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Paragraph 2

§ 2.

 

Burg Everstein. Adeliche von Everstein. Marschälle von Corvey
 

Zuerst wenden wir uns an die Weser, in deren Nähe, unterhalb Corvey, die Burg Everstein lag. Ob sie zum Gau Auga zu rechnen, ist zweifelhaft, an deßen Gränze ist sie aber zu suchen. a) Entweder die Burg trägt von den Grafen ihren Namen, oder sie hat der Familie diesen gegeben.

 

Auf dem Burgberge, welcher sich am rechten Weserufer, nicht weit von Holzminden, von Forst bis Negenborn erstreckt, lag dieses alte, längst verschwundene Schloß. Zwei Bergspitzen an der östlichen Seite des Burgberges führen noch den Namen des großen und des kleinen Eversteins. b)  

 

a) s. Wigand im Corveyischen Güterbesitz S. 124.

 

b) s. Holzmindensches Wochenblatt für 1786. St. 4. S. 325. Vielleicht steht auch die Ruine der Lauenburg, auf einem Berge zwischen Kreipcke und Heyen, am Wege von Halle nach Hameln mit den Grafen von Everstein in Verbindung. s. d. angef. Wochenblatt St. 1. S. 81. u. f

 

Daß alter dieses längst zerstöhrten Schloßes, deßen Ruinen jetzt nur in Kellern entdeckt werden und der Name des ersten Erbauers sind unbekannt. Zuerst wird sie uns von einem Schriftsteller des zwölften Jahrhunderts, dem Geistlichen Helmold in der Geschichte des heiligen Vicelin, genannt. Jener erzählt: Vicelin habe als ein junger Mann, nachdem er seine Aeltern in Hameln verlohren, sich nach der Burg Everstein gewandt und dort eine freundliche Aufnahme bei der Mutter des Grafen Conrad gefunden, die Burg jedoch, wegen einer vom Schloß-Geistlichen erlittenen Beschämung, bald wieder verlaßen. Dieses muß sich im Anfange des zwölften Jahrhunderts zugetragen haben, da Viecelin, wenn er 1149 Bischof in Oldenburg im Holsteinschen wurde, schon ziemlich bejahrt, seit 1124 in Holstein und in der Zwischenzeit in Paderborn, einige Jahre magister scolarum in Bremen und in Frankreich gewesen  war. a)

 

Aus dem zwölften Jahrhundert haben wir von dieser Burg weiter keine Nachricht; zuerst wieder wird sie uns in einer Urkunde vom 8. Dec. 1226 XIII genannt, welche die Brüder Conrad IV., Ludwig III., Hermann I, Albert IV. und Otto IV., daselbst ausstellten.

 

a) s. Helmold in Chr. Slav. I. 42 – 47. 69. 78. bei Leibnitz in S. R. B. II. 674 seq.

 

Der Graf Otto IV fertigte hier am 4. März 1239 LVIII eine Urkunde aus; der Graf Ludwig III. nahm daselbst 1252  XCV. die von dem v. Arnimschen Lehnmanne, Heinrich v. Borie geschehene Auflaßung des Zehntens in Haversford ein; Friedrich I, Probst in Nörten stellte hier am 8ten Nov. 1253 für die Geistlichen im Stifte Nörten eine Urkunde aus, welche sein Bruder Ludwig III für ihn besiegelte; a)  und Graf Hermann I und seine Frau Hedwig waren hier, wie sie 1263 CXXXIV dem Kloster Falckenhagen Güter gaben.

 

Die Burg scheint ein gemeinschaftliches Besitzthum der Söhne des Grafen Albert III. gewesen zu seyn, indem die Grafen Otto, Hermann, Ludwig und Conrad, am 3. Jan. 1265 CCCCXCVII dem Erzbischof Engelbert von Cöln das Eigenthum der größeren Burg Everstein, 100 dabei liegende Hufen und die Hälfte der Stadt Querndameln übertrugen, auch der Graf Conrad IV in der Urkunde vom 29. (nicht 23. wie fehlerhaft gedruckt ist) März 1283 CCIII   von seinem vierten  Theile des   Schloßes  redete. b) Ob noch  eine  kleinere Burg

 

a) s. Wolf in der Gesch. des Stiftes Nörten Beil.  II  S. 4.
b) Gelenius hat diese Urkunden gekannt; f. deßen lib. I. de magnit. Colon. Fynt. 7. p. 75.

