche, deßen Mutter Hedwig von Lippe war, bezeichnet. s. Lamey’s Ravensb. Gesch. Cod. dipl. nr. 49. 56. 67. s. a. S. 183. 184.  Des Probst Bernhard Vater Otto wurde auch 1286 als ein naher Verwandter Gerhard’s Edlen von Berge, deßen Schwester an Conrad VI. Grafen v. Everstein verheirathet war, genannt. Lamey a. a. O. nr. 57. 58.  Die Verwandtschaft des Probstes Bernhard und des Grafen Hermann ist wahrscheinlich durch des ersteren Mutter begründet.

Zu S. 254.   Otto Domherr in Hildesheim kommt noch in zwei Urkunden des Hildesh. Bischofs Otto von 1270 und 1275 als Zeuge vor. In der ersten wurde dem stifte zum h. Kreuze das jus sequelae in litonibus eingeräumt und durch die zweite das dem Bischofe zustehende recht in dem Kloster S. Michaelis in Hildesheim mit den Seinigen Aufnahme zu begehren, diesem verkauft. (Ungedr.)

Zu S. 293.   Zu den Verbündeten der Herzöge gehörten auch die Brüder, der Ritter Heinrich, Brand und Cord von Schwichelte. s. Vogell’s Gesch. d. Hauses v. Schwicheldt im Irk. B. S. 100.

Zu s. 305.   Johann v. Büren empfing von den Grafen von Waldeck Sazgüter in Salzkotten zu Lehn, welche jener auf seine Schwiegersöhne, Wilh. Jost Westphal und Gotschalk von Malsburg vererbte, und Heinrich Wilhelm Westphal, Jost’s Sohn für sich und Sittich von der Malsburg, Gotschalk’s Sohn, 1653 von dem Grafen Georg Friedrich zu Lehn empfing. (Orig. Urk. im Arolser Archive).

 

 

Urkunden - Buch

 

 XVI.

 

Adelbert Graf v. Everstein gibt dem Kloster Helmarshausen den Zehnten in Weddikeßon, welchen er von Maynz zu Lehn trug. 1162.

 

Nach einer handschriftlichen Nachricht.

 

XVII.

 

Adelog, Bischof von Hildesheim überträgt dem Kloster Amelungsborn den Zehnten und 6 Hufen in Holthusen welche C. (Comes) Theodericus de Emme von ihm zu Lehn getragen   und aufgelaßen hatte. Testes sunt. Berteldus Praepositus. Bruno Decanus. Eilbertus. Lodolphus. Canonici majoris Ecelesiae. Johannes Canonicus de S. Cruce. Albertus Comes de Everstein praedictus Thidericus Dns Bodo de Hombergh et frater ejus Bertoldus Borchardus de Eimisheim. Unargus de Volckersheim. Lippoldus Advocatus. Lebertus Camerarius. Waltherus Vreden. Acta...... .. Dominic. Incarn  MCLXXXIV. Ind. Data Amelungsborne VIII Kal. Aprilis.  1184 März 25.

A. e. Amelungbornschen Urkundenbuche.

XVIII.

 

Sifried Bischof v. Paderborn vergleicht einen Streit zwischen Herman v. Siddeßen und dem Kloster Gerden. Des ersteren Bruder Goswin Ritter hat 1158 dem Bischofe Bernard 5 Hufen in Ostheim, 31/2 in Frodenhausen, 1 in Baddenhusen und 1 in Dallesen mit Einwilligung seines Bruders Herrmann (qui nondum .... liberos habebat) aufgelaßen welche dieser dem Kloster übergab. Goswin und seine frau Adelheit und sein Sohn Johann begaben sich indieses. Nachdem sie alle todt waren, trat Herrmann nebst seiner Frau Heldeburg und 7 Söhnen, Heinrich, Udo, Herrmann,Goswin, Johann, Anton und Werner auf, um diese nur für den Lebensunterhalt der Verstorbenen, nicht aber eigenthümlich überlaßenen Güter zurück zu fordern. Der Bischof veranlaßte ihn, da er 20 Mark bekam, mit Frau und Söhnen dem Rechtsstreite zu entsagen 1186.

 

Bei Schaten I. 873 ist der Inhalt der Urkunde im Allgemeinen angegeben. Die Zeugen sind sämmtlich nicht genannt. Eine Gerdensche Abschrift bezeichnet Godescalcus Northunensis Praepositus ferner Meinricus Capellanus noster und nennt zwischen diesem und dem Abte Heinrich v. Paderborn noch Hugo, Wulframus Heremannus Heremannus Johannes Volquinus.Die Ministerialen aber hat Schaten nicht genannt nämlich: Wernherus de Brakel Conrad Stapel Hugo de Heincheldere Hartmannus de Ilessen Hugo Henricus Spirinck auch die Consiliatores transactionis Conradus de Adessen Burchardus  Plogarath Appoööonius de Weslere. Johannes et Karulus....genkercke. Hermannus et Swetherus de Weuere Siffridus de Daclheim. Helmicus Grube. Macharius. Johan Rotgerus de Ileseu Arnoldus de Hobrachtissen. Hugo Longobardus Theimo Stapel et frater eius Wernherus.

 

XIX

 

Graf Adelbert (v. Everstein?) bekräftigt in einem Freidinge seiner Grafschaft, in Gegenwart mehrerer Schöffen, und des Erzbischofs Adolf v. Cöln, herzoges v, Westphalen, unter königlichem Banne, daß Otto und Adolf von Widenbrücke Brüder, ,it Einwilligung ihrer Erben, des Paderbornschen Domherrn Dieterich und dessen Bruders Burchard v. Herkendorpe dem Abte Nicolaus in Hardehausen sechs Hufen in Buneßen verkauften 1187.

 

 

Bei Schaten in ann. Pad. a. a. 1187. p. 881. ist diese Urkunde, jedoch nicht vollständig abgedruckt. Das Ende, wie es in einem Hardehauser Urkunden-Buche noch zu finden war, fehlt. Die Schatensche Urkunde ist nach diesem dahin zu vervollständigen: - Paterburnensi. Postmodum vero Comes Adelbertus in libero placito Cometie sue in presentia Scabinorum Hermanni videlicet et Bernhardi de Holthusen Sigebodonis et Wernonis de Dhuergen multorumque nibilium Godefridi de Pickelsen Euerwini Bedelli er aliorum multorum pretaxati peaedii traditionem banno regali omnique iure ciuili constabiliuit, ipso tempore Coloniensi Archiepiscopo domno Adolfo presente in hisdem partibus ducatum tenente. Ne quid uero pretermittamus propter Calumniatores Euerwinus Bedellus trium dierum possessionem, vti iuris sui fuerat, eadem bona nullo reclamante proprietati iam dicti cenobii rite vendicauit.

 

Bei Kindlinger in den Münst. Beitr. Bd. III. .... I. O. B. nr. 27 p. 77. ist dieser Nachsatz, jedoch auch nicht vollständig mitgetheilt.

 

XIX. a.

 

Conrad Abt in Fulda stellt eine Urkunde über die Wahl des Probstes in Hameln aus (Um 1191). Abgedruckt bei Schanuat in disec. Et. Hierach. Fuld. p. 267

 

XX.

 

 

Adolf, Erzbischof von Cöln bestätigt in einem, als Herzog von Westphalen in Paderborn angesetzten feierlichen Geschichte, in welchem auch Albert Graf v. Everstein gegenwärtig war, unter königlichem Banne, eine daselbst von Heinrich Edlen v. Schwalenberg zum Besten des Klosters Marienfeld geleistete Entsagung auf die Kirche in Stapelage und ein Gut daselbst. 1194. Juli. 7.

 

Kindlinger in d. Münst. Beitr. II. S. 212 nr. XXXV hat die Urkunde nach dem Original abdrucken laßen.     s. a. Falcke 227.    Schaten I. 900.  

 

 

XXI.

 

 

Bernhard, Bischof von Paderborn genehmigt, daß sein Lehnmann Graf Albert von Everstein dem Kloster Amelungsborn Lehngüter in Ellersen überläst und nimmt statt deren andere als Lehn an. 1196.

