05533/405-59
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Paragraph 3

§ 3.

 

Besitzungen im Gau Auga. In Stahle. Holzminden. Ellersen (Allersheim)

Bevern. Lütgenrade (Lütteken-A) Forst. Ahrholzen.

 

Sie hatten am linken Ufer der Weser im Gau Auga a) allein in Stahle, Holzminden gegenüber (s. Urk. V. 1113 u. vom 20. Mai 1315 CCCXIV) Besizungen. Unter den übrigen am rechten Ufer erscheint vorzüglich Holzminden, jetzt eine dem Herzog von Braunschweig gehörige Stadt.

 

Des Ortes Holzminden Holtesminne gedenken ältere Corveyische Register b) und in des

 

a) Dieses Gaues Beschreibung s. bei Wigand a. a. O.

 

b) Falcke in trad. Corb. p. 112. 287. Reg. Sarr. p. 9. nr. 117

 

Bischofs Reinwerk Urkunde von 1036 über die Stiftung des Bustorfs in Paderborn a) werden unter den zu dem Haupthofe Heinsen (Heginhuson) bemerkten vier Vorwerken Holtesminne duo gerechnet.

 

Heinsen der Haupthof ist sehr wahrscheinlich in dem zum Hannöverischen Amte Polle gehörigen Kirchdorfe Heinsen b) zu suchen, wie die beiden Vorwerke Holzminden vermuthlich in der jezigen Stadt Holzminden und dem dabei liegenden Altendorf zu finden sind c) Einer Burg in Holzminden gedenkt unter bekannten Urkunden zuerst diejenige von 1240 (LXV) durch welche Otto IV Graf v. Everstein nebst seinen fünf Brüdern und seinem Sohne Albert dem Kloster Amelungsborn gewiß, von dem Stifte Corvey zu Lehn getragene Einkünfte aus dem Salzwerke bei Hemmendorf im Hannoverschen Amte Lauenstein überließ.

 

Die Grafen v. Everstein sind wol um so mehr als die Herren dieser Burg anzusehen, da in einer anderen fünf Jahre später (1245) ausgestellten Urkunde, der Graf Otto Holzminden seine Stadt nennt. (LXXIV)

 

a) Falcke p. 461.

 

b) s. Wigand a. a. O. S. 107.


c) Derselbe a. a. O S. 140.

 

In dieser Urkunde bestätigt er dieser seiner Stadt diejenigen Rechte, welche sie von ihrem Ursprunge an von seinen Vorfahren gehabt hat. Aus selbiger erhellet klar, daß ihm allein das Gericht in der Stadt zustand. Er stellte die Richter an, und gönnte der Stadt dabei nur eine Einwirkung. Von den auserkannten Strafen bezog der Graf zwei Theile; einen hatte er der Stadt überlaßen. Er besaß das Patronat-Recht der Kirche, indem er auch bei derAnstellung des Priesters der Stadt eine Einwirkung zugestand.

 

Wenn daher für die Ansicht, daß Graf Otto IV. v. Everstein Herr in Holzminden war, nicht die wichtigen Umstände, daß er es seine Stadt nannte, und eine vorzügliche Handlung der Herrschaft, durch Bestätigung des Stadtrechtes, wie es wahrscheinlich durch alte Gewohnheit ausgebildet und von anderen Städten entlehnt war, ausübte, schon allein entscheidend sein sollten; so erhält sie eine besondere Unterstützung darin, daß der Graf einziger Richter in Holzminden war. Aber auch darin, dasß ältere Rechts-Normen aufgehoben werden, erkennt man den Herrn der Stadt. Der Graf Otto hob nämlich ausdrücklich den Var-Eid, a) welcher anscheinend bis dahin im Gerichte  gefordert war, auf. Es scheint auch, als ob es eine neue

 

a) Durch diesen Eid mußte die angenommene praesumtio doli entfernt werden und die Vögtekonnten durch die Eidesworte großen Mißbrauch treiben. S. a. v. Wersebe in dem schäzbaren Werke: über die niederländischen Colonien. Bd. I. 166.

 

Verfügung sei, daß der Unfreie, welcher Jahr und Tag ohne Ansprache in der Stadt gewesen, die Freiheit erworben haben solle. a) Von den früher hörig gewesenen Einwohnern in Holzminden hatten die Grafen den Zehnten, Ochtmund (Ogtme) bezogen, wie aus  der Urkunde von 1245 LXXIV erhellet. Dieser Umstand und der Wortzins, welchen sie noch 1309 (CCXCVIII a) besaßen, unterstüzen gleichfalls die Ansicht, daß die Grafen Herren in Holzminden waren.

