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Paragraph 9

§ 9.

 

Orte im Gau Tilithi. Dolme. Reinlefsen. Polle. Brevörde.

 

Pegestorf. Grave. Ottenstein.

 

In diesem Bezirke, dem alten Gau Tilithi, waren die Grafen v. Everstein mit vielen Güternund Schlößern angeseßen. Wir wollen der, bei Beschreibung des Gaues gezogenen Linie vom Schloße Everstein ab folgen. Der Güter in Lütgenade und Golmbach ist schon S. 29 u. 34 gedacht. Bei Dolme besaß der Graf Otto VIII. eine Mühle, (s. Urk. v. 2. Juli 1308 CCXCV.) die Steinmühle genannt, vielleicht da, wo jetzt romantisch die Teufelsmühle an einem, aus einem Gestein über der Weser ausfließenden Bache liegt. Ob diese Mühle dieselbe ist, welche nach der Urkunde von 1206 (CXI.) die Mühle in Dolenstene genannt, von dem Grafen Ludwig dem III. nach Anordnung seiner verstorbenen Frau Adela dem Kloster Amelungsborn übertragen wurde, und von welches unter der Benennung der Mühle in Dulsten eine Urkunde des Domicelli Ludwig v. Everstein vom 9. April 1281 CLXXXIX redet, läßt sich nicht bestimmen. In Reinlefsen hatte Graf Ludwig 1268 (CL) einen Zehnten und Graf Otto VIII. 1308 (S. Urk. v. 2. Juli) einen Hof. Ein Amelungsbornscher Hof daselbst mußte dem Grafen Hermann VIII. (s. Urk. v. 4. Jan. 1413) Hunde halten, wie er anscheinend vom Dorfe Dienste und ander Pflichten zu fordern gehabt, indem er am 2. Juni 1408 CCCCLXIX die Freiheit des Klosterhofes anerkannte.

 

Polle am linken Weserufer, jetzt der siz eines Hannoversches Amtes, gehörte den Grafen v. Everstein. Von einem alten Schloße, welches Falcke 1738 zusammenfallen sah, sind noch die Ruinen zu sehen. Im dreißigjährigen Kriege wurde der Amthof ganz zerstört und alle Gebäude mit sämmtlichen Papieren sind aufgebrannt. Aus dieser Zeit schreiben sich wol die Spuren  von Verschanzungen und Mauern auf dem Heinberge, nicht weit vom Amthofe. Von Polle hören wir mit Gewißheit zuerst in einer Urkunde vom 19. März 1285. CCXIII. Damals überließ dort Graf Otto dem Kloster Loccum Güter in Gestorf.

 

Ueber das Alter der Burg haben wir keine Nachricht und wißen nicht ob sie schon  war, wie das Schloß Everstein noch im Besize der Grafen sich befand. Erst nachdem Everstein verkauft und in der Zeit wie auch das Schloß Holzminden in andern Händen war, s. S. 9. 23. wird Polle genannt a) und von dieser Zeit an wurden von Grafen v. Everstein hier mehrere Urkunden ausgestellt, nämlich von otto einem Bruder des Grafen Conrads 1286 CCXX, vom Grafen Otto, dem Marschall von Westphalen 1291 (CCXLV a) und am 6. Sept. 1292 CCXLIII., vom Grafen Otto am 30. Juni 1298 CCLXIV, 14. April 1299 CCLXV, vom Grafen Otto VIII. am 22. Juni 1305 CCLXXXII und am 2. Juli 1308 CCXCV auch vom Grafen Otto 1310 CCCI.

 

Einzelne Glieder der Eversteinschen Familie nannten sich von diesem Schlße theils mit dem Namen Everstein, theils ohne diesen. Graf Otto, wie er als Marschall von Westphalen am 7. Januar 1290 dem Erzbischof von Cöln einen Revers gab, nannte sich v. Everstein oder von Polle; am 26. März 1293 CCXLIX.  Gr. v. Everstein, Herr des Schloßes Polle und der Erzbischof von Cöln redet in der Urkunde vom 7. Dec. 1309 CCXCVIII von Otto genannt von Polle, Graf v. Everstein.

 

a) Nach Leyser p. 43 soll eine Urkunde von 1280 vorhanden sein, in welcher ein Graf v. Everstein und v. Polle genannt wird.