 

In n. S. et i. T. Bernhardus D. g. Patherburnensis Ecclesia Eps. ― Sciant — presentes ― quod fidelis noster C Albertus de Everstein ― consulere volens fratribus monasterii in Amelungsborne bona quaedam ad feudum quod a nobis tenuit pertinentia in villa Ellersen sita, pro quibusdam aliis bonis quae pars hereditatis suae fuerant videlicet Edingehusen et Holebernichusen commutavit ― Nos itaque ― III. mansos terrae cultae ab antiquo et II mansos de novalibus accedentes in praescripta villa Ellersen sitos a jurw et proprietate ecclesiae nostrae in ius et proprietatem Comitis (contulimus?) et ipse Abbati Hoykoni ― contulit ― pro quorum commutatione idem C. uniuersam hereditatem suam in praenominatis villis scilicet Edingehusen et Halebernhusen ― in ius et proprietatem Ecclesiae nostrae transtulit et in feudum recepit ― Acta sun hec ao incarn. Dni. MCXCVI Ind.  XIV. ― Testes sunt Henricus Abb. Paterborn. Et Godscalcus maj. Praep. Volbertus Dec. Henricus Scholast. Lambertus Cellerar. Theodericus Custos. etcaeteri fratres nec non et Laici videlicet C. (comes) Amelungus Henricus Spirnig Wernerus Stapel et quam plures Ecclesiac ministeriales.

 

Nach einer aus einem Amelungsbornschen Urkunden-Buche gemachten abgekürzten Abschrift.

 

XXII.

 

 

Albert Graf v. Everstein überläßt dem Kloster Amelungsborn mehrere Güter. 1197 April 4.

 

In n. S. et J. Tr. Notum sit ― quod ego Albertus D. g. Comes de Eversteine cum consensu Alberti filii mei ― obtuli ― b. M. perpet. Virg. In Amelungsborne ― particulas aliquas patrimonii mei partim libere et absolute partim portionempepecuniae ab eis percipiens. Duas itaque indagines Holenberg et Nienhagen ― gratis contuli eis ― Decimas vero super easdem indagines quia in benefico tenui a Mindensi Ecclesia accipiens ab eis XVI marc. argenti et marcam auri resignavi et eis conferri obtinui a Ven. Thitmaro Epo ― Compensavi autem Ecclesiae Mindensi easdem Decimas per V mansos proprietatis meae in Hastenbeke  et II in Mort Osen quas Ecclesiae contuli et in feudum recepi *)  Item in Ellersen V mans. Et dimidium quos in benefico tenui a Pad. Ecclesiae LII marc. et fertonem argentini accipiens ―

 

 *) Bischof Thetmar fertigte darüber eine Urkunde aus 1197. Abgedruckt bei Falcke in trad Corb. p. 854. u. bei Würdtwein in subs. dipl. VI. 356. 

 

resignavi et conferre obtinui ― a Ven. Bernhardo Epo ― Compensavi autem Palburnn. Ecclesiae hos V mansos et dimidium per bona mea in Edinchusen et Batheburninchusen quae contuli Ecclesiae Palbrun. ― et in feudum recepi ― item ibidem III maus. quae dicuntur bona Lintfridi dimisi praedictis fratribus acciiens ab eis in villa Biveren moöendinum unum et V. mans. quorum II Vener. Bernhardo Palbrun. Epo ― in commutationem tradidi et in beneficio recepi in praesentia Dni Conradi Corbei. Abbatis et Dni Henrici D. ― pro II quos ab eo in beneficio prius habueram qui dicuntur bona Frederici Scucconis quos itidem saepedictis fratribus ― dimisi. Item ibidem III mans. qui dicuntur bona Brunardi quos Bruno de Everstein a me in beneficio tenuerat ab eo ad hoc mihi resignatos contuli eis. Item nemus quod Coenobio adjacet ab occidentali parte et extenditur prope villam meam Negenbornen gratis tradidi eis. Item in Ostessen II mans. ― Commutatio inter Palbarn. Ecclesiam et me de V mansis et dimidio in Ellersen facta est in Capella b. Brigidae virg. in basilica et banno Epi confirmata ao Dnic. incarn. MCXCVI Indict.  XIV.  XIII  Kal. Aug. Regn. Henrico Rom. Imp. et Rege Ciciliae. *)   De II vero Decimis in  Holenberg

 

 *) s. nr. XXI.

 

et Nienhagen inter Mind. Ecclesiam et me completa est commutatio Minden in basilica b. Petri Apost. in solemni synodo cui praesedit Ven. Thitmarus Epus. ― ao ab incarn. Dni  MCXCVII Ind: XV.  IV Non Aprilis. Consumatio autem et confirmatio totius donationis seu commutationis celebrata est solemnater a me et filio meo Alberto continuo .. Non. ejusdem quo videlicet die memoria S. S. passonis Dominicae tunc forteagebatur in Ecclesia b. M.  V.  coram Altare consummatis divinis ministeriis per manum Ven. Hoyconis Abbatis qui sicut erat sacerdotalibus indutus virga pastorali apprehensa et candela accensa — praedictam donatioem seu commutationem banno suo similiter confirmauit ― testes sunt Bertoldus senior de Homborg nepos ipsius Bertoldus jun. Mermannus de Altwardeshusen Udo de Aldendorpe Sygfridus de Hamelen Borchardus de Novali Arnoldus de Hastenbecke Johannes de Thenkershusen Thidericus Lodrikin Ministeriales nostri Florentius senior de Euerstein in filiiejus Florentiuset Henricus Conradus de Thekershusen filius suus Henricus. Arnoldus de Hupede Henricus Kanne Albertus de Euerstein fratres ssui Thidericus et Conradus Wiltmannus de Holtesminne Ludolphus de Lutmersen nepos suus Florinus. Hermannus Leo Godefridus Comes Johannes Clauiger Arnoldus Snoye.

 

Nach einer, aus einem Amelungsbornschen Urkunden-Buche gemachten Abschrift, in welcher die fehlenden Worte auch durch Striche angezeigt sind. 

 

XXIII.

 

Widikind Abt von Corvey bezeugt, daß Graf Athelbert c. Everstein nebst seinem Sohne Athelbert für 2 Mark und eine Corveyische Lehns-Anwartschaft eingewilligt haben, daß der Probst in Kemnade 8 Hufen in Heygen nebst der Holzgrafschaft, welche der Graf vom Stifte Corvey, und Gerung v. Arneveld von jenem zu Lehn getragen, gegen Erlegung von 60 Mark an das Kloster bringe.

 

Abgedruckt in Wigande Gesch. v. Corvey S, 224 Beil. V.

 

XXIII. a.

 

A. Graf v. Everstein übergibt dem Kloster Lippoldsberg Güter in Artlemesin 1202.

 

In nomine sancte et indinidue trinitatis. A. dei gratia comes in euerstene omnibus ad quos presens scriptum peruenerit. et eoram tam presentibus quam futuris christiane religionis notum facimus quod Conradus presbiter quondam Capellanus noster ad presenciam nostram accidens. preceum suarum instancia. et sollicitis exhortationibus suis. a nobis obtinuit. quod super bona in Artlemesin ad nostram iurisdietionem spectancia omne ius nostrum et seruitium quod nobis ex illis (exinde ?) prouenire solebat deo et beato georgio in lippoldisberge in remedium anime nostre et parentum nostrorum integrumet indistentum ? contolimus. heridibus nostris non contradicentibus ……..

Itaque ne hoc ratrionabile factum nostrum post longissimi. temporis elapsum in obliuionem fugiat aut utrumque aliquo tempore ab aliquo hominum infirmari aut cassari possit. sigilli nostri testimonio precauemus. Hec autem facta sunt anno incarnationis Domini M CC secundo. Indictione sexta. Huius rei testes sunt. uxor eius A. comitissa et filius eius comes C. qui presentes aderant. Hildebrandus et Hermannus de uslere. Betramus et Rithingerus capellani. Heinricus dapifer. Daniel de Ossenberge. lothewicus de lotbike. Heinricus et Albertus fractres de grene. Rubinus de hogen. et alii quam plures.

Nach dem Originale.

Das zerstückelte Siegel stellt einen gekrönten laufenden Löwen dar.

 

XXIV.