 

a) Die übrigen Bestimmungen des Holzminder Stadtrechts findet man gröstentheils auch in andern.Als etwas besonderes mag es bemerkt werden, daß ein Todtschlag mit dem Tode bestraft werden sollte. (Si quis alium occiderit collum pro colle). Eine öffentlich gegebene Maulschelle wurde durch 20, Blutrunst durch 15, und Zänkerei durch 5 leichte Schillinge gebüßet; wer einen Anderen ohne scharfes Instrument verlezte, mußte 18 Denare geben; im Allgemeinen sollte bei einer Verlezung das jus talionis eintreten. (lesionem pro lesione). Fremde konnten in der Stadt in der Regel kein Zeugniß ablegen. Zu einem vollgültigen Zeugniße waren zwei Bürger erforderlich. Für einen Flüchtigen konnten die Bürger durch ihr bürgerliches Besizthum bürgen; Gerade und Heergewette wurden nicht entrichtet; der Beweis durch Zweikampf oder ein glühendes Eisen, war nur erlaubt, wenn beide Theile einwilligten; der Hausfrieden wurde einem Jeden zugesichert bis ein rechtliches Erkenntniß ihn aufhob; Der Nachlaß eines Fremdem war den Erben Jahr und Tag offen behalten; sein Gut haftete Bürgern, mit welchen er nach seiner Ankunft Verträge geschlossen, und der älteste der Gläubiger hatte den Vorzug. Nach einem Zusaze war noch den Erben eines Verbannten oder Flüchtigen der ruhige Besiz des Nachlaßes zugesichert, bis daß eine Sühne eingetreten oder der Richter gesprochen.

 

Von besonderen Berechtigungen des Stiftes Corvey in Holzminden weiß man aus dieser Zeit nichts, und es ist nicht glaublich, daß wenn es solche gehabt hätte, damals seiner und seiner Mitwirkung nicht gedacht sein sollte. Es ist aber auch nicht die geringste Spur aufzufinden, daß die Grafen v. Everstein ihre Berechtigungen in Holzminden von dem Stifte Corvey erhalten haben. Ein Graf Otto v. Everstein veräußerte etwa am Ende des 13ten Jahrhunderts das Schloß und die Stadt Holzminden für 2000 Mark an den Cölnischen Erzbischof Siegfried, deßen Marschall von Westphalen beides einem Lippold Hoye verpfändete, dieser aber an einem Herrn zu Lippe verkaufte, aus deßen Händen es Reinher v. Vornholte und Albert v. Amelungeßen pfandweise bekamen. (CCLXX) Vielleicht war Simon; edler Herr zu Lippe deshalb 1288 dem Marschall Johann von Bilstein mit 100 Mark verpflichtet. a)

 

a) s. Lamey in cod. Dipl. Ravensb. p. 61

 

Ein Simon v. d. Lippe folgte 1302 dem Johann v. Plettenberg im Marschallamte.

 

Bei diesen Vorfällen ist auch kein Widerpruch von Corveyischer Seite bekannt geworden. a)

 

Ueber die Zeit wann die Burg angelegt, wann die Stadt gegründet worden, fehlen uns nachrichten. In einer Urkunde von 1204 XXIV) wird der Ort noch eine Villa genannt. Auffallend ist es, daß die Grafen v. Everstein so nahe bei Everstein in früher Zeit eine Burg gebauet haben, wenn sie jene noch besaßen; indeßen können manche Verhältniße, und unter diesen selbst die Lage an der Weser gewirkt haben. Aus dem Inhalte der Urkunde von 1204  (XXIV) läßt sich die Vermuthung wagen, daß die Grafen schon damals eine Haupt-Bezizung in Holzminden hatten, indem sie einen nahe liegenden Theil des Sollinges besaßen; diesen trugen sie auch nicht von Corvey sondern von Paderborn zu Lehn. In Holzminden sindviele Eversteinsche Urkunden ausgefertigt: s. Urk. Vom 5. May 1246 LXXIX; 1249 LXXXII; 15. März 1271  CLV; 15. März 1272  U. B.S. 154 not: vom 24. Dec. 1274  CLX; 1275 CLXI;  21. Juli 1277 CLXXI; 6. März 1278 CLXXVII; b) vom 14. Apr. 1263 CCIV;  1285 CCXVIII. Einzelne Glieder der Eversteinschen Familie nannten sich allein de Holtesminne (s. Urk. Vom 17. Mai und 1. Juni 1298 CCLXII. CCLXIII).

 

a) Mein verehrter Freund, Herr Aßeßor Wigand im Corveyischen Güterbesiz S. 131 und folg. Räume den Stifts Corvey größere Rechte ein, als hier geschehen ist, und leitet die der Grafen v. Everstein von Jenem ab.

