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Verbrannt und beraubt

 

Vor 600 Jahren fiel Lippe der Eversteinschen Fehde zum Opfer

 

 

 

Der 25. Juli 1407 könnte ein heißer Sommertag gewesen sein. Nach dem Kalender der Heiligen war er dem Patron der Pilger, Jakobus dem Älteren, vorbehalten. Dieser Tag sollte nicht nur das Schicksal des damaligen Zisterzienserklosters Falkenhagen besiegeln, sondern er war auch der Auftakt zu einer über Wochen anhaltenden Zerstörungsorgie, von der vor allem die Südhälfte und der Westen der Edelherrschaft Lippe betroffen waren. Die noch im verarmten Kloster Falkenhagen ausharrenden Nonnen, darunter (die Äbtissin?) Elsebe Wylkens, dürften einen gewaltigen Schrecken bekommen haben, als sich das auf Krieg eingestellte Heer der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg aus Richtung Polle an der Weser ihrem Konvent näherte. Nur mit Mühe gelang es den Frauen, sich und ihre wenige Habe zu retten und nach Brenkhausen bei Höxter zum dortigen Zisterzienserinnenkloster zu fliehen. Ihr Kloster sahen sie nie wieder, denn es wurde von den Truppen der Herzöge so stark zerstört, dass es über 26 Jahre wüst und der Natur anheim viel.

 

Als nächstens erreichte das Kriegsvolk die noch von den Grafen von Schwalenberg gegründete „Stadt“ Rischenau und verwüstete diesen Ort ebenfalls. Danach zogen die Raubbrenner noch bis Horn und weiter in das Lippische und überfielen laut dem Schadensverzeichnis mindestens weitere 105 Städte, Dörfer und Einzelhöfe, um sie zu zerstören oder auszuplündern.

 

Obwohl angeblich nur wenige Angehörige der Zivilbevölkerung ihr Leben verloren, ging der angerichtete Schaden in Unermessliche. Wie konnte es zu dieser Fehde kommen, die sich lange im kollektiven Gedächtnis der Menschen hielt und die sich aus den Urkunden noch gut erschließen lässt?

 

Die im Hochmittelalter nicht unbedeutende Grafschaft Everstein umfasste das Gebiet zwischen Holzminden und Aerzen, beiderseits der Weser. Um 1400 drohte das Ende des Geschlechts der Grafen von Everstein im Mannesstamme. Somit stellte sich die Frage, wer den letzten und kinderlosen Grafen Hermann VII. von Everstein beerben könnte. Da es zwischen dem Hause Everstein und dem welfischen Hause Braunschweig-Lüneburg aber eine traditionelle Gegnerschaft gab, kam dieses als Erbe nicht in Frage. Somit suchte Graf Hermann die Nähe des Bischofs von Paderborn, mit dem er 1399 einen Erbverbrüderungsvertrag abschloss, wonach seine Grafschaft bei Kinderlosigkeit an das Bistum fallen sollte. Als Hermann und seiner Frau Ermengard bald darauf doch noch ein Sohn namens Otto geboren wurde, erlosch dieser Vertrag. Doch Otto starb um 1403, so dass sich die Erbfrage erneut stellte. Jetzt trat Graf Hermann an den lippischen Edelherrn Simon III. heran, mit dem er am 6. Juni 1403 einen Erbverbrüderungsvertrag abschloss. Damit eröffneten sich dem Haus zur Lippe bedeutende Perspektiven, nämlich den eigenen Machtbereich zu erweitern und zusätzlichen Einfluss im Konzert der damaligen Mächte zu gewinnen. Doch dieser vermeintlich großartige Handel rief nicht nur Neid und Missgunst hervor, sondern auch die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg auf den Plan. In der Gestalt der Brüder Heinrich und Bernhard machten beide ihren Anspruch auf die Grafschaft Everstein deutlich. Da ihnen aber ein Anlass fehlte, ihre Vorstellungen kriegerisch durchzusetzen, musste sie abwarten. Aber schon bald fand sich ein Vorwand. Der 1398 von Herzog Heinrich als Landfriedensbrecher beschuldigte Henning von Reden war von ihm aus seiner welfischen Heimat vertrieben worden. Unterkunft fand von Reden mithilfe von Simon III. und dessen Sohn Bernhard VI. als Burgmann im Schloss Varenholz. Diese Unterstützung seitens der Edelherren wurde von den Herzögen als Fehdegrund angesehen. Der Beginn der kriegerischen Aktivitäten sollte auch nicht lange auf sich warten lassen.