 

Bernhard II: Bischof v. Paderborn bezeugt, daß Albert, Graf v. Everstein einen Theil des Waldes Solege, den er von ihm zu Lehn getragen, dem Kl. Amelungsborn gegen andere Güter überlassen. 1204.

 

In n. S. et I. T. Bernhardus II. D. g. Paderburnesis. Ecclesiae Epus. ― Significamus ― quod C. Albertus de Euerstein partem aliquam sylvae quae dictur Solege attinenentem villae Holtesminne quam beneficio feudali a nobis tenuit Conuentui de Amelungsborne in concambio dedit et illud quod in concanbio recepit a nobis in feudo recepit. ― Nos quoque ― eidem Conventui Decimas in parte sylvae praedictae de novalibus condonamus ― talis est quod recepit Comes a conuentu. protenditur ab Urendal (Uvendal?) usque ad Havenacke quod in funiculo distributionis ad XXX  mansos computatur pro quo conuentus praedictus recepit nemus quod Monckeroth vocatur et nova via secus aquam extenditur vsque Horinckvelt et amplius. In superiore parte ad viam quae ducit Nienouere et inde versus Egtwordesnie ab hinc descensu in locum qui dicitur Rein a quo in sylvam quae vocatur Ecnacke quae Conuentus proprietati deputata est quod vulgo appellatur Sundere vel Arterholt (Arlerholt?) ― dedimus sub testimonio dominorum nostrorum majoris Praepositi Lamberti majoris decani Henrici Praepositi Bernhardi de Mese Johannis Cellerarii Praepositi Henrici de Hamelen totiusque majoris Ecclesiae Capituli et Ministerialium Ecclesiae nostrae Bertoldi de Asle Frederici Stale Conradi Camerarii ― Ao ab incarn. Dui  MCCIV ao Episcopatus nostri  XVII  Regn. glor. Roman. R. Ottone.

 

Aus e. Amelungsb. Urk. Buche.

 

XXV.

 

Sigfried Erzbischof von Maynz überläßt den Zehnten in Scheden, welchen ihm sein Lehnmann Heydenreich Graf v. Lutterberg (Lauterberg) aufgelassen, nach dessen Verlangen dem Kloster Bursfelde  Testes ― sunt Adolfus de dassle Albertus comes de euersteyn hermannus de laria (vslaria *) Walterus aduocatus de gandersem Thyderieus viecdominus de rusteberg hermannus de rodem Johannes de geuere hugo de Willerode borchardus de badungen. herbordus frater einsdem. Theodoricus de Oldera (Vdra **) Acta sunt hec a inc domin M° CC° A°  Datum rusteberg X  Kal. Octobr. (1205. Sept. 22.)

 

Diese Urkunde ist einer vom Erzbischofe Gerhard 1205 erlassenen Bestätigungs-Urkunde s.  CVIII. eingerückt.

 

 *) Nach einer von Heydenreich Graf in Lutterberg 1203 ausgestellten Urkunde, (Bursf.

   Urk. B.) hatte er diesen Maynzischen Lehnszehnten ,it Einwilligung seiner drei Vettern

   des gleichen Namens Burchard, Brüder und Grafen in Scartveld, in Gegenwart seiner

   MinisterialenErtmar und Hermann v. Gunthersen Hermann und Dieterich v. Bardenvelt

   Halto Wernher Porten Bertold v. Scartvelt Reynold dem Kloster verkauft. Zeugen sind

   In dieser Urkunde angeführt: heydenricus de minnigerod benricus picus herdegen ad-

   Vocatus comilis.

 **) In der nr.  XXXIL befindlichen Urkunde von 1205, wenn beide, welche an einem Mo-

     nathstage, am 22. Sept. in Rusteberg ausgestellt wurden, nicht aus einem Jahre sind,

     kommen bis auf Lampert Gr. V. Gleichen dieselben Zeugen vor, und unter diesen

     Herm. De Vstere und Theodor de Vdra.

 

XXVI.

 

Siegfried Erzbischof von Maynz gestattet dem Kloster Arolsen im Gerichte Donnersberg Güter zu erwerben und nach des Grafen Einwilligung frei zu besizen, bestätigt ihm auch frühere Erwerbungen. 1205.

 

Nach dem Originale abgedruckt bei Varnhagen i d. Waldeck. Geschichte, im Urk. B. S. 35. nr. X. auch in des Verfaßers Abhandlung: Einige Nachrichten über einen alten Gerichtsplatz am Donnersberge in dem Archive für Gesch. und Alterthumskunde Westph. I. 56.

 

XXVII.

 

Albert, Graf v. Everstein gibt dem Kloster Hardehusen ...... Hufen in Schervede, welche ihm seine Lehnleute Heinr. und Conrad zu diesem Zwecke aufgelaßen. 1206.

 

In nomune sancte et indiuidue trinitatis. Albertus comes de Euerstene in perpetaum. Hanc. fiduciam habemus in domino et a domino. ut speramus. quod si prebendas seruiencium deo ampliare rt eos ipsus a malignitate defendere curauerimus. mercedem eorum participare debeamus. Inde est. quod dilettos in hersuithehusen in utroque iam expertos sollicitudinemet diligenciam nostram. adhuc amplius promouere satagimus. Et hoc notum esse nolumus tam futuris presentibus. ad cautelam in posterum quoniam dies mali sunt. Duos itaque mansos in scerue cumomnibus attinentiis suis. quos duo fratres scilicet henricus et conradus in feodo a nibis possederant eis uoluntarie in manus nostras resignantibus contulimus hersuithehusensi ecclesie in proprium. ad supplicacionem inuenum predictorum. Et ne quis heredum meorum super hoc facto causetur forte. dicens hoc factum esse sibi in preiudicium. cauimus predicte ecclesie in hunc modum. ut  de pecunia. scilicet  XVIII marcarum argenti. quas prefati fratres pro resignatione acceperant a predicta ecclesia. bona meliora compararent. et utiliora. De bonis enim resignatis a pluribus annis uix sex solidos annuatim in pensione acceperunt. Et ut hec et inconuulsa permaneant. sigilli nostri impressione firmare curauimus. Huius rei testes. Dominus bernhardus patherburnensis ecclesie episcopus. heinricus prepositus de hamele heithenricus comes de luterberge hermannus bercule de holthusen. Bernhardus de Nordhem. Ekkehardus de Wellethe. Hermannus de atholuessen et ceteri. Argentum etiam pariter totum datum est eis in huxarie in presentia Domini adam iudicis ipsius ciuitatis. Anno Dominice incarnationis M CC VI

Von einer nach dem Originale genommenen Abschrift.

 

XXVIII.

 

Albert Graf von Everstein bestätigt dem Kloster Hardehausen den Besiz von 23 Hufen, welche dasselbe von freien in seiner Grafschaft gekauft hatte, behält jedoch den Königs-Zins vor. Er entsagt ferner um das Kloster wegen des demselben bei der Belagerung des Desenberges angefügten Schadens zu etschädigen, auch weil es seineBurgen in Soest ausgelöset, Ansprüchen auf einen gewißen Godefrid und verspricht der Maynzischen Kirche, von welcher er die Grafschaft zu Lehn trägt, den Abgang zu ersetzen. 1206.

 

In nomine sancte et indiuidue trinitatis Amen. Ego Alberto dei gracia comes de euersteine notum esse volo tam presentibus quam futuris. quod fratres de hersuithehusen coemerunt  XXIII mansos a liberis in cometia nostra. In hoc cauti. quod in omnibus his. in nulli diminuerunt ius rgie pensionis. Quos emnes sicut et pater meus aliquos ex eis stabilo et regio banno confirmo eisdem fratribus in perpetuum possidendos. in Godefrido eciam iuri meo. si quod habere uidebar. renuncio. ad peticionem eorum tum pro restauro quia enormiter eos dampnificaueram in obsidione castri desenberg. tum pro eo quod taxata prcunia redemerunt uades meos in Sosatia. Hec itaque ut scriptum est rata et inconuulsa perpetuo decernimus haberi. tam ex parte mea quam uxoris mei filiorumque meorum. Me quoque a banno absolutum vt eo amplius haberent sibi familiarem ac propitium. uxoremque meam et filios collegerent in plenam fraternitatem et in participium omnium bonorum suorum. tam post mortem quam in uita Patris quoque mei defuncti matrisque memoriam in communione defunctorum suorum receperunt. Porro ut caueam indempnitati moguntine ecclesie a qua cometiam teneo. Tantum de proprio meo in eam confero. ut iure non debeat de iniuria conqueri. cum lucrosum sit ei ratum habere quod feci. Acta sunt hec anno uerbi incarnati M°  CC° VI°  presentibus simul et attestantibus hiis quorum nomina subscripta sunr. Herimannus cognomento byrecule et frater eius bernhardus. Heinricus dapifer noster.Herimannus de louene. Thidericus de duergen et frater eius Eselherius. Goswinus de Winthusen et aliii quam plures tam liberiquam ministeriales. Hec autem ut rata permaneant presentem paginam sigilli nostri impressione munitam prefato cenobio deuote sub testimonio contulimus.