 

Everstein vorhanden gewesen, wie man hieraus und aus der Benennung des großen und kleinen Everstein vermuthen kann, muß vorerst untschieden bleiben, Wahrscheinlich ist der Erzbischof von Cöln damit zufrieden gewesen, daß er das Obereigenthum erhielt, und die Grafen deshalb seine Lehnmänner wurden. Wenigstens erkannte der Graf Conrad VI in der Urkunde vom 29. März (nicht 23) 1283 CCIII die Lehnbarkeit des ganzen Schloßes an. Es muß vielleicht darüber einiger Zweifel erregt seyn, weil er in dieser Urkunde zugleich dem Erzbischof Siegfried von Cöln einen vierten Theil an der Burg aufträgt und zu Lehn wieder empfängt. Ein Graf Ludwig war am 26. Nov. 1272 CLVIII im Schloße Everstein und gewiß noch Herr dort, indem er die in der Urkunde angeführten Burgmänner seine Burgmänner nennt.

 

Die Cölnische Lehnschaft, durch welche der Erzbischof, welcher immer darauf dachte, Herzogs Rechte auszudehnen, in der Nähe Braunschweigischer Besitzungen einen festen Punkt mehr erhielt, hat es wahrscheinlich veranlaßt, daß der Herzog Heinrich (der Wunderliche) zu den Waffen griff und die Burg vor dem 30. Sept. 1284 belagerte. Eine Urkunde von diesem Tage CCX, durch welche der Herzog dem nahe gelegenen Kloster Amelungsborn einen Ersaz, wegen des demselben während der Belagerung zugefügten Schadens gibt, sezt die Thatsache selbst außer Zweifel. Wer die Belagerung ausgehalten, ist nicht bekannt, auch nicht, ob die Burg eingenommen worden. Wahrscheinlich ist aber die Veräußerung derselben an den Herzog das Resultat der Fehde. Dieser hat das Schloß gekauft. Ueber den Handel besitzen wir keine Urkunde, solchen bezeugt aber der Herzog in der Urkunde vom 24. Juni 1285 CCXV und nennt nun das Schloß Everstein das seinige. Von jetzt an erscheinen mehrere herzogliche Vögte in selbigem. Johann, genannt von Salder, a) Ritter mit dem Beinamen der schwarze am 28. Oct. 1286 CCXXIV; Johann von Deseldeßen 1302 CCLXXV; Striger am 22. Nov. 1304 CCLXXX; auch wird am 27. Febr. 1306 CCLXXXVI Arnold v. Haversforde des Herzogs Murgmann in Everstein genannt. In der Gränzbeschreibungsurkunde des Grafen Ludwig des III vom 26. März 1300 CCLXIII welche er, wenn auch nicht Herr in Everstein, doch wegen anderer Güter in der Nachbarschaft ausstellen konnte, ist Conrad Udede als Vogt in Everstein genannt und es sind mehrere Burg-

 

a) In der v. Hardenbergischen Familie führten einige Mitglieder den Namen von Saldern. s. Wolf’s Gesch. b. H. v. Hardenberg Th. I. S. 74. Ob dieser Johann genannt v. Salder, mit dem Beinamen der Schwarze, zu dieser Familie grhört, läßt sich nicht bestimmnen. Ein Joh. De Saldere war 1269 des Herzogs Albrecht v. Braunschweig Marschall. s. Orig. gu. IV pr. p. 13.