 

b) Im Urk. B. S. 169 u. 171 sind die Zahlen CLXXVII. u. CLXXVIII. Zu setzen.

 

Das Schloß in Holzminden ist von Cöln an das haus Lippe gekommen. S. S. 23. Simon edler Herr zu Lippe gab an Arnold v. Haversrarde am 13. März 1317 einBurglehn in Holzminden; und am 27. März 1323 an Conrad Ritter und Johan Knape, genannt von Oldeburg zu einem beständigen Burglehn 100 Mark Denare, wofür sie im Schloße Holzminden, wenn es Lippisches Eigenthum Bleibe, sonst nach ihrer Auswahl Burgmannen in Blomberg, Schwalenberg oder Oldenburg sein wollten. Wie Otto herr zu Lippe mit seinem Bruder Bernd 1344 theilte, überwieß jener diesem Holzminden, a) welcher es nach Urkunden vom 26. Februar und vom 12. März 1365 seinen Schwiegersöhnen, dem Grafen Heinrich von Holstein und dem Junker Otto von ecklenburg für den Brautschaz versezt hatte. b) Simon edler Herr zu Lippe bestätigte am 9. Februar 1369 der Stadt Holzminden oder vielmehr seine Bürgern ihre alten Rechte, wie sie von den Grafen v. Everstein erhalten. Biß dahin war daher von den Herren zu Lippe gehandelt, wie Herren einer Stadt handeln.

 

a) s. die Theilungs-Urkunde bei Grupen in Orig. Germ. III. 247

 

b) s. ungedruckte Urkunden von 1317 – 1365.

 

Der Vertrag, welchen Bodo Abt zu Corvey, Otto Herzog von Braunschweig, Hermann Graf v. Everstein, und Heinrich edler Herr zu Homburg am 30. September 1389 CCCCXIII schloßen, war gegen das Haus Lippe und besonders wegen Holzminden gerichtet. Indem auf den Fall, daß Holzminden erobert würde, eine Theilung verabredet wurde, darf man wohl vermuthen, daß damals Lippe es noch besaß. Zugleich war ausgemacht, daß eine Burg vor Holzminden errichtet werden sollte, was auch geschehen sein muß, da 1637 bei Holzminden Ruinen einer Burg gefunden sind, a) und noch gefunden werden. b) Jener Vertrag erwähnt keiner vorzüglicheren Rechte des Grafen Hermann v. Everstein auf Holzminden; derselbe sicherte ihm und seinen Mannen allein das bei Holzminden gelegene, ihnen gehörige Gut.

 

a) s. Bericht von Gabriel Campe vom 14. October 1637 n. d. Gränzen und der Hoheit der alten Herrschaft Everstein. MS. Dieser Bericht wurde zu dem Zwecke erstattet, um nach dem Absterben des Herzogs Friedrich Ulrich v. Braunschweig, von dem Amte Fürstenberg, welches Conrad als ein zurückgefallenes Lehn in Anspruch nahm, dasjenige trennen zu können, was zur Herrschaft Everstein gehörte. Gabriel Campe bezieht sich auf ein Fürstenbergisches Amtsbuch von 1581, auf eine Gränzbeschreibung und ein Erb-Register von 1561.

 

b) s. Gilberts Handb. F. Reisende v. Deutsch. III. 269.

 

Die Eroberung scheint geschehen zu sein, indem am 25. April 1393 (CCCCXIX) a) Graf Hermann v. Everstein und der Abt v. Corvey über ihre Antheile einen Vertrag, und beide, nebst Heinrich, Herrn zu Homburg am 5. August 1394 CCCCXXII eine Burghude und einen Burgfrieden schloßen. Vondem Herzoge Otto ist keine Rede, indeßen ergibt der zwischen ihm und dem Corveyischen Abt Wulbrand am 11. April 1405 CCCCXLIX geschloßene Burgfrieden, daß er den vierten Theil an Holzminden hatte b). Graf Hermann v. Everstein bresaß nur einen gleichen Theil von Holzminden, wie auch das schiedsrichterliche Erkenntniß vom 20. April 1404 CCCCLIII bezeugt. Simon und Bernd Herren zu der Lippe gelobten wahrscheinlich nur in Beziehung auf die mit dem Grafen Hermann am 14. August 1402 geschloßene Erbverbrüderung, dem Abt Wulbrand von Corvey am 8. Juni 1403 (ungedruckte Urk.) eine Burghude und einen Burgfrieden wegen des Schloßes Holzminden.  Nachdem der

 

a) S. 383 d. Urk. B. ist die Zahl CCCCXIX. Zu sezen und Apr. 25.

