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Die Hünnicher Mühle

Einst drehten sich hier zwei
Mühlräder

Die Hünnicher Mühle ist heute voll automatisiert – Eine Müllerfamilie
Mit jahrhundertealter Geschichte

„Aussichtsreiche Höhenstraße“ steht auf einem Schild an der Straße, die über Meiborssen und Vahlbruch nach Pyrmont führt. Dieser kurze Hinweis verspricht nicht zuviel; eine weite Sicht öffnet sich von der Höhe über die Weserberge auf der einen und das Lippische Bergland auf der anderen Seite. Doch schon bevor man über die Hochfläche rollt, bleibt der Blick an manch reizvollem Flecken rechts und links der Straße hängen. Kurz vor Meiborssen fällt ein größeres Anwesen ins Auge, dessen gepflegte Fachwerkhäuser herüberleuchten. „Hünnicher Mühle“ liest der Autofahrer, der interessiert an der breiten Einfahrt anhält.

 

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Die weißen Fachwerkbauten der Hünnicher Mühle, die sich vom Hintergrund des dunklen Waldes hell abheben, ziehen den Blick manches Vorüberfahrenden auf sich. Ohne das Schild „Hünnicher Mühle“ käme er wohl kaum auf den Gedanken, dass sich im Inneren des mehrstöckigen Hauptgebäudes eine Mühle versteckt.

 

Die Hünnicher Mühle kann auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken. Ihre Anfänge liegen im Dunkeln; denn Aufzeichnungen existieren nur seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Im Lippischen geht sogar die Sage, dass die Mühle schon während der Hunnenzüge errichtet wurde, und man hält noch heute an den Namen „Hunnenmühle“ fest. Aber es gibt noch andere Versionen für die Entstehung. So führt man das erste Mühlenrad auf einen Ritter von Hünnich zurück, der allerdings erst im 16. Jahrhundert sich dort festsetzte. Wahrscheinlich wird sich zuvor schon ein Mühlenrad im Tal des Hünnichermühlenbaches gedreht haben; denn die Lage war für einen Mühlenbetrieb wie geschaffen.

 

Der erste schriftliche Beleg stammt aus dem Jahre 1628, und zwar erwähnt eine Grabinschrift die Familie „Klencken“ von der Hünnicher Mühle. Seit zehn Generationen ist die Mühle jetzt schon im Besitz der Familie „Klencken“, deren Name sich aber im Laufe der Jahrhunderte auf Klenke verkürzt hat.

 

Im Dreißigjährigen Krieg hatten Tillys Scharen auch das schmale Mühlental heimgesucht und die Mühle in Schutt und Asche gelegt. Als sich der wilde Haufen in andere Gegenden gewandt hatte, baute die Familie Klencken die Mühle wieder neu auf, die mit ihren zwei Mühlenrädern bald beachtliche Mengen Getreide bewältigte und den Klenkes zu Reichtum und Ansehen verhalf. Manche Veränderung an den Gebäuden wurde vorgenommen, so ein Umbau im Jahre 1839. Damals bekam die Mühle das Aussehen, das sie bis heute nicht verloren hat. Allerdings muss man hinzusetzen, dass nur das äußere Bild im Großen und Ganzen erhalten ist, im modernisierten Inneren würde ein früherer Besitzer voller Verwunderung um sich blicken. Er wird vergebens nach dem alten Mühlenrad ausschauen, das auch heute noch bei vielen mit der Vorstellung einer Mühle verknüpft ist und die Beschaulichkeit eines stillen Mühlentales verkörpert, wie es im Volkslied weiterlebt.

 

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Die Anlage, wie sie sich heute zeigt, entstand erst vor der Mitte des letzten Jahrhunderts. Aber schon Einige Jahrhunderte vorher drehte sich in diesem Tal ein Mühlenrad, das auch schon im Besitz der Familie Klenke war.

 

Mühlenräder sind in unseren Tagen nur noch selten anzutreffen; zumeist stehen sie unter Denkmalschutz, sind häufig brüchig in ihrem Inneren und an ihrer Oberfläche von Moos überwuchert.

Auch in der Hünnicher Mühle musste das Rad bereits 1930 einer Turbine weichen, die das gemächliche Kreisen des Rades mit ihrem Schwung ablöste. Aber nicht nur das Rad hatte seine Schuldigkeit getan, sondern noch manches andere wurde in der Mühle abgeschafft, wie der gesamte landwirtschaftliche Betrieb, der jahrhunderte lang einen wesentlichen Bestandteil des Anwesens gebildet hatte. Lastwagen rollten auf den Hof und transportierten die Mehlsäcke in kürzerer Zeit zu den Kunden, als es bisher die Pferde getan hatten. Der Abnehmerkreis hat sich inzwischen auch mehr und mehr vergrößert, sogar in entfernteren Gegenden wird das Hünnicher Mehl abgesetzt. Viele Kunden sind im Kreis Holzminden anzutreffen, vor allem im Raum Bodenwerder.

Der größte Teil des Getreides wird aus den Orten der Umgebung bezogen, doch auch Auslandsgetreide wird in der Mühle verarbeitet. Kanada und die USA sind die Länder, die an erster Stelle ihr Getreide herüberschicken, das dann vom Holzmindener Hafen oder sogar von Bremen aus in schweren Lastwagen vor der Hünnicher Mühle vorfährt. Schon in diesem Herbst soll es ein von einem neuen Silo aufgenommen werden, das mit einer Höhe von acht Stockwerken alle anderen Gebäude überragen wird. Da das Silo gleich an der Straße seinen Platz haben soll, wird sich auch das Abladen noch einfacher gestalten.