 

männer aufgeführt, jedoch ohne Bezeichnung, ob sie dem Herzoge oder den Grafen, oder wem sonst angehörten. Nach einer im Königl. Archive in Hannover Befindlichen Urkunde versezten 1300 Syverd, Herr zu Homburg und seine Söhne, Herr Heinrich und Juncker Bernhard an Ghevers Ritter und Cord Knecht, genannt von Saldern das Schloß Everstein, welches sie von Albrecht Herzog von Braunschweig zu Lehn trugen.

 

Die Burg Everstein ist, so viel bekannt geworden, nie wieder in den Besitz der Grafen gekommen, vielmehr in dem der von des Herzogs Albrecht des Großen Sohne, Heinrich dem Wunderlichen gestifteten Grubenhagenschen Linie geblieben. Sie wurden nicht unter denjenigen Schlößern genannt, welche Hermann Graf v. Everstein dem Bischof v. Paderborn am 7. Jan. 1399 CCCCXXIX zusicherte, und es wird auch ihrer in dem, zwischen jenem und den Herzögen Heinrich und Bernd am 20. Januar 1408 CCCCLXVI wegen Ueberlaßung der Eversteinschen Güter abgeschloßenen Vertrage nicht erwähnt. Das Schloß hat nächstdem manche Schicksale erfahren, deren hier noch kürzlich zu gedenken ist.

 

Durch Pfandschaft war es in andere Hände gekommen, aus welchen es der Herzog Ernst, mit demjenigen Gelde, welches er vom Kloster Amelungsborn, für verkaufte zum Schloß gehörige Waldungen erhalten hatte, (s.Urk. vom 30. April 1327 CCCXLIV) lösete. Wer der Pfand-Inhaber gewesen und wie sich die Verhältniße in der Burg von 1327 bis 1336 gestaltet, ist nicht ausgemittelt. Wir erfahren nur aus einer gleichzeitigen Nachricht, daß der Landgraf von Heßen, Heinrich der Eiserne damals mit bedeutender Macht vor das Schloß gerückt ist und die Herzöge von Braunschweig, welche vor demselben gelegen, verjagt hat. a)

 

Ueber die Veranlassung zu dieser Fehde schwebt noch ein Dunkel; anscheinend war sie gegen den unruhigen Herzog Albrecht, deßen Vater Ernst, ein Sohn Heinrichs des Wunderlichen, damals noch lebte, gerichtet. Ansprüche auf das Schloß Everstein und dessen Oeffnung konnte der Landgraf aus dem Vertrage vom 8. Nov. 1293 CCLI nicht geltend machen. Hatte gleich Graf Otto v. Everstein oder von Polle dem  Landgrafen  Heinrich Oeffnung aller Ever-steinschen Schlößer zugesagt, so konnte das Schloß Everstein unter diesen nicht begriffen seyn, weil es damals schon verkauft war. Davon, daß ein Graf von Everstein oder ein Inhaber des Schloßes des Landgrafen Hülfe gesucht, ist nichts bekannt.

 

a) Fasti Limpurgenses. Wetzlar 1720. In Beziehung auf diese (Chronick Limpurg) welche denHerzog, Albert v. Sachsen nennen, erzählt auch die Begebnheit Wigand Gerstenberg’s Chronick bei Schminck in mon. Hass.II. 467 und sezt sie in daß Jahr 1335; s. a. Heß. Reim-Chronick bei Kuchenbecker in anal. Hass. Coll. VI. p. 172. Gerhard Graf v. Dietz, ein Bundesgenoße des Landgrafen war 1355 von diesem noch nicht entschädigt. s. Arnoldi Naßau Oran. Gesch. II. 86.

 

Den Ausgang dieser Fehde, in Beziehung auf die Burg Everstein kennen wir nicht. a)

 

Des Herzogs Ernst Söhne, Albrecht und Johann verpfändeten dieses Schloß am 24. März 1364 CCCLXXXVII zur Hälfte für 500 Mark an Siegfried, edlen Herrn zu Homburg und deßen Sohn Heinrich. Von diesem forderte es der Herzog Friedrich in Osterode für sich und den Herzog Erich, seines Bruders Albert Sohn zurück und er wurde von der Sicheln-Gesellschaft am 7. Mai 1392 CCCCXV zur Herausgabe des Schloßes verurtheilt. b) Diese Entscheidungmuß  entweder nicht zur Ausführung gekommen, oder ein anderes Verhältnis.