 

 

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Die Karte zeigt die Verteilung der überfallenen Orte in Lippe.
Quelle: Lippische Mitteilungen, 23. Band

 

 

Der Anlass entzündete sich erneut an den Ministerialen von Reden, die in einer Art Privatfehde die Herzöge in ihrem Hoheitsgebiet durch Plünderungen und sonstige Raubzüge herausforderten. Nach einem solchen Raubzug wurden die von Reden von Herzog Heinrich und seinen Truppen verfolgt und am 19. November 1404 nahe dem Dorfe Ohr (mitalt. Odere) bei Hameln gestellt. Doch der Herzog geriet an ein Aufgebot lippischer Ritter, die in den jetzt entbrennenden Kampf eingriffen und siegreich blieben.

 

Es gelang ihnen, Herzog Heinrich und 51 weitere Getreue gefangen zu nehmen, während ein anderer Teil seiner Truppen fliehen konnte. Der Herzog wurde nach mehreren Stationen auf der Falkenburg bei Berlebeck gebracht, wo er mit seinen Leuten bis zum 8. September 1405 gefangen gehalten wurde. Erst nachdem Heinrich 100.000 Gulden Lösegeld versprochen und alle gefangenen Urfehde (d. h. sie versprachen eidlich, nach ihrer Freilassungen von Rache abzusehen) geschworen hatten, kamen sie frei. Von dem geforderten Lösegeld überwiesen sie noch im Herbst 1405  5.000 Gulden in zwei Raten. Die Sache sah für die Edelherren also gut aus.

 

Doch schon am 15. Dezember 1405 wendete sich das Blatt, als der mit der Fehde befasste König Ruprecht auf Veranlassung der Herzöge über die Edelherren zur Lippe und den Grafen Hermann von Everstein die Reichsacht verhängte, die im Februar 1407 noch zur Oberacht erweitert wurde. In ihr wiederholte der König den Vorwurf des Landfriedensbruchs, den beide schon durch die Unterstützung der von Reden begangen hätten. Jetzt versuchten die Herzöge von der Urfehde loszukommen. König Ruprecht verbot sogar zu ihren Gunsten eine weiter Lösegeldzahlung, und am 27. Juni 1407 erlangte Herzog Heinrich von Papst Gregor VII. auch noch die Aufhebung seines geleisteten Eides. Damit war der Weg frei für die Rache. Bereits im Frühjahr und im Frühsommer 1407 hatte Herzog Heinrich verschiedene Bündnisse mit anderen Herren geschlossen, und zwar so geschickt, dass die Edelherrschaft Lippe von Feinden komplett umzingelt war.

 

Die Kämpfe begannen wohl am 27. April 1407 mit der Belagerung und Einnahme der Burg Polle. Unklar ist, ob die verbündeten Truppen schon jetzt in die lippische Lande zogen oder erst ab dem 25. Juli als sie in Falkenhagen auftauchten. Sicher ist aber, dass Lippe von allen Seiten aus angegriffen und verheert wurde. An den Plünderungen beteiligten sich der Bischof von Paderborn sowie alle Lippe benachbarten Herrschaften. Besonders hart traf es Horn, Detmold und Blomberg. In Blomberg hatte sich Bernhard VI. in seine Burg geflüchtet. Lage wurde von paderbornschen Truppen erobert und die Falkenburg erfolglos belagert.