 

Von einer nach dem Originale gemachten Abschrift.

Bei dieser ist ein großes rundes Siegel gezeichnet, in welchem ein zur rechten Seite schreitender, nicht aufgerichteter gekrönter Löwe mit einem einfachen Schwanze und der Umschrift: Sigillv....... Comitis. de Everste..  zu stehen ist.

 

XXIX.

 

Adelbert Graf v. Everstein überträgt mit Einwilligung seiner Frau Agna dem Kloster Lippoldsberge seinen Ministerialen Conrad v. Hermannerode und die von diesem zu Lehn getragenen Zehnten in Stutenrothe Bernersen und Immeßen auch ein Gut in Immeßen 1207.

 

In nomine sancte et indiuidue trinitatis. Adelbertus ipsius gratia COMES DE Euerstein : Notum esse uolumus tam presentibus quam futuris Christi fidelibus quod nos pro remedio anime nostre et parentum nosirorum ministerialem nostrum Conradum de hermannerode de decimas trium villarum videlecet stutenrothe. bernersen et immessen quos a nobis habuit in beneficio et predium quoddam tres continens mansos situm in una iam dictarum villarum seiliset immessen renunciantes prorsus furi quod in eisdem bonis habuimus presente dilectissima contectali nostra domina Agna comitissa et ad hoc cooperante cum consensu heredum nostrorum manasterio Sancti Georgii in lippoldsberge ad …..  ibidem deo famulantium libere con ferre promissimus. pollicentes firmiter nos a domino optenturos ut hoc ratum et inconuulsum perseueret. ..uius facti confirmationis robur et muni…  prefatumque predium heredibus ipsius Conradi libere eidem monasterio expedituros. quod si nullatenus facere possemus. tantum bonorum in proprium pro restauro ipsis nos collatros promisimus. vt etiam huic facto quanto magis concurreremus assensu eisusdem loci prepositus Conradus ex parte capituli sui nobis sexaginta marcas argenti persoluere promisit. Statutum etiam fuit in hac donatione ut in anniuersario nostro nec non et pretaxate con jugis nostre culibet sanctimonialium seu sororum unus panis albus in caritate defur. singulis annis. Ne igitur hoc factum per obliuionis caliginem a memoria hominum euanescat. et ne quid doli seu calumpnie inde in posterum ab aliquo possit suboriri. set ut omni euo pateat. presens inde scriptum conscribi. et sigilli nostri impressione insigniri fecimus. testibus subternotatis. Clericis quorum nimina sunt. bruno frideslariensis canocicus. bruno capellanus. Gozwinus sacerdos. Laycis quorum nomina sunt. Helmicus de bodenhusen. hermannus et bernardus frater eius de nouali. henricus de mesce. Conradus de amelungessen Conradus de thenkereshusen henricus dapifer et florentius frater eius. hermannus reboc. henricus kanne preter alios plures qui aderant. Acta sunt hec anno ab incarnatione domini Millesimo MMmo septimo. Indicioneuero decima.

 

Nach dem Originale

An der Urkunde hängt an roth und weißem Zwirn ein großes rundes siegel, in welchem ein gekrönter

vorwärts schreitender, nicht aufgerichteter Löwe von der linken Seite zu sehen ist. Der Schwanz ist nicht getheilt. Von der Umschrift erkennt mann:  Sigillvm Alberti Comitis....... 

 

XXX.

 

Albert Gr. v. Everstein entsagt zum Besten des Klosters Lippoldsberg seinen Rechten auf die Zehnten in Stutenrothe, Berneressen und Immensen und ein Gut in letzterem Orte, welche Conrad v. Hermenrothe Ritter, sein Lehnmann dem Kloster übertragen.  1207.

 

In nomine sancte et indiuidue trinitatis. Albertus dei gratia comes de euerstenen. Vniuersis in Christo fidelibus in perpetuum. Ex officio nominis nostri restringimus in quantum possumus ecclesiarum utilitatibus prouidere. Notum sit ergo tam presentibus quam futiris quod ad utilitatem et promotionem ecclesie sancti. Georgii in Lippoldesberge iuri nostro in tribus decimis que sita sunt in Stutenrothe et berneressen et Immensen cum quodampredio quod tres mansos continet. quas Conradus miles de hermenrothe de manu nostra tenuit in benefico intuitu dei et sancti Gerorgii renunciauimus. quas pretaxatus miles C. pro remedio anime sue sancto Georgio in lippoldsberge ex nostra contulit permissione. Ne ergo tam solempne factum. obliuio deleat. aut malignantis ingenium per calumpnias que in posterum emergere possent enormiter et maliciose ualeat infringere. factum tale et facti memoriam. presentemque paginam sigillo nostro corroborauimus. testes autem rei sunt Magister bruno de uriteslare. bruno capellanus. Goswinus sacerdos. helmicus de mesce. Waltherus. hermannus de nouali et bernhardus frater suus. Conradus de amelungesen. Conradus de thenkershusen. hermannus reboch. heinricus Kanne. Agetur autem pro eo in predicta ecclesia memoria nostra et parentum nostrorum. hoc modo et ordine ut in anniuersario nostro et uxoris nostre. quevis dominarum album in karitate percipiat panem. Acta sunt hec anno dominice incarnationis.  M CC VII.


Nach den Originale

An welchem ein großes rundes Siegel hängt. In selbigem ist ein gekrönter, vorwärts schreitender, nicht aufgerichteter Löwe, mit einem  ungetheilten Schwanze, von der  linken Seite und die  Umschrift:  † Sigillvm Alberti Comitis De Everstein zu sehen.

 

XXXI.

 

Sigfried Erzb. V. Maynz überträgt dem Kloster Poehlde einen Zehnten in Rodelveshusen, welchen Bertold v. Geismar Ritter, ein Maynzischer Ministerial demselben verkaufte, auch seinem Lehnherrn Albert Grafen v. Everstein, dieser aber durch Dieterich Vice Dominim in Rusteberg dem Erzbischof als Lehnherrn aufgelassen hatte.  Aschaffenburg 1209 Juni 3. oder 4.

 

Abgedr. bei Scheid in Mant. doe. p. 407 vom 3. Juni; bei Böhmer in elect. jur. civ. III p. 112 vom 4. Juni. s. XLIV. 

 

XXXII.

 

 

Sigfried Erzbischof v. Maynz überträgt dem Kloster Bursfelde auf Verlangen der Maynzischen Ministerialen Crasto von Crage auch dessen Bruders Gerwin und dessen oheims Conrad v. Crage, die ihm aufgelaßene Villa Crustorf.

 

Testes — Comes lampertus de Geliche adolfus comes de dasle Albertus comes de Euerstein. hermannus de Vslere. Walterus aduocatus de gandershem.Tydericus vicedominus de rusteberg hermannus de rode Johannes de geuere. hugo de Wilrode burchardus de badungen herbordus frater eiusdem Tydericus de Vdea. Acta ― M° CC° nono Indict. XII datum rusteberg X Kl. Octobris. 1209 Sept. 22.  

 

Diese Urkunde ist aus einem, in einem Bursfeldischen Urkunden-Buche befindlichen, von Albert, Official in  Nörthen und Hermann Abt. v. Reinhausen in Goettingen 1317 gemachten Transumpt genommen.

 

XXXIII.

 

Conrad Graf v. Everstein überträgt dem Kloster Amelungsborn einen Wald Sunder genannt, mit de an selbigem gränzenden Besizung Helle, *) auf einer Höhe bei dem Hofe Holenberg für 20 Mark und ein Fuder (plaustratum) Wein.