 

a) s. a. Rommel. i. d. Gesch. V. Hessen II. 133. u. Anm. S. 99. not. 10 welcher die Vermutung ausdrückt, daß der Landgraf den Grafen v. Everstein zur Hilfe gezogen sey und aus dem Vertrage vom 8. Nov. 1293 CCLI Rechte geltend gemacht habe.

 

b) Nach der, dem in no.CCCCXV gelieferten Auszuge beigefügten Bemerkung ist nicht daran zuzweifeln, daß Burchard von Schonenberg die Urkunde, Namens der Sicheln-Gesellschaft untersiegelte. Er nennt sich Königer, (vielleicht Kündiger oder Verkündiger) der Herren und der Gesellen von der Seckelen. (Sichel) Zu dieser, im Nov. 1291 von dem Herzoge Otto dem Quaden und dem Herzoge Friedrich v. Braunschweig, den Bischöfen von Paderborn und von Hildesheim, auch dem Grafen Otto von Holstein (Schaumburg), zuerst in Bodenwerder und Braunschweig gestifteten Gesellschaft, welcher der Landgraf Hermann von Heßen beitrat, gehörtenauch die Schonenberge. In dieser Familie setzte damals ein Burchard, (s. Wenck. II. 942) daher ihm jene Verkündigung hier um so mehr zugeschrieben ist, weil damals kein Burchard von Schaumburg gefunden wird. Wenn der Graf Zweck dieser Gesellschaft eigentlich nur einenLandfrieden und Sicherung von Kirchen, Kirchhöfen, Geistlichen, Pilgern, Kaufleuten undLandbauern betroffen haben soll, so ist nicht zu erklären, wie dieser Verein über die Pfandschaft von Everstein erkennen konnte. S. übrigens Rommel II. 228. Anm. S. 167. not. 18. Die Sichel, welche an des Herzogs OttoHalse, auf dem ihm in Wibrechtshausen errichteten Denkmale sichtbar ist, (s. retneyer Br. Lün.Chron. I. 616.) wird wol auf jene Gesellschaft zu beziehen seyn. S. v. Praun Br. Lün. Siegel-Cabinet 5ter Abschn. S. 14

Wieder angeknüpft seyn, weil Moritz Graf von Spiegelberg am 10. Aug. 1400 CCCCXXXV; dem Herzoge Otto v. Braunschweig die Einräumung der Hälfte des Schloßes, welche an Heinrich Edlen von Homborg für 400 rheinische Gulden versetzt war, für den Fall zusicherte, wenn er nach Heinrichs Tode sie erhalten würde. a)

 

a) Ueber die Verhältniße, in welchen Moritz Graf v. Spiegelberg zu Heinrich von Homburg stand, geben zwei Urkunden von 1403 u. 1409 in den Orig. guelf. IV. 513. 514. Nachweisung

 

Nächstdem muste das Schloß 1416 CCCCL.XXVI. eine Belagerung aushalten, wie die Herzöge unter sich wegen des Besitzes uneinig waren; a) und noch einmal 1435 wurde ein Rauschenplatt in selbigem, weil er es mit den Grafen v. d. Hoya und von Spiegelberg gegen den Herzog gehalten, belagert und erobert. b) Aus welchem Grunde Rauschenplatt das Schloß besaß, ist nicht bekannt. Das letzte, was wir von dieser alten Burg erfahren, ist: daß es mit Bewilligung des Herzogs Wilhelm von dem Amelungsbornschen Abt, Gerhard Masco 1493 niedergerißen sey soll. c)

 

a) s. Vers. E. pragm. Gesch. D. H. Braunschw. Lün. S. 280 u. d. daselbst nota a. angeführte Chron.Luneb. In Leibn. Ser. R. B. III. 198. wo erzählt wird, daß Everstein in dem Kriege zwischen dem Bischofe von Hildesheim und den Herzögen Bernhard und Wilhelm v. Braunschweig verbrannt sey.