 

 

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Die Truppen raubten Vieh aller Art in großen Mengen.
Quelle: Codex Manesse („v. Buwenburg“, Ausschnitt)

 

 

Nach dem um 1409 erstellten Schadensverzeichnis litt insbesondere die Bevölkerung in ihren ungeschützten Siedlungen. Wo die Truppen erschienen, verloren die Menschen vor allem Bargeld, Getreide, Lebensmittel, Kleidung und Hausgerätschaften. Gerade ackernden Bauern wurden die Pferde vom Pflug bzw. den Eggen geraubt und reifes Getreide zertrampelt. In großen Mengen raubten die Truppen Vieh aller Art. Schweine, Schafe und Kühe trieben sie von dannen. Alle Pferde, die ihnen in die Hände fielen, nahmen sie mit. Schließlich zündeten sie zahlreiche Häuser an, nahmen etliche Männer gefangen und ließen mindestens sieben tot zurück.

 

Der Schaden war unermesslich und stand in keinem Verhältnis zu dem, was anfänglich beabsichtigt war, nämlich der legale Erwerb der Grafschaft Everstein. Graf Hermann von Everstein, so scheint es, wurde vom Ausmaß der Fehde völlig überrollt. Er war an einer Fortsetzung nicht mehr interessiert und verständigte sich mit den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg. Am 20. Januar 1408 trat er alle seine Rechte und damit die Grafschaft an die Herzöge ab. Außerdem kam er mit ihnen überein, dass seine 1404 geborene Tochter Elisabeth den Herzogssohn Otto heiraten solle, wozu es 1425 auch kam. Damit war Graf Hermann, der in Pension ging, aus der Fehde ausgeschieden und der Fehdegrund eigentlich entfallen. Bernhard VI. indes setzte die Fehde fort. Im Sommer 1408 konnte er mit starken Truppen die Belagerung der Stadt Lippstadt aufheben und im August desselben Jahres einen größeren Zug in Hessische unternehmen, und zwar im Bereich der Burg Desenberg bei Warburg. Auch gewann er Lage zurück.

 

Am Ende war es Geldmangel auf beiden Seiten, der die Parteien an den Verhandlungstisch brachte. Das Verhandlungsergebnis sah so aus, dass die Edelherren auf die Erbverbrüderung mit Hermann von Everstein verzichteten. Alle Schulden und angerichteten Schäden sollten quitt sein und alle Gefangenen frei kommen. Endlich versprachen die Herzöge, sich bei König Ruprecht für die Lösung der Acht und Oberacht einzusetzen. Der entsprechende Vertrag wurde am 7. April 1409 in Polle besiegelt, die Entlassung aus der Acht und Oberacht erfolgte am 12. Juni 1409.

 

Das Fazit lautet: Nach fünf Jahren Fehde war zwar die Grafschaft Everstein an Braunschweig-Lüneburg gefallen, doch hatten im Grunde alle beteiligten Parteien besonders finanziell verloren. Lippe ging stark verschuldet aus den Feindseligkeiten hervor, ebenso die Herzöge, aber auch dem Paderborner Bischof blieb jeder Erfolg versagt. Somit profitieren schließlich nur die Herzöge, denen bald nach 1409 noch die Grafschaft Homburg zufiel, wodurch sie ihren Einfluss im Weserraum dauerhaft festigen konnten.

                                                                                                                               Willy Gerking

 

Der Verfasser ist Polizeibeamter a. D. und lebt in Lügde-Niese

Leseempfehlung:

Huismann, Frank, „Die Eversteinsche Fehde“,  in:  Stupor Saxoniae inferoris: Ernst Schubert zum 60. Geburtstag/Hrsg. Hinrichs, Wiard. Göttingen 2001, S. 59 – 81.

 
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