 

 *) s. Urk. v. 1254 nr. C.

 

Testes — Albertus Abbas de Hirswindehere? (Hirswithehusen) Adolfus manachus suus. Godescalcus de Plesse ministeriales Henricus dapifer et frater suus. Florentius. Bernhardus de Stocheim. Henricus Bole. Lodevicus Muge. Henricus de Tunder. Lambertus aduocatus. Johannes claniger. Praeseute etiam Dno Godescalco eiusdem loci abbate et Henrico cellerario et Eilhardo monacho. Ao. Inc. Dni MCCXVII discordantibus in Imperio Ottone et Friderico. 1217.

 

Aus einer abgekürzten  Abschrift a. e. Amelungsbornschen Urk. Buche.

s. a. Falcke in trad. Corb. p. 899 u. Harenberg in hist. eccl. Gandersh. p. 1699

 

In des Lezteren Hoyaischen Regenten- Gesch. (Hanschr.) Berl. 68 ist ein Auszug aus dieser Urkunde geliefert und in diesem erwähnt, daß des Grafen Conrad Mutter und Brüder eingewilligt.

 

XXXIV.

 

Conrad Graf v. Everstein bestätigt dem Kloster Lippoldsberge den Besiz, der von seinem verstorbenen Vater demselben verkauften Güter, nämlich der Zehnten in Imeßen, Bernersen und Studenrothe 1217.

 

In nomine domini. Conradus dei gratia Comes de euerstein. omnibus hanc paginam inspecturis in domino. Statuta maiorum quandoque destruit maliuolentia minorum si non auctoritas scripti aut  testium eis prebeat firmamentum. Inde est quod uniuersitatj uestre notum facimus quod cum pater noster decimam in immessen et bernersen et studenrothe. et allodium in immessen ecclesie in lippoldesberge uendidisset. quia id sineconsensu nostro et fratrum nostrorum factum fuerat. post obitum patris nostri ca repetere cepimus. Sed mediante matre nostra et amicis ecclesie et nostris in hoc conuenimus. ut ecclesia nobis trs marcas argenti daret. et prdictas decimas cum allodio. sicut a patre nostro acceperat perpetuo quiete possideat. ut autem hoc factum nostrum ratum et inconuulsum permaneat. hanc paginam sigillo matris nostre. et nostro roborari fecimus huius rei testes sunt Petrus et Bertramus sacerdotes. Willehelmus et Egelbrandus  scolares. milites. Heinricus dapifer. Heinricus de Hukeshol.Florentinus. Ludewicus mugge. Heinricus de Richenbahc et alii plures. Acta sunt hec. anno dominice incarnationis. M° CC° septimo decimo. indictone sexta. Pontificatus uero domini Sifridi. Moguntini. anno septimo decimo.

 

Nach dem Originale.

An selbigen hängen an leinenen Schnüren zwei Siegel. Das erste ist groß und rund und ein Reuter-Siegel. Auf einem Pferde ist ein Reuter  von der rechten Seite zu sehen; er hält in der rechten Hand ein aufwärts gekehrtes Schwerdt; vor der Brust führt er einen Schild, welcher anscheinend einen halben Adler zeigt. Umschrift: † SIGILLVM COMITIS CVNRADI DE EVERSTEIN. Von dem zweiten Siegel ist nur ein Fragment vorhanden. Es ist parabolischund zeigt ein stehendes Frauenzimmer, an deßen rechter Seite ein aufgerichteter Löwe von der rechten Seite zu sehen ist. Von der Umschrift ist nichts zu erkennen.

 

XXXV.

 

C. und O. (Conrad u. Otto) Brüder Grafen v. Everstein bestimmen über eine  area in Schervede in ihrer Grafschaft. Ohne Jahreszahl. Hehört vielleicht zu 1219.

 

In nomine domini amen. C. et. O. fratres comites de Euersten Notum esse cupimus quod Olricus cognomento pardan aream unam sitam in media villae Scerue cuius ius ob cometiam nos contingebat. que ad ipsun hereditario iure a patre suo Bernhardo deuenerat. in manus nostra deposuit. nos quoque pietatis intuitu eandem aream cum iure siluali quod uulgo adtvort (achtwort ?) uocatur. porreximus uxori sue Gode ac filio Lohanni nec nou et filabus Alburgi Alheithi Gerthrude Gode. Cum enim prefatus Olricus XII marcas patri suo Bernhardo contulisset. uti uolumtarie relinqueret aream. congruum non esset ut alienari permitteremus a suis posteris. Confirmamus ergo donationem presenti scripto sigillisque nostris. annotantes testes. Quorum nomina sunt hec. Thomas. Berthrammus. Godefridus de louene. Conradus niger Bernhardus et alii quam plures.

 

Aus einer nach dem Original gemachten Abschrift.

An der Urkunde sind zwei Siegel gewesen: 1) ein herzförmiges des Grafen Otto v. Everstein und 2) ein rundes, in welchem ein gekrönter vorschreitender, nicht aufgerichteter Löwe, mit einfachem, über dem Rücken erhobenen Schwanze, nebst der Umschrift: S........Onradi Comi...s De Evers.e.. zu sehen gewesen.

 

 

XXXVI.

 

Albert II. Graf v. Everstein bestätigt auf Nachsuchen des e. v. Paderborne dem Kloster Amelungsborn den Besiz von Gütern in Lütteken – A. Ohne Jahreszahl; wahrscheinlich aus dem Anfange des 13ten Jahrhunderts.*)

 

 *) In einer ungedruckten Urkunde Bodo des Jüngeren, und Bodo des Aelteren v. Homburg

   von 1220 über den Verkauf ihrer Güter in Reinlevßen und die Verpfändung eines Zinses

   in Adoldesheim an das Kloster Amelungsborn erscheint Conrad v. Paderborn, ein

   Mönch in Amelungsborn als Zeuge, daher diese Urkunde in diese Zeit gesetzt ist.

 

I. n. s. i. t. Cum de multa beneficentia principum et nobilium dilatatae sint possessiones Ecclesiarum et adhuc domibus peaebeant subsida ubi se artius diunis obsequiis mancipauerunt. Proinde est quod ego A. Comes de Euerstein secundus huius nominis uenire in notitam tam futurorum quam praesentium uolo quod petitione fratris C. de Padeborne quaedam bona in Lutteken A omni iure debiti mei conniuentia uxoris et haeredum meorum emancipaui quatenus fratres nostri de Amelungsborne eadem bona quita possessione quae sub testimonio ciuium quos uulgo uocant Heghere quatuor marcis et dimidia comparauerunt ad seruiendum fratribus singulis annis cum piscibus.

Aus einem Amelungsbornschen Urkunde-Buche.

 

XXXVII.

 

Adelbert II. Graf v. Everstein, bestätigt dem Kloster Amelungsborn den Erwerb von Hegergütern bei Negenborn um eine Walk- und Fruchtmühle zu erbauen. Ohne Jahreszahl. Gehört wahrscheinlich in den Anfang des 13ten Jahrhunderts.

 

Adelbertus huius nominus secundus Die permissione dictus Comes de Euerstein. tam futuris quam presentibus. quia varios successus temporum varii subsequuntur eventus rerum et non pauca rationabiliter actitata aut ignorantia aut oblivioneirritantur. Scire uolo quosque fideles quod fratres nostri de Amelungsborne redimentes quosdam terminos adiacentes uillae Nigenborne iure hegherorum a quibusdam incolis Lamberto uidelicet et filiis suis ad aedificationem quam vulgo dicunt Walkemolent et moöendinum frumentarium proprii usus infra alueos decurrentis fluuii donationem proprietatis a patre meo obtinuerunt. Processu uero temporis angustias loci non commode ferentes a prefatis incolis ampliato pretio (predio?) hinc et inde ex utraqua parte euriae ad meridiem usque ad cliuum montis ad aquilonem ad spatium quinque iugerum terminos priores ampliauerunt quod non minus deuotione quam dilectione fratrum me annuente factum est. Ablata igitur omni occassione exactionis et ut ratum et inconuulsum maneat in monimentum et munimentum ueritatis presentem paginam sigilli nostri impressione roborauimus.