 

b) Krantz in Sax. II. c. 24 s. a. Piderit’s Lipp. Chron. S. 552. s. a. Corner in Chron. Bei Eccardin corp. hist. Med. nevi II. 1341.

 

c) Leuckfeld in chronol. Abb. Amelunxborn. P. 43 nach Lezner.

 

In der Burg Everstein waren Burgmänner, welche wahrscheinlich auch Wohnungen daselbst hatten. Die von Haversford, Herren der nahe gelegenen, unterhalb Holzminden nach der Weser hin zu suchenden Villa Haversford, a) (s. U. v. 27 Febr. 1306 CCLXXXVI) vielleicht auch die v. Hacke, b) Conrad v. Ellenhusen und Ernst Reboc (s. U. v. 26. März 13000 CCLXVIII)  gehörten zu den Burgmannen in Everstein; gewiß aber vor allen stand die adeliche, in der Nachbarschaft von Everstein begüterte (s. Urk. Von 1302. CCLXXV) Familie von Everstein in der genauesten Verbindung mit der Burg, von welcher sie den Namen führte. Es ist kein Grund vorhanden, sie von den Grafen von Everstein herzuleiten, deren Ministerialen sie waren. Sie bekleideten das wichtige Drostenamt (Dapiferi Truchseßen). Wahrscheinlich ist der Heinrich von Everstein, welcher in der Urkunde von 1222 oder 1223 XXXIX als Dapifer erscheint, derselbe, welcher früher 1197 XXII mit seinem Familiennamen und in Urkunden von 1206, 1207,  1217  ohne denselben als Henricus Dapifer,  und 1207 und 1217 mit seinem Bruder Florentius (ein in der adlichen Familie mehr gehörter Name,) vorkommt, (s. b. Namen Register.) Diejenigen von ihnen, welche in Eversteinschen und anderen Urkunden genannt werden, sind von den Grafen wol zu unterscheiden. Diese werden mit Ausnahme weniger zum geistlichen Stande gehörigen Personen gewöhnlich als comites oder nobiles Domini bezeichnet, dagegen jene als Ritter oder Knappen und nur unter ihren Standesgenoßen erscheinen.

 

a) Wigand’s Corv. Güterbesitz § 42.

 

b) Sie hatten Güter in Everstein; s. Vergleich vom 25. März 1569 bei Falcke in trad. Corb. p. 628. 629.

 

In dieser adligen Familie war auch das Marschallamt des Stiftes Corvey. Die Grafen haben solches nie beseßen. Keine Urkunde bezeichnet irgend ein Mitglied der gräflichen Familie als Corveyischen Marschall un der Heinemann v. Everstein, welcher in einem Corveyischen Lehnregister als Inhaber des Marschallamtes genannt wird, (CCCCXCII) gehört zu der adlichen Familie. (s. Namen-Register.) In der gräflichen erscheint keiner dieses Namens. a)

 

a) Mein verehrter Freund, Hr. Aßeßor Wigand schreibt im Corveyischen Güterbesitz S. 127. denGrafen von Everstein das Corveyische Marschallamt zu, wahrscheinlich in der Voraussezung,daß der angeführte Heinemann v. Everstein ein Mitglied der gräflichen Familie gewesen undverleitet durch Kindlinger’s Ansicht.