Herr Klenke und sein Sohn, die den Betrieb nur noch mit einer weiteren Arbeitskraft führen, sind ständig bemüht, jeden Arbeitsvorgang so weit wie möglich zu rationalisieren. Die Mühle mit ihrer Tagesproduktion von 15 Tonnen läuft voll automatisch und gehört zu den modernsten Mühlen dieser art. In einem Labor im Hauptgebäude wird jede Getreideladung die ankommt, auf ihren Feuchtigkeitsgehalt untersucht, damit das Getreide auf den Prozentsatz getrocknet werden kann, der es lagerfähig macht. Weiter wird der Mineralstoffgehalt einer sorgfältigen Prüfung unterzogen; denn der Mineralstoffgehalt muss auf jeder Mehltüte, hinter der Bezeichnung „Type“ angegeben werden. Der Mineralstoffgehalt als Merkmal der einzelnen Sorten ist jedoch willkürlich festgesetzt und nicht für die Qualität entscheidend, die durch den Eiweißgehalt bestimmt wird.

So hat das Getreide bereits ein ereignisreiches „Vorleben“ hinter sich, ehe es für den Mahlvorgang bereit ist. Vor dem eigentlichen Mahlvorgang muss es allerdings noch weiter vorbereitet werden; es wird vorgewaschen, erhitzt und gedämpft.

Sechs doppelte Walzenstühle haben die Funktion der alten Mühlensteine Übernommen: zwischen Walzen, die mit Riffeln ausgestattet sind, werden die Körner zu Mehl verrieben. Durch alle Stockwerke des Hauptgebäudes wird das Mahlgut mit Hilfe von Luftdruck transportiert; mancher Druck ist nötig, um das schwere Getreide weiterzuleiten. Auch wenn zum Schluss des Mahlgangs Nebenprodukte wie Kleie und Futtermehl übrig bleiben, werden sie vom Luftstrom abgesaugt. Die nächste Station ist der Rohrboden, wo die Produkte weiter vermahlen werden.

Bevor das Mehl schließlich automatisch verpackt wird, hat es noch mehrere Stationen zu durchlaufen, die sich ebenso wie die vorhergehenden wohlverschlossen hinter Glas oder Metall vollziehen. Wo man hinschaut, dreht sich etwas, surrt oder macht einen ohrenbetäubenden Lärm, so dass der Eindruck eines Hochtechnisierten Betriebes vollkommen ist. Nur das Mehl, das hinter Glas herumgewirbelt wird, erinnert daran, dass sich hier eine Mühle dreht und nicht ein anderer Fertigungsbetrieb.

 

Tradition und Fortschritt wurden unter einen Hut gebracht

 

Hünnicher Mühle seit 330 Jahren im Familienbesitz – Seniorchef
August Klenke 65 Jahre alt

Die respektable Größe der Hünnicher Mühle bei Polle ist vor nicht allzu langer Zeit um einen Bautrakt erweitert und abgerundet worden. Über 30 Meter hoch präsentiert sich der neu eingerichtete Getreidesilo. Rund 1000 Tonnen können in dem Gebäude eingelagert werden. 330 Jahre ist die Mühle schon im Besitz der Familie.

 

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Die Hünnicher Mühle bei Polle mit dem neuen Getreidesilo

 

Seit Jahr und Tag ist man bestrebt, Tradition und Fortschritt unter einen Hut zu bringen. Dabei hat sich der einmal eingeschlagene Weg als glücklich und für die Zukunft Erfolg versprechend erwiesen. Es ist nicht von der Hand zu weisen: Die Hünnicher Mühle hat sich im Wirtschaftsgefüge des Landkreises Hameln-Pyrmont einen festen Platz erobert. Ganz maßgeblichen Anteil daran hat der Seniorchef des Betriebes, Herr August Klenke, der jetzt im 65. Lebensjahr steht. Seit Generationen lebt und schafft die Familie Klenke im Hünnicher Tal. Aus aktenkundlichen Aufzeichnungen geht hervor, dass die Mühle schon im Dreißigjährigen Krieg bestanden haben muss. Das Unternehmen hat sich vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unter der bewährten Leitung von August Klenke zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Nach dem letzten Krieg ging es in erster Linie darum, die Bevölkerung mit  dem Lebenswichtigen Gut, dem Mehl, zu versorgen. Viele Bürger aus dem Gebiet fanden den Weg zur Mühle. Sie klopften an, ihnen wurde aufgetan. Ihre Wünsche wurden denn auch, soweit es die damaligen Umstände erlaubten, erfüllt. Den scharfen Wind des Konkurrenzkampfes auf dem Wirtschaftsmarkt fürchtet man nicht: denn der Weg ist vorgezeichnet, das Fundament des Betriebes ist fest. Es ist einige Wochen her, als der Landkreis Hameln-Pyrmont sowie Vertreter der Gemeinde Polle der Familie Klenke einen Besuch abstatteten. Grund: Der Senior der Firma, Herr August Klenke, feierte seinen 65. Geburtstag. Oberkreisdirektor Graumann überreichte dem Jubilar den Wappenteller des Landkreises. Diese Gabe ist im Jahre 1959 als Auszeichnung für verdienstvolle Bürger gestiftet worden. Der Verwaltungschef des Landkreises Hameln-Pyrmont hob die Leistungen des Seniorchefs hervor und bezeichnete seine Arbeit als einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung eines gesunden Wirtschaftsgefüges. Bürgermeister Clahsen aus Polle schloss sich mit herzlichen Worten an. Er wünschte für die Zukunft alles erdenklich Gute!

 
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