Aus einem Amelungsbornschen Urkenden-Buche.

 

s. a. Urk. von 1243 nr. LXIX. u. v. 1278 nr. CLXXVIII.

 

XXXVIII.

 

Heinr. Abt. v. Helmarshausen sichert für die Zukunft seiner Kirche einen zehnten in Northe, welcher von den grafen von Everstein zu Lehn ging. 1221.

 

In n. d. amen. Heinricus die gratia helmwardensium abbas omnibus — Nouerint — omnes ecclesie nostre filii qualiter decimam in northe que a prebenda fratrum elongata fucrat sub tuicionem ecclesie nostre — hoc modo recuperauimus. Bernhardus miles de Northe qui hanc in beneficio tenebat *) Conrado et Ottone comitibus  de  Euersten eam  impignorauit. Qui cum redemptionem ipsius habere non

 

 *) In keiner der Abschriften steht ein a, obgleich zu vermuthen ist, daß Bernhard v. Northe

   diesen Zehnten von dem Grafen v. Everstein zu Lehn trug.

 

possit. de consensu ipsius B. hanc ecclesie redimendam obtulerunt. Verum cum inter nos summam redemptionis eius habere non possemus. ut tamen possessores eius efficeremus ut saltim aliquando per die gratiam in prebendam fratrum sic libere rediret. placuit ut uiris honestis redimendam relinqueremus. heinricus igitur de Wilmeressen ministeriales ecclesie medietatem eius possessurus. XXti IIIIor marcas exsoluit. Erenboldus. Johannes. Willebrandus XXti IIIIor marcas soluerunt et sic Bernhardus miles cum uniuersis heredibus suis hanc in possessioneum iuris ecclesie resignauerunt et redemptores usque ecclesia redemptionis precium habere posset omnes prouentus ipsiusequaliter parcientur. Quod si uoluerunt receptores fructuum eius per concambium apud Lainam tantundem granorum recipere quia propter uicinitatem forte ipsis magis competit in ipsorum erit arbitrio. Item si ab eredibus domini B. aliquas molestias  …tinuerint pro his ecclesia respondebit. Et quia hec de consensu capituli nostri acta sunt presentem paginam conscribi et sigilli nostri impressione muniri iussimus cum testibus qui sunt Bertoldus decanus Johannes prepositus. Conradus camerarius cum omni capitulo. Thederus miles et alii multi. Actum incarnati uerbi anno Millesimo CC XXI° Indietione decima Ordinationis domini heinrico anno quarto. amen.

 

Nach zwei vom Originale gemachten Abschriften.

 

XXXIX.

 

Sigfried, Erzb. v. Maynz überträgt dem Kloster Hilwartshausen die Zehnten in Oderikeshusen und Martekeshusen, welche des Grafen Conrad v. Everstein Lehnmänner, Heinrich Dapifer v. Everstein, Helmwich v. Reinoldeshausen und Helmwich dessen Sohn, auch Johann des älteren Helmwichs Neffe demselben und dieser dem Erzbischof als Lehnsherrn aufgelassen hatte.

1222 oder 1223

 

Abgedruckt bei Scheid in Mantis. Doc. p. 402 von 1222; bei  Leyser in hist. Com. Eberst. p. 54  und bei Böhmer in elect. iur. civ.  III. p. 113.  von 1223.

 

XXXIX. a.

 

Conrad Graf v. Everstein entsagt mit Einwilligung seiner Brüder gegen Conrad Bischof v. Hildesheim und dessen Kirche, Rechte auf Isengard, die Frau Godefrieds Wustorp und ihrer Kinder. 1224. Nov. 4.

 

In Hofman’s antiq. Hildes. (Ms.) steht wörtlich: 1224 prid. Non. Nov. in caminata praepositi de Sulta Conradus Dei gratia Henricus et Otto comites de Everstein consensu fratrum suorum ins suum. quod habebant in Isemgardim uxorem Gottefridi Wustorp et filios eius Conrado episcopo et ecclesiae Hildesiensi cesserunt. Conradus Comes quoque insuper in manus Hugonis de Insula et Alexandri aduocati promisit fratrem suum praepositum ottonem et assentsum reliquorum suorum fratrum super hoc facte et Conradi et Ysengardi eiusque filiis datum iri.

 

XL.

 

Conrad Graf v. Everstein bestätigt mit Einwilligung seiner Brüder Otto und Heinrich eine von seinen Vorältern vor 60 Jahren dem Kloster Gerden gemachte Schenkung von Gütern in Pickelsheim.

1225 Juni 19.

 

In nomine S. e. I. T.  Quoniam diminutae sunt veritates a filiis hominum et eadem cupient facientque sequaces. Ideo necessarium quam maxime est ut quaecunque transitorie peraguntur, astipu Iationem veritatis ad posterorum credulitatem tanto solindius roborentur, quanto vergentes vestutatem altestantur etiam ipsi decursus labiles annorum qui raro preteritorum utiliumrecordantes more fluentis aque sine signi alicujus vestigio delabuntur. Inde est quod ego Conradus Comes cum consensn fratrum meorum scilicet Ottonis et Heinrici donationem quae rationabiliter in bonis Pickelsen ad retro acta tempora scilicet sexaginta annos ecclesie Gerdensis a patribus nostris pie collata eat ut orationum fratrum et sororum ibidem Deo servientium participes essemus sigilli nostri attestatione roboramus. Ne quis successorum nostrorum infringere posset si attentaret testium nomina annotantur que sunt hec. Eckehardus ejusdem loci prepo..tus Gerhardus prior Conradus sacerdos Gerhardus sacerdos de Volscessen conversorum vero fratrum nomina Godescale senex Sifrid. Hartwicus. Regenbodo Reinboldus Conradus Godescalcus junior Fridericus. militum nomina Dominus Hermannus Biercule Antonius de Allenhusen Henricus Pancoken Johannes Iudeus Norde nier?  Gripe Udo de Wethen. servorum Helias. Everhardus. Bertramus de Lovene Hermannus Joachim de Rinbeke. Acta sunt hec anno Gratic Millesimo Ducentesimo Vicesimo quinto indictione XIII Datum in Engelenbr. (Cugelenberg?)  XIII. Kal. Julii.

Nach einem gerdenschen Urkundenbuche.

 

Das anhängende dreieckige, in weißes Wachs gedruckte Siegel soll einen gekrönten, aufgerichteten Löwen gezeigt haben mit der Umschrift: Sigillum ..... senioris de Eversten

 

XLI.

 

Otto, Graf v. Everstein bestätigt die von seinem Vater Albert (1206) gemachten Bestimmungen, wegen einiger vom Kloster Hardehusen in seiner Grafschaft erworbenen Güter.  1225.

 

In nomine sancte et indiuidue trinitatis. O comes de euersten vniuersis hanc paginam inspecturis quicquid melius. Notum esse uolumus presentibus et futuris quod tempore puericie mee et fratrum meorum pater noster comes Albertus cu..  monasterio de hersuithehusen ordinacionem quandam fecit super bonis que idem monasterium a liberis in cometia sua constitutis tempore suo uel patris sui conquisiuit. quam et uoluit a posteris suis ratam haberi. maxime duabus de causis. primo quia cum pax procul esset a finibus nostris. ipse quoque pacem monasterii grauiter turbauerat. secundo quiasibi et matri nostre et omnibus nobis. communionem orationum desiderabat. Postniodum cum longe essem a patria. fratres   

 

Mei Conradus et heinricus comites instigati quorundam familiarium nostrorum ..ggestione. quicquid a patre nostro iam pridem monasterio fuerat ordinatum. adeo grauiter ab eis concussum est. ut de bonis monasterii quidam uiolenter diripeperent. Super quo cum abbas et conuentus eiusdem loci. michi et fratribus meis sepius supplicarent. tandem mediantibus bonestis uiris. Conuenimus in hunc modum.Monatserium XXIIII marcas denariorum nobis mutuo dedit. ita ut in curte nostra Wormlo XXVII marcas denariorum in prouento annone reciperet. tres que super XXIIII excrescunt. pro restauro damni quod sibi a fratribus meis constabat illatum Preterea quia predicta bona a patre nostro iam pridem monasterio regio ban….Confirmata sunt. Nos iterato eadem rogati per sententiam monasterio con……….. et ad maiorem cautelam fecimus tradi per manus uxoris mei Ermengardis et filii mei Alberti et nomina….  hic ipsa bona subternotauimus. Distinguentes que a scabinis conquisita sunt .. ab aliis qui liberi dicuntur. De Scabinis hec. De Conrado et filio suo Siboldo III  mansos et dimidium. De Bertoldo fratre supradicti conradi et filiis  suis conuersis ibidem III mansos et IIII jugera. De Regenhardo II mansos et dimidium. De bernhardo wigker II mansos et IIII jugera. De Bertrammo II mansos et dimidium. De ernesto et tiderico de ermwardessen I mansum. Summa XIIII mansi et dimidius. De aliis qui liberi dicuntur ista. De reinboldo. Olrico. hermanno et andrea filio Reinboldi II mansos et X jugera. De Brunone hermanno. Meinolfo. heriberto XLV iugera. De tribus fratribus Ludolfo Eskelino Tiderico II mansos et XIX iugera De Sigebodone IIII mansos. De Dodone et filiis suis XL iugera. De thetmaro et fratre suo Tiderico et filiis thetmari XL iugera. De lutberto et filiis Rucen I mansum de uidua hildegardi VI iugera. Et autem summa XV mansi et X iugera Hec sunt que monasterium cometia nostra tempore aui nostri patrisque nostriet nostro secundum prescriptum modum conquisiuit que sicut a patre nostro. ita et a nobis regio banno per sententiam confirmata sunt. Si autem contigerit ut duos mansos qui adhuc residui sunt in Scerue monasterium conquirat ratum habemus. ita tamen ut venditores eorundem nostrum fauorem et permissionem obtineant. Fideiussores autem dedimus. Ludolfum de Osdagessen. Johannem qui dicitur iudeus. Antonium de alnhusen et Dominum hermannum cognomento speculum quod in receptione pecunie. quam in curte  nostra Wormlo ut dictum est monasterio colligendam assignauimus nullum dispendium sustineat. Adiecimus ad hec quod si quid contradictonis a fratribus nostris uel a domino moguntino archiepiscopo. seu a quovis alio super predictis bonis monasterio emerserit. nos integre sopituros. Hec describi fecimus sigilloque nostro roborauimus adhibentes testes quorum nomina sunt. De Scabinis Bernhardus et suus fratruelis. Hermannus Bercule. Heinricus et suus frater. Godefridus de Pikelessen. Hescelus de lutwardessen. Tidericus de Wormlo. Bertrammus de Scerue. Alii uero non Scabini hii. Conradus plebanus de Wethen. Tidericus noster dapifer Quatuor prenominati fideiussores. Geroldus de Helmere. Vdo de weplethe. Tidericus salentin Arnoldus cognomento Gutthere et alii quam plures. Acta sunt hec anno ab incarnatione domini M° CC° XXV° Indictione XIII Regni monarchiam tenente imperatore Fretherico Protestamur autem monasterium a nobis et posteris nostris liberum neo aliquo modo abligatum.

Aus einer nach dem Originale gemachten Abschrift.

 

An der Urkunde hängt ein großes herzförmiges Siegel, welches einen aufgerichteten, gekrönten Löwen von der linken Seite, nebst der Umschrift: †Sigillvm Comitis Ottonis de Eversten zeigt.

 

XLII.

 

Conrad Graf v. Everstein bestätigt nebst seinen Brüdern Ludwig, Hermann, Albert und Otto dem Kloster Gerden eine früher von den Vorältern gemachte Schenkung von Gütern in Pickelsheim.

1226. Dec. 8.

 

Bei Kindlinger in d. Münster. Beitr. III Urk. B. S. 163 ist die Urkunde nicht ganz vollständig abgedruckt. Nach einem gerdenschen Urkunden-Buche muß jener Abdruck in folgender Maaße vervbessert werden:

 

In nomine — qualiter ego Conradus — et roboratione priuilegii fratris nostri Ottonis — ecclesie Gerdensi — impetebant qui tandem couecti — judiciaria si quid — Wichart Lutgard Frowere — Nolbruch — Richard Lutgard — conuersorum nomina Godescalcus — Regebodo Hartwicus — Menne.

 

XLIII.

 

H. Graf v. Woldenberch macht den Hildesheimischen Kirchen-Ministerialen bekannt, daß seine Verwendung für seine Schwäger ? (sororii) bei dem Bischofe v. Hildesheim vergeblich gewesen und daß dieser seinen Schwiegervater den Grafen von Everstein gewaltthäthig behandel habe. 1227.

Abgedruckt in den Orig. guel. III. 688.

 

XLIV.

 

Conrad Bischof v. Hildesheim bekundet eine zwischenden Grafen v. Everstein und den Verwandten des ermordeten Bodo von Homburg durch ihn gemachte Sühne. 1227 ?

Abgedruckt bei Leyser in histor. Comit Eberst. p. 52.

 

XLIV.

 

Conrad Graf v. Everstein und seine Brüder Otto, Ludewig und Hermann bestätigen auf Bitte des Probstes Herwich in Pöhlde, was ihr Vater Graf Albert über den Zehnten in Rodelveßhusen *) verfügte, und versprechen daß keiner ihrer Söhne daran Anspruch machen solle. 1230.

 

 *) s. 1209.

 

Abgedruckt bei Scheid in cod. dipl. p. 596 und bei Böhmer in elect. jur. eiv. III. p. 117.

 

XLV.

 

Burchard Graf v. Schartfelt entsagt seinen Rechten auf den Zehnten in Rodelveßhusen, welchen er von seinem Schwiegervater (socero) dem Grafen v. Everstein und dessen Brüdern hatte. 1230 ?

Bei Scheid I. e. not. *)

 

XLVI.

 

Sifried Erzb. v. Maynz überträgt seinen getreuen Grafen von Everstein *) (so ist der Namen gedruckt) ein ihm durch den Tod Heidenreichs, Grafen v. Lutterberch eröffnetes Lehn. 1230.

 

 *) Nach einer Bemerkung Conrad und dessen Brüder.

Abgedruckt bei de Gudenus in cod. dipl. I. 505

 

XLVII.

 

Conrad Gr. V. Everstein und seine Brüder Otto, Hermann und Ludewig befreien gewiße vom Kloster Gerden angekaufte Güter in Heckeldeßen. 1230.

 

I. n. S. e. I. T. amen. Utile — Notum ergo sit universis — quod ego Conradus de Everstein et fratres mei Otto videlicet Hermannus et Lodewicus — super quibusdam afgris. quos frater Provisor curie Heckeldessen per aliquos annos excoluit. quia annexi erant agris curie annuatim inde pensionem debitam persoluendo quos postmodum Ecclesia Gerdensis pro octo marcis argenti a quodam Theodorio de Wurmlho libbero homine suis legitimis heredibus in co consentientibus comparauit, predicte ecclesie contulimus libertatem. — testes sunt Gerhardus prior Eckehardus Plebanus Siffridus Hartwigus Wernherus Godescalcus Regenbodo Heinricus de Scherve Heinricus CammerariusHeinricus de Alodio fratres conuersi Reinfridus judex in Wartberch Tidericus Snavethel Udo de Wethen Heinricus de Wartberch milites Heinricus de Aldendorpessen Godefridus de Louenhe Hermannus Bulemaste * laici et alii quam plues Acta sunt hec in judico Wartberch anno domin. incarn. M° CC°XXX regnannte Romanorum Imperatore Frederico et filio ejus Rege Heinrico Paderburnensis Episcopo Domino Bernhardo quarto.

 

 *) Ein anderes Urk. Buch lieset Kornkaste statt Bulemaste.

Aus einem Gerdenschen Urkunden-Buche

 

XLVIII.

 

Im Stifte zu Hameln wird über die Zahl der Präbenden und über den Kirchen-Dienst verfügt.

1231 März 1.

Frater Ernestus ordinis predicatorum visitator Mind. Doc. a Domino Ottone legato datus et frater Johannes prior provincialis vicem gerens Abbate de Bredelare collega suo legitime excusato vniversis — Cum in ecclesia Hamelensi visitaconis officio fungeremur inter cetera que ibidem statuimus — ordinauimus quod siusdem ecclesie Canonici iurauerunt — certum numerum canonicorum — obseruare videlicet ut sint decem canonici in maioribus prebendis et quatuor puerilibus deseruintes et quod nullum de cetero ad non vacans stipendium eligent nec duos aut plures ad vnum vacaus et quod nullus emancipabitur nisi in sacrosanctis Evangeliis iuret idem. Insuper statuimus quod ministri singulis diebus debent secundum exigentiam temporis preparari et ire in processione omnibus diebus dominicis et in Quadragesimo quartis feriis et omnibus sextis feriis preparati et sacerdotes dicent confitcor ante quodlibet altare vbi voluerint celebrare. Et quia creuit populus sacerdotum numerum ampliauimus ita vt in tam dicta ecclesia de cetero quinque deservient sacerdotes vt efficacius — lucris intendere valeant animarum. Item singulis sextis feriis super ossale cantabitur a conuentu missa defunetorum quam Dns Johannes Custos de  tribus mansis in Afferde pie instituit que missa si in sexta feria festum occurrerit anticipabitur et Conuentos ante altare ministros preparatos inveniet et relinquet. Admiserunt eciam — sacerdotes quod ipsi qui missas celebrant ante crucem dimidiam partem sacrificii percipient et insuper panes oblationum aliam dimidiam partem eiusdem sacrificii ministri prioris ebdomade inter se equaliter parcientur. Contradictores — excommunicauimus auctoritate Dni Cardinalis — Acta sunt hec in armario hamelensi Anno — M° CC°  XXXI  Indictione IIII Kalend. Martii.

Aus einer Hemelnschen Urkunden-Buche.

 

XLIX.

 

Conrad, Otto, Hermann und Ludewig Grafen von Everstein bestätigen eine von ihrem Oheim Conrad mit Einwilligung ihres Vaters Albert dem Kloster Wilbodeßen geschehene Uebertragung von Gütern in Guntersen und Albachteßen, auch den Besiz einer Hufe in Overthe. 1233.

 

In nomine sancte et indiuide trinitatis. Amen. Ea que geruntur in tempore ne labantur cum tempore poni solent in lingua testium et scripti memoria perhennare. Hinc est quod nos fratres de Euerstene Comites pia opera patris nostri. Alberti et patrui nostri Conradi, que eirca Ecclesiam Wilbodessen ab eis …ta sunt collaudantes et per omnia rata ..bere volentes tam futuris quam presentibus Christi fidelibus presentis scripti at…tatione innotescere cupimus, quod predictus patruus noster Dominus Conradus cum filiam suam neptem nostram Clementiam nomine in supradictam Ecclesiam Wilbodessen sub regulari districtione Domino seruituram offerret intuitu supernae retributionis et amore filiae libera bona in Guntersen et Albachtessen quorundam hominum libere conditionis Geroldi uidelicet Conradi et Brunonis fratrum Hartmodi Helmici et Alberti fratrum et Heynrici de consensu fratris sui Domini Alberti Comitis patris nostri nec non et legitomorum heredum suorum sepedicte Ecclesie sine omi conditione perpetuo tradidit possidenda et hoc predictorum hominum per omnia consensu accedente, quod etiam postea regali banno stabilutium est a Hermanno Berculen indiciali sede uice Comitis presidente presentibus Theodorico Saladio Godefrido de Pickelsen Gerbodone Gograuio et aliis quam pluribus. Cum igitur eadem Ecclesia suis bonis per multorum annorum circulum sine omni impedimenti molestia potita fuisset, patre nostro iam per mortis conditionem de medei facto mansum unum in Ouerthe quem Hermannus homo libere conditionis quod in vulgari Scepenbere vocatur et frater suus Hetenricus et sui heredes iure lebertatis de manu nostra tenuerunt sex marcis comparauit predicte ecclesie. Sed quia Warandiam plenariam ut haberent istius mansus Dominus Herricus tunc Prepositus nobis efficaciter in stabat nos pro remido peccminum nostrorum et parentum mansum in Duerthe cum consensu fratrum nostrorum cum bonis in Guntersen et Albachtessen eidem Ecclesie tradimus perpetuo possidendum. Et ut hoc factum nostrum memorie presentium et futurorum arctius imprimeretur VIItem marcas a sepedicta recepimus Ecclesia cum libertatem dictorum hominum ei dimisimus. ne igitur hoc factum ab aliquo successorum nostrorum possit infringi presens scriptum sigillo nostro signauimus. Testes huius facti nostri  sunt hii. Henricus Dapifer. Hermannus de Weten. Hioldebrandus et Fridericus de Aldenberg Gerinbertus de Hersete. Acta sunt hec a nobis Anno dominice Incarnationis M° CC° tricesimo tercio.

 

Aus einem Urkunden-Buche des Klosters Wilbadeßen.In den in der Göttingischen Bibliothek befindlichen Notis ericticis zu den annal. Paderb. von Schaten P. IV. p. 1450 ist der obigen Urkunde erwähnt und deren Anfang in Folgendem Mitgetheilt:

 

Nos Fratres de Everstenen, Conradus et Otto Hermannus et Lothewicus Comites, pia opera patris nostri Alberti et patrui nostri Conradi quae ecclesiam Wilbodesssen  ab gesta sunt, collaudantes et per omnia rata habere volentes etc.

 

L.

 

Friedrich Graf v. Everstein Dom – Custos in Maynz wird als Probst des Stiftes in Hameln vom Abt und Kapitel in Fulda bestätigt. 1234 März 1.

Abgedruckt bei Würdtwein in subs. dipl. IX. 399.

 

LI.

 

Bernhard und sein Sohn Hermann v. Holthusen und Hermann v. Ithere übergeben das Patronat der Kirche in Cappel dem Kl. Arolsen gegen andere Güter.

Ohne Jahreszahl (1234?)

 

In nomine sancte et indiuidue trinitatis. bernardus hermannus filius suus. de holthusen et hermannus de Ithere. Nouerit presens etas. intelligat vniuersa posteritas. quod ecclesiam que vocatur Capelle per commutationem bonorum in hosterhusen et duodecim marcarum quas ecclesia Aroldensis habebat in tribus mansis sitis in Wettesingen. manu libera et vnanimi consensu cum omnibus suis attinentiis. in omni iure et patronatu quem hactenus iure possedimus hereditarie. eydem ecclesie in perpetuum assignauimus. que assignationis donatio ita equiualenter nobis placuit. ac si prepositus eiusdem loci ab heredibus holthusen successiue reciperet. Publice etiam protestamur. quod secundum lpbertatem nostri generis et commendabilem inris equitatem que adhuc in nostra floruit prosapia. dominus Comes de Waldecke. vel quicunque alius preest aduocatie ecclesie Aroldensis. in iam dicta ecclesia capelle. in dote. in hominibus. et omnibus attinentiis. et in curia remmenchusen. que etiam per nos ecclesie deriuata est Aroldensi. etiam si vellet. nec potest nec debet aliquam habere aduocatie vel exactionis potestatem. quod et ipse protestatur in sigillo et litterarum suarum priuilegio. Vt igitur hec omnia rata sint et roborestab ilitatis munita ne vel aliquis deceptionis scrupulis interueniat. vel etiam suctessorum subtilitas immittet. presentem paginam nostri facti confirmatiuam nostri sigilli impressione fecimus insigniri. huius rei testes sunt. Dominus heinricus Abbas prior et totus conuentus de flechtorp Dominus Willadus maior prepositus. Dominus Amelungus maior decanus. Dominus thetmarus scolasticus paderbornensis. Dominus Gumpertus prepositus frideslariensis. sacerdotes heinricus de scerue. Gerardus de Rothem. Lodewicus de capelle. Milites. Adolfus Comes de Waldecke. heinricus de itthere Olricus de Westhem. Castellani de cogellenberch. herboldos Dominus coruus. Antonius de allenhusen. Castellani de holthusen. Arnoldus judeus. Albertus de Holthusen. bertoldus de allen et alii plures.

 

Nach dem Originale im Arols. Archive. An diesem hängt ein in gelbes Wachs gedrucktes, dreieckiges Siegel, mit der Umschrift: † SIG . . LVM HE. .  ANNI. BIRKVLE.