 

Von einem besonderen Gerichtsplaze, welchen die Grafen vor dem Schloße, oder deßen Nachbarschaft gehabt haben, redet keine bis jetzt bekannte Urkunde; indeßen deutet eine vom 8. Juni 1304 CCLXXIX dahin, daß die Nachbarschaft zu einer Gerichtsbarkeit der Burg gehöret hat, indem das Kloster Amelungsborn Güter in dem benachbarten Orte Lotbeck (Lobach) gegen Reiner v. Vornholte, einen Eversteinschen Lehnmann, welcher jene 1303 (s. nr. CCLXXVII) dem Kloster verkauft hatte, vor dem Herzoge Heinr. V. Braunschweig in Anspruch nahm, und dieser, weil die Güter in seiner Gerichtsbarkeit belegen, aus königlicher Macht ein Erkenntniß abgab. Auffallend ist übrigens, daß der von dem Herzoge ausgefertigte Gerichtsschein, in Herzberg, im jezigen Fürstenthum Grubenhagen, ausgestellt ist, und auch die Handlung daselbst geschehen zu seyn scheint, indem die Urkunde Actum et datum sagt. Die Urkunde von 1327 CCCXLV deutet gleichfalls auf ein Gericht in der Nachbarschaft der Burg. An der Quelle der dürren Holzminde, nicht weit von Everstein, haben sich zwei alte Denkmäler, unter dem Namen Königsstühle erhalten. a)

 

In der Burg war ein Geistlicher, wie uns Vicelin’s Geschichte davon unterrichtet. Die eigentliche Pfarrkirche, zu welcher sie gehört hat, ist nicht bekannt. Vielleicht ist diese die Kirche in dem nahe gelegenen, längst verschwundenen Dune, und auch hier das Erbbegräbniß der Grafen, welche in everstein wohnten, gwesen. b) 

 

a) Holzm. Wochenblatt von 1786 St. 1. S. 45.

 

b) s. Wigand a. a. O. S. 130. Ueber Dune s. a. das Orts-Register dieses Buches. Des Pfarrherrn inDune erwähnet eine Urkunde vom 15. Mai 1303 CCLXXVI. Es war diese Kirche daher damalsNoch vorhanden. Ob die Villa Thiunun s. Wigand S. 130 zu dieser Zeit schon verschwunden War, läßt mit Gewißheit sich nicht bestimmen. Lobach wird in Urkunden von 1303 (s. Orts- Register) genannt.

 

Die Burg Everstein wird in Corveyischen Nachrichten als ein Corveyisches Lehn angegeben, (s. nr. CCCCXCII)  welches die Hrzöge von Braunschweig empfangen. Keine Urkunde ist bis jetzt gefunden, welche eine Lehns-Verbindung der Grafen mit Corvey wegen dieser Burg bestätigte. Eine solche ist auch, wenn man die von den Grafen mit dem Rzbischofe von Cöln 1265 und 1283 angeknüpften Verhältniße s. S. 7. 8. berücksichtigt, sehr unwahrscheinlich. a)

 

Non einemWiderspruche des Stiftes Corvey, welcher gewiß erfolgt sein würde, ist nicht die geringste Spur entdeckt. Bei Abfaßung der Urkunden vom 3. Jan. 1365 wurden von den Grafen v. Everstein sehr sorgfältig die Rechte des Mindenschen Bischofs wegen Hameln (Quernhameln) s. § 12 vorbehalten. Ein gleiches würde gewiß in Beziehung auf Everstein für Corvey geschehem sein, wenn dieses Rechte gehabt hätte.

 

Es darf Überhaupt nicht unbemerkt bleiben, daß die Grafeb v. Everstein, am wenigsten in der früheren Zeit, in vielseitigen Verbindungen mit Corvey standen, so nahe ihre Güter bei  Ever-

 

a) Wigand a. a. O. vermuthet Everstein sei ein Corveyisches Schloß gewesen.

 

Stein, Holzminden, Polle dem Stifte auch lagen. Sie hatten nur wenige und geringe Lehne von Corvey, wie die Urkunden-Sammlung und das aufgestellte Lehn-Register s. § 54 ergeben. Ihre Besitzungen in dem Gau Auga, aus deßen grösten Theile sich das Corveyische Territorium bildete, werden nur in der nächsten Umgebung des Schloßes Everstein und an der Gränze des Gaues Tilithi in welchen sie vorzüglich begütert waren, amgetroffen.

 
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