 

Hermann Graf v. Everstein fertigte am 20. Jan. 1305 CCCXLIII eine Urkunde mit dem einzigen Namen de Pollis aus, und der Cölnische Amtmann in Lugde, Graf Hermann heißt am 1. (nicht 13. s. U. B.) Aug. 1337 CCCLVIII Graf von Polle. Das Schloß in Polle blieb bei der Eversteinschen Familie, bis es in der Lippe-Eversteinschen Fehde am 8. Febr. 1407 von des Herzogs Heinr. Von Braunschweig Leuten erobert wurde a).

 

Graf Hermann besaß es noch,  wie er mit dem  Abte v. Corvey und Heinr. V. Homburg am 5.

Aug. 1394 einen Burgfrieden wegen des Schloßes Holzminden errichtete und in dem mit Paderborn am 7. Januar 1399 geschloßenen Erb-Vertrage wird es noch unter den Eversteinschen Schlößern genannt. In dem Vertrage vom 6. Apr. 1408, durch welchen alle Eversteinsche Besizungen an das Haus Braunschweig kamen, ist es nicht aufgezählet, vielleicht nicht, weil es damals in des Herzogs Händen war.

 

In Polle waren Burgmänner, wie in anderen Schlößern. In der Urkunde vom 2. Juli 1308 CCXCV werden uns, wenn Burchard v. Stenem, der Ritter nicht dazu gehöret,  Florecken von

 

a) s. Clostermeyer’s Beitr. z. geschichtl. u. natürl. Kenntniß d. F. Lippe S. 1 – 23. p. Chron. Vet. bei Meibom in R G. T. I. p. 548.  Nach Herm. Corner im Chr. Bei Eccard in corp. hist. II. 1188 Herz. Heinr. 1406 in der Nacht vor Ostern (Apr. 10.) Polle eingenommen.

 

Holthusen, Lambert v. Brach und Dietrich Keerto genannt. Noch jetzt sind zwei Rittersize daselbst, welche wahrscheinlich früher Burgmanns-Güter waren. In Polle, welches noch gegenwärtig ein mit einigen städtischen Rechten versehener Flecken ist, war am 5. Juni 1374 CCCXCVIII ein eigener Rath.

 

Ob die Spuren von Mauerwerk, welche vor mehreren Jahren auf einem Berge, Bomburg genannt, an dem Wege von Brevörde nach Ottenstei, nahe bei dem ersten Orte gefunden sind, oder die an der Polle-Forstschen Gränze liegende Gropenburg auf eine andere alte Eversteinsche Burg deuten, muß dahin gestellt bleiben. Von einem besonderen Gerichtsplaze bei Polle ist bis jetzt keine Nachricht gefunden.

 

In dem Amte Polle hatten die Grafen Besizungen in Brevörde an der Weser und in Pegestorf. In Brevörde, deßen ein Helmershauser Schenkungs-Register aus dem Anfange des zwölften Jahrhunderts unter dem namen Bredenvörde – breiet Furth ? -, wie ältere Urkunden nur diesen gebrauchen, schon erwähnt a),  besaßen sie außer anderen Gütern s. Urk. von 1266

 

a) s. bei Wenk i. d. H. L. G. II. U. B. p. 74. Die Helmershauser Villieatio Bredenvörde ist wol um so  mehr an der Weser zu suchen, da zu ihren Lieferungen auch Fische, namentlich Neunaugen gehörten.

 

CXL. einen Zehnten s. Urk. v. 1243 u. 1259. LXX. CXX. V. 8. Apr. Und 13. Dec. 1282  CXCVI. CXCIX. Graf Otto nannte am 12. Juni 1351 CCCLXXIII diese Ort sein Dorf.
 

Der Zehnten zwischen Grave und Brevörde, seßen die Urkunde von 1266  (CXL) gedenkt a), kann wol ein anderer sein. Wahrscheinlich hatte auch Graf Otto das Patronat der, vielleicht von einem seiner Vorfahren gestifteten, schon 1208 CCLIX mit einem Pfarrer versehenen Kirche in Brevörde b), indem er am 6. Sept. 1306 CCXCI dem Abte von Amelungsborn gestattete, auf dem  Kirchhofe einen Hofplaz mit einem Gebäude zu haben c). Bei dem zum

 

a) Bei den Worten der Urkunde: dccimam sitam in monte per viam lapideum de gravenusque bredenvorde scheint etwas zu fehlen. Durch den bemerkten Steinweg hat die Lage des Zehntens wahrscheinlich bezeichnet werden sollen. Dieser steinweg, also eine Kunststraße, deutet übrigens wol auf eine größere Straße, welche an die Weser geführet hat.