 

b) Von einem früheren Besize des Hauses Braunschweig ist nichts bekannt. Der Herzog Otto stellte 1232 juxta Holtesminne super Wirram für die Stadt Goettingen eine Urkunde aus. s. Goett. Zeit und Gesch. Beschr. I B. II Kap. S. 54.

 

Graf Hermann am 5. April 1408 CCCCLXVIII seine Güter, seinem künftigen Schwiegersohne dem Herzoge Otto v. Braunschweig abgetreten hatte und auch die Homburgischen Güter dem Hause Braunschweig zugefallen waren, a) war dieses in dem Besize von drei Viertheilen von Holzminden. Es waren diese jedoch nicht in einer Hand. Den Eversteinschen Antheil hatte Herzog Bernd 1408 erhalten; was Herzog Otto nach 1389 eroberte scheint sein Sohn Otto, welcher 1414 der Stadt Holzminden ihr altes Recht bestätigte, besetzen und den Homburgischen Antheil Herzog Bern 1409 erworben zu haben. Corvey blieb im Mitbesitze und befand sich am 1. Nov. 1409 CCCCLXXIII in selbigem, da der Herzog Bernd und sein Sohn Otto mit dem Abte Dietrich einen Burgfrieden schloßen. Der Abt Hermann verpfändete noch 1483 seinen Antheil an Holzminden, der Burg und dem Flecken an Joh. v. Hovensen b). Neben Holzminden hatten die Grafen v. Everstein Güter in Ellersen, jetzt Allersheim nahe bei Bodendal. Die älteste Nachricht, eine Urkunde vom 4. April 1197  XXII. Läßt den Graf Albert III. als Paderbornischen Lehnmann wegen 51/2 Mansen erscheinen (s. a. Urk. Vom 1. Mai 1254 C. von 1258 CXII. Und vom 1. Mai 1318 CCCXXII).

 

a) Falcke p. 931

 

b) Ungedr. Orig. Urk. S. a. Wigand a. a. D. S. 134 – 139.

 

Eine Lehns-Verbindung mit Corvey wegen dieser Güter ist bis jetzt nicht nachgewiesen a). Jener Graf Albert hatte auch in Bevern Besizungen, welche er am 4. April 1197  XXII der Kirche in Paderborn zu Lehn auftrug. Bevern und die Besizungen der Herren v. Bevern rechnete Herzog Ernst v- Braunschweig 1594 zur Herrschaft Everstein b). In Lobach (Lotbeck) s. Urk. Von 1303 CCLXXVII  und vom 28. Februar 1319 CCCXXX; und in Lütteken-A (vielleicht noch das unter dem Namen Lütgenrade, zwischen Golmbach und Reilessen zu findende Dorf) hatten die Grafen Güter. s. Urk. von 1281 CXCI, vom 24 Juni 1285 CCXV, v. 2. Mai 1312 CCCIV u. v. 26. Jan. 1322 CCCXXXV.

 

Dieses Lütteken-A muß übrigens nahe bei Everstein gelegen haben, da aus dem Orte Dienste gahin geleistet wurden, wie aus der Urkunde von 1322 zu ersehen. Mit völliger Sicherheit läst

 

a) Wigand a. a. D. S. 142 machte die Grafen v. Everstein wegen Besizungen in Ellersen zu Lehnmännern des Stiftes Corvey; es waren aber die nicht zu diesem Geschlechte gehörigen Herren v. Everstein, welche das Marschall-Amt und die damit verbundenen Güter zu Lehn vom Stifte trugen. S. S. 15.

 

b) s. Lehnbrief f. Statius v. Münchhausen von 1595 bei Treuer in v. Münchh. Geschl.

 

Hist. U. B. S. 296. 

 

Sich nicht bestimmen, ob es zum Gau Auga oder zum Gau Tilithi gehörte. Aus dem ehemaligen Dorfe Forst an der Weser, welches als eine Eversteinsche Besizung angegeben wird, sollen sich dahin die Einwohner, wie das Amthaus hieher gelegt woren gezogen haben a). Von Adoldeßen (Ahrholzen) bei Everstein, melden uns Urkunden keine Eversteinsche Güter. Seinem Grafen Otto, welcher den Aussatz gehabt, wird eine besondere Wohnung daselbst zugeschrieben. Seine Betstunden soll er im Sommer in einer Höhle, Ottenshöhle genannt, gehalten haben a).

 

a) s. Bericht des Gabr. Campe s. S. 26. Die adeliche Familie v. Everstein hatte hier Corveyische Lehne s, nr. CCCCXCII.

 

b) s. Leyser  p. 13.

 
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