 

b) Gegenwärtig besizt das Fürstl. Haus Walbeck das Patronat über die vereinigten Kirchen in revörde und Polle mit dem Königl. Hause hannover. Es fehlt bisher jede Nachweisung,wie und ob vielleicht mit dem Schloße Ottenstein es an die Herren zu Pyrmont gekommen ist.

 

c) Es ist auffallend, daß auf Kichhöfen so häufig Ansiedlungen gestattet und sogar Benuzungen darauf angewiesen wurden. In der mitgetheilten Sammlung gibt die Urkunde von 1263 (CXXXIV) schon ein Beispiel, welchem hier ein anderes hinzugefügt werden kann. Heinrich von Dusterhusen der alte und Albrecht v. Brunhartzen (Brunhardeßen) verpfändeten am 21. März 1406 an Cord v. Roden und seine Frau Alheid den halben cerkhof to Dusterhusen, der Der auf der Twiste lag, um ihn zu Korn oder zu Gras zu nuzen. (Orig. Urk. im Arolser Archive)

 

Amte Polle gehörigen Dorfe Pegestorf an der Weser sonst Perdestorp genannt, verkaufte Graf Ludwig am 25. Jan. 1319 CCCXXVII sein Fischwehr in der weser an Ernst Hacke Ritter und andere, nebst einer area, Dochtwort genannte im Dorfe a).

 

Wir wenden uns jetzt zu dem benachbarten Herzogl. Braunschweigischen Amte Ottenstein, welches in einem Lehnbriefe von 1594 zur alten Grafschaft Everstein gerechnet wird b). Graf Hermann VIII nennt es auch unter seinen, in dem am 7. Jan. 1399 mit Paderborn geschloßenen Erbvertrage, und in dem mit den Herzögen Heinr. Und Bernhard am 5. Apr. 1408 gemachten Ceßlons-Vertrage angegebenen Schlößern. Ueber die ältere Geschichte von

 

a) Die verkaufte area scheint zu dem Fischwehr gehört zu haben. In der Benennung Dochtwort erkennt man in der lezten Silbe Wort einen erhöhten Plaz (Wurth).

 

b) s. Treuer’s Münchhaus. Geschl. Historie S. 296.

 

Ottenstein fehlen Nachrichten; ein Otto und vielleicht ein Otto Graf v. Everstein mag es erbaut haben.

 

Die Lenznersche Nachricht a), daß der Herzog Heinrich der Löwe es an einen Moritz Grafen v. Everstein zu Lehn gegeben, ist ungegründet. Der Name Moritz ist bei den sächsischen Grafen v. Everstein nicht, wohl aber in der Spiegelbergischen und auch Pyrmontischen Familie gehört worden. Die Behauptung, daß Heinrich Graf v. Pyrmont Ottenstein von des Grafen Moritz Sohne albert, verpfändet erhalten und es bis 1583 bei jener Familie geblieben b), ist eben wenig begründet. Wenn gleich nach einer Urkunde der Grafen heinrich und Moritz zu Pyrmont vom 14. Jan. 1448 CCCCLXXXVI das Schloß Ottenstein schon früher in dem Besize ihrer Familie war, so folgt nicht, daß sie diesen so früh, wie angegeben erhalten. Ein Graf Heinrich v. Pyrmont ist aus jener Zeit nicht bekannt c).

 

Ueber den Zehnten und andere Güter in dem benachbarten Grave, (s. a. S. 60) reden Urkunden vom 1. Mai 1254 C  und 16. Juli 1394 CCCCXXI.

 

a) s. Leyser p. 27. s. a. Felleri monum inedita. P. 359.  Retmeyer in d. B. L. Chron. I. 362 beruft sich auf eine aus dem Kloster Falckenhagen mitgetheilte Abschrift eines alten Lehnbriefes von

1185.

 

b) Hamelmann in op. Geneal. Hist. p. 379.

 

c) Grupen in Orig. Pyrm. p. 98. theilt aus v. Klettenberg’s Wald. Helden- und Regentensaat Ms. I.

651 eine Pyrmontische Stammtafel mit, in welcher ein Heinrich, welcher 1212 gestorben sein soll, angeführt wird. Allein diese ist, wie Grupen auch schon bemerkt, in der oberen Reihe nicht richtig. Margaretha von Naßau, Wittwe des Grafen Moritz von Pyrmont hatte ihre Leibzucht in Ottenstein. Sie entsagte derselben am 27. Dec. 1498 (ungedr.Orig. Urk.) gegen ihre Schwäger Moritz und Friedrich Grafen v. Spiegelberg